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Kraft zu beweisen und der Grund gewisser Wirkungen zu sein. Seinen Naturzweck erfüllt er vollkommen schon durch den Inhalt oder das Materiale seines Handelns, wie es auch um den Bestimmungsgrund oder das Formale dieses Handelns stehen möge. Die Natur schreibt dem Menschen durch Emp- findungen vor, was er wirken soll: wo er unmittelbar aus Empfindung handelt, ist der Mensch bloss ein leidendes Glied in der Verkettung der Dinge. Das gilt selbst von den soge- nannten moralischen Empfindungen, d. h. von der Fähig- keit des Gemüts, durch Ideen von Ordnung, Harmonie und Vollkommenheit affiziert zu werden: die Natur will dadurch gewisse physische Zwecke, wie z. B. Aufmunterung zur Tätig- keit, gesellschaftliche Verbindungen, gegenseitige Hilfelei- stung und dergleichen befördern. Wer moralische Empfind- samkeit besitzt, den betrachte ich als ein edleres Naturwesen, aber seiner Person kann ich kein Verdienst daraus machen: sein inneres Selbst, wo die Freiheit regiert, wird dadurch nicht berührt.
So wie die physische Weltordnung bploss das Materiale meines Wirkens beabsichtigt, so abstrahiert umgekehrt die moralische Weltordnung ganz und gar von dem Inhalt meines Handelns, um sich bloss an die Form oder den Bestimmungs- grund desselben zu halten. Meine Vernunftbestimmung ist, mich als eine unabhängige und absolute Kraft zu beweisen, deren Wirken reine Selbstbestimmung ist. Nur wo ich aus reiner Erkenntnis handle,— also ganz und gar nicht durch Empfindungen bestimmt,— beweise ich eine absolut freie Tätigkeit. Aber ich bin weit früher ein Sinnenwesen, als ich mich als eine Intelligenz kennen lerne: ehe der selbsttätige Geist seine Kräfte prüft, hat der Trieb seine Herrschaft be- festigt. Wie werde ich von der sinnlichen Abhängigkeit zu der moralischen Freiheit einen Uebergang finden? Um einen solchen möglich zu machen, bleibt nichts anderes übrig, als dass die Selbsttätigkeit der Vernunft an den Geschäften der Sinnlichkeit teilnehme. Schon im Gebiete der Empfindungen muss der selbsttätige Geist in uns seine Wirksamkeit eröffnen: es ehrt und erhebt den Menschen, dasjenige, was gemeine Seelen nur durch die leidende Kraft verrichten, mit Zu- ziehung der tätigen Kraft zu tun. Wir können also drei ver- schiedene Epochen bemerken, die der Mensch zu durchwan- dern hat, ehe er das ist, wozu Natur und Vernunft ihn be- stimmten.
Auf der ersten Stufe ist er nichts als eine leidende Kraft.


