Aufsatz 
Bericht über die Feier des 25jährigen Bestehens der Großherzoglichen Realschule zu Wimpfen am Neckar am 2. und 3. April 1897 / von Direktor Dr. Kemmer
Entstehung
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Zukunft des deutschen Volkes in erster Linie anvertraut sein wird. Dass unsere Wimpfener Schule an dieser hohen Aufgabe allezeit mitzuwirken gestrebt hat und fortdauernd strebt, davon glaube ich, sind Sie alle überzeugt und dass dies Streben auch Früchte getragen, das glaube ich in Ihrer aller Herzen lesen zu können. Und so stimme denn ein jeder, aus welchem Gaue des Vaterlandes er herstammen, in welchem Verhältnis zu unserer Schule er stehen möge, er stimme als echter Deutscher, erfüllt von heiliger Glut für des Vaterlandes Wohl, ein in den Ruf: Unser liebes deutsches Vaterland, das unser Hessen- land umschliesst, es lebe hoch! Hieran schloss sich das LiedDeutschland, Deutschland über alles an.

Im Namen der Abiturienten, denen die Teilnahme am Kommers bis 11 Uhr abends gestattet worden war, sprach einer von ihnen, Franz Krieg aus Damm bei Aschaffen- burg, seinen Lehrern den Dank aus für die vielen Mühen und Anstrengungea, die nötig gewesen, um sie dem lang ersehnten Ziele, der Entlassung mit dem Zeugnis der Reife, zuzuführen. Dabei hob er in schöner Weise hervor, dass ihr Dank kein Dank in Worten allein, sondern ein Dank der That sein solle. Ihr ganzes ferneres Leben, ihr Streben, nur Tüchtiges zu leisten, solle der sichtbare Ausdruck des Dankes sein, den sie der Schule für die sichere Grundlage ihrer ferneren Lebensthätigkeit schuldeten.

Hierauf erwiderte im Namen des Lehrerkollegiums Herr Dr. Dittmar. Er äusserte seine Freude über die Gesinnungstüchtigkeit, die in den Worten des Redners der Abi- turienten enthalten sei, und sprach die Hoffnung aus, dass diese Worte ein Ausdruck des Fühlens und Denkens aller Abiturienten sein möchten. Er bat dann noch dieselben, ins- besondere auch durch ihr moralisches Verhalten in ihrem ferneren Leben zu zeigen, dass sie eine tüchtige Schule genossen, die neben Wissen und Können auch auf die Ausbildung des jugendlichen Charakters das nötige Gewicht lege. Angestrengte Arbeit in Verbindung mit moralischer Kraft würden die Faktoren sein, die ihnen eine angesehene und befriedigende Stellung im bürgerlichen Leben begründen und sichern würden. Er schloss seine Worte mit einem allseitig freudig aufgenommenen Hoch auf die Abiturienten der Realschule.

Eine angenehme Ueberraschung bereitete uns Herr Hotelbesitzer Frank aus Heidelberg, der eine kunstvolle Adresse früherer Heidelberger Schüler mit folgender Ansprache überreichte:

Hochgeehrte Festversammlung! Als zu Anfang dieses Jahres die Kunde in die Welt hinaus drang, man beabsichtige das fünfundzwanzigjährige Bestehen der Grossherzoglichen Realschule in Wimpfen in festlicher Weise zu begehen, da fand diese Kunde wohl in den Herzen aller derer, die mit Liebe, Dankbarkeit und Verehrung an ihrer ehemaligen Lehranstalt hängen, freudigen Wiederhall!

So war es auch in Heidelberg! Man beschloss dort, durch gemeinsames Vorgehen das Fest zu verherrlichen und sich möglichst zahlreich an der Feier zu beteiligen! Unsere Bemühungen waren von Erfolg gekrönt. Wie Sie, verehrte Anwesende, sehen, ist eine ganze Anzahl von Heidelbergern hierher geeilt, um an dem Jubelfest ihrer geliebten Lehr- anstalt teilzunehmen!

Wir brachten es dabin, dass wir in der Lage waren, dem Jubiläumsfonds eine Geld- spende zu überweisen, begleitet von der Hoffnung, der guten Sache damit förderlich ge- dient zu haben!

Aber nicht nur dadurch wollten wir die Liebe, die Anhänglichkeit und die Dank- barkeit für unsere ehemalige Lehranstalt zum Ausdruck bringen, sondern wir fühlten uns