Aufsatz 
Dispositionen zu einigen ästhetischen Abhandlungen Schillers
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Anm. Hier kehren wir zu dem Urtext der Briefe Schil- lers über die ästhetische Erziehung zurück.

Der Schluss des sechsten Briefes: Da nicht zu hoffen ist, dass sich jedermann in allen Vorfällen des Lebens der Pflicht gemäss betragen wird, da, wo die Pflichtmässigkeit der Ge- sinnungen nicht zu erwarten ist, wenigstens die Gesetzmässig- keit der Handlungen gesichert werden muss, so ist es geraten das Wohl der Welt, das durch unsere zufällige Tugend gar übel besorgt sein würde, noch zur Sicherheit an den beiden starken Ankern, der Religion und dem Geschmack, zu befestigen.

Beide scheinen sich in das Menschengeschlecht so zu tei- ien, dass die Religion demjenigen ihre Arme öffnet, an dem die Schönheit verloren ist. Eine Scele nämlich, welche ange- fangen hat, das edlere Vergnügen an Formen zu kosten, und aus dem reinen Quell der Vernunft ihre Genüsse zu schöpfen, scheidet ohne Kampf von den gemeinen Freuden des Stoffes und hält sich für die Entbehrungen des äusseren Sinnes durch die Vergnügungen des inneren unendlich entschädigt. Aber einen Fall gibt es doch, wo wir alle, verfeinert oder roh, unter die Gewalt des Instinkts zurückkehren: da, wo wir uns dem Tode gegenüber sehen. Wir werden wohl tun, für diesen äussersten Fall Religionsideen in Bereitschaft zu halten, um dem unabweisbaren Lebenstrieb in einer andern Ordnung der Dinge eine Befriedigung versichern zu können.

VII. Brief.

Die ästhetische Tugend, obgleich sie dem Menschen keinen Wert in der moralischen Welt erwirbt, macht ihn doch für die physische brauchbar, weil sie ihn einer Gesetzmässigkeit des Betragens fähig macht, ohne welche die Natur ihren grossen Zweck, der auf Vereinigung des Menschen zu einem Ganzen gerichtet ist, nie erreichen könnte. Die Menschen wahr- haft und innig zu vereinigen, dazu gehört freilich ein eigenes positiveres Band, der gesellige Charakter oder die Mitteilung der Empfindungen und der Umtausch der Ideen. Zur Gesell- schaft konnte schon das plosse Bedürfnis den Menschen führen, aber nur der Geschmack zur Geselligkeit. Der Geschmack allein bringt eine harmonische Einheit in die Gesellschaft, weil er eine harmonische Einheit in dem Individuo stiftet.

Der gute Ton verbannt alles, was ausschliesst. Die Ver- gnügungen der Sinne und die entgegengesetzten des reinen Verstandes sind nie einer allgemeinen Mitteilung fähig. Man würde eine gemischte Gesellschaft aus der gesitteten Welt sehr