Aufsatz 
Dispositionen zu einigen ästhetischen Abhandlungen Schillers
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die unmittelbare und materielle Empfindung, sondern auf die Reflexion, auf die freie Betrachtung. Das Schöne des Wilden ist immer das Seltsame, das Schreiende, das Bunte; er bildet groteske Figuren, liebt grelle Farben, eine gellende Musik. Das erweckt ihm Wohlgefallen ohne unmittelbares Sinnen- interesse: es gefällt seinem inneren Sinne, weil es ihm eine Tätigkeit des Verstandes zu empfinden gibt. So gehört es in subjektivem Sinne allerdings zur Familie des Schönen, wie sehr es auch, in objektiver Richtung, davon ausgeschlossen ist.

Jetzt fängt auch der Wilde an, auf den Eindruck Acht zu geben, den er auf andere macht. Er will gefallen. Alles, was er besitzt, muss ausgezeichnet sein und in die Augen fallen. Sich selbst schmückt er. In sein gesellschaftliches Betragen und in seine Sitten führt er Schnörkel und Ver- zierungen ein. Wie sehr auch alle diese ersten Versuche, als Entfernungen von der Einfalt der Natur, ins Abenteuerliche, Abgeschmackte und Widersinnige fallen, so sind sie doch als die erste Anmeldung der Vernunftfreiheit, eines Grades von Achtung wert.

In dem Verhältnis zwischen beiden Geschlechtern äussert sich jetzt Freiheit bei dem Geschäft des Instinkts: Reize wer- den von dem Weibe, Verdienst von dem Manne gefordert, und die Schönheit ist der Tapferkeit Preis.

Der gesellschaftliche Umgang gewinnt ein ganz anderes Anschen. Der rohe Egoist muss, weil er zu gefallen wünscht, den Ungestüm seiner Affekte bezühmen und die Freiheit ausser sich respektieren, weil er der Freiheit gefallen will: er muss also aus dem feindseligen, kriegerischen Stand der Natur heraustreten und selbst zur milden Erscheinung werden.

Wie wohltätig ist das Erwachen des Schönheitstriebes für die Religion! Während bisher Furcht der Geist aller Gottes- verehrung war, verbessern sich die Vorstellungen von den Göttern: sie werfen die Gespensterlarven ab, womit sie die Kindheit des Menschen erschreckt hatten, und überraschen ihn mit einem veredelten Bilde seiner selbst.

Aber der Schönheit stille Macht beschränkt sich nicht darauf, die Empfindungen zu vergeistigen: selbst im Geschäft der Erkenntnis leistet sie dem Geist gegen die widerstrebende Sinnlichkeit Beistand, ob ihr gleich ein posi- tiver Anteil an diesem Geschäft nicht gestattet werden kann. Anspannung der Denkkraft gehört dazu, um die Form, worin allein die Wahrheit enthalten ist, von der Materie zu scheiden. Um also die sinnlichen Vermögen, die sich immer nur an die