Aufsatz 
Bericht über die Feier des 25jährigen Bestehens der Großherzoglichen Realschule zu Wimpfen am Neckar am 2. und 3. April 1897 / von Direktor Dr. Kemmer
Entstehung
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an allen Enden der Erde, wo nur Deutsche beisammen wohnen. Galt es doch, die hundert- jährige Wiederkehr des Tages zu feiern, der uns den grossen Kaiser gegeben, den Mann, dem wir Deutsche so unendlich viel verdanken, und die Bezeugung dank- barer Freude ist von jeher ein Zeichen des cchten. treuen deutschen Gemütes gewesen.

Auch wir begehen heute ein Freudenfest, und die deutsche Tugend dankbarer Freude bewährt sich auch hier aufs glänzendste. Sehe ich doch nicht nur liebe und werte Freunde und Gäste aus unserer Stadt, der Umgegend und aus benachbarten Orten, sondern auch frühere Lehrer und besonders Schüler unserer Anstalt in grosser Zahl aus den verschie- densten Gauen des deutschen Reiches, z. T. aus ziemlich weiter Ferne, die durch ihr Erscheinen dem Gefühle dankbarer Erinnerung Ausdruck geben und bezeugen wollen, was ihnen die Wimpfener Schule gewosen ist, was sie ihr verdanken und die gleichzeitig, so darf ich wohl annehmen, der Anstalt ihre Glückwünsche nicht nur zum heutigen Tage, sondern auch für ein weiteres fröhliches Blühen und Gedeihen in alle Zukunft darbringen wollen. Es ist das für die Anstalt und ihre Lehrer, die früheren und jetzigen, und weiter für alle Festteilnehmer eine freudenreiche Thatsache, welche die rechte Festesfreude erweckt. Und darum lassen Sie mich Sie alle begrüssen unter dem Ausdruck des Dankes für Ihr zahlreiches Erscheinen mit dem Festgruss der alten Griechen: Freuet Euch! Ja, freuen wollen wir uns in erster Linie, dass vor 25 Jahren in diesem herrlich gelegenen Berg- städtchen, dessen Glanz vergangener Zeiten durch die Ungunst der Verhältnisse mehr und mehr erlosch, durch die Thatkraft eiusichtsvoller und weitblickender Männer und der Stadt- vertretung eine Schule gegründet wurde, die im Laufe dieser 25 Jahre so segensreich gewirkt hat, nicht nur für diese Stadt allein, sondern für die ganze Umgebung und auch für manchen aus weiterer Ferne, eine Schule, die den Namen Wimpfens aufs neue be- kannt gemacht hat im engeroen und weiteren Vaterlande, eine Schule, die im weiten Um- kreis witwirken durfte an der Erziehung des deutschen Volkes zur Hochhaltung seiner idealen Güter, zur Ausbreitung und Schätzung des deutschen Namens, zur Stärkung des deutschen Ansehens und zur Erlangung der Tüchtigkeit in Staat und Gemeinde, die uns unsere Weltstellung geschaffen und verbürgt.

Denn gerade die lebendige Erkenntnis, dass zur Erhaltung und Weiterführung der deutschen Machtstellung, die das grosse Jahr 1870 uns gebracht, eine gründliche und harmonische Ausbildung des Leibes und der Seele, ein tieferes Verständnis für die Auf- gaben des Lebens und eine wohlausgebildete Arbeitskraft notwendig sei, hat unsere Schule geschaffen, und die gleiche Erkenntnis der leitenden Männer in Staat und Gemeinde hat sie über manche schwierige Klippe siegreich hinweggeführt, bis sie in die breitere Ebene eintrat, in der sie ein ruhigeres Dasein führen und somit erst recht nutzbringend werden konnte.

Noch war der Siegesjubel über die Erfolge des grossen Krieges nicht recht ver- stummt, die frohe Friedensbotschaft kaum verkündet, da traten in Wimpfen die Männer zusammen, die, von jener Erkenntnis tief durchdrungen, den Anstoss gaben zur Gründung der jetzigen Realschule. Es waren vornehmlich die 4 Männer, die später das Kuratorium bildeten: Bürgermeister Ernst, Beigeordneter Dr. Möricke, Dekan Soriba und Kauf- mann Karl Link....

Doch nicht ihnen allein gebührt Ehre und Anerkennung, sie gebührt auch der Stadt- vertretung in ihrer Mehrheit, die immer wieder die notwendigen Mittel bewilligte, und sie gebühret vor allem auch den staatlichen Organen, die für die Wimpfener Schule in ganz besonderer Weise sorgten.