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heit des Kopfes wird mit der Reinheit des Willens zusammen- treffen müssen, wenn der Charakter vollendet heissen soll. Das dringendere Bedürfnis unseres Zeitalters scheint mir nicht sowohl philosophische— denn für die Aufklärung des Ver- standes ist schon sehr viel getan—, als ästhetische Kultur, die ich für das wirksamste Instrument der Charakterbildung halte.
Die Künste des Schönen und Erhabenen beleben, üben und verfeinern das Empfindungsvermögen; sie erheben den Geist von den groben Vergnügungen des Stoffes zum reinen Wohlgefallen an blossen Formen. Die wahre Verfeinerung der Gefühle besteht jederzeit darin, dass der höheren Natur des Menschen und dem göttlichen Teil seines Wesens, seiner Vernunft und seiner Freiheit, ein Anteil daran verschafft wird. Aus dem göttlichen Teil unseres Wesens, aus dem ewig reinen Aether idealischer Menschheit strömt der lautere Quell der Schönheit herab, unangesteckt von dem Geist des Zeit- alters, der tief unter ihm in trüben Strudeln dahinwallt. Um nicht zur Nachahmung des Zeitgeistes herunterzusinken, den sie zu sich erheben soll, muss die Kunst Ideale haben, die ihr unaufhörlich das Bild des höchsten Schönen vorhalten, und sie muss durch ein eigenes Gesetzbuch sowohl von dem Des- potismus eines lokalen und einseitigen Geschmacks, als vor der Anarchie eines verwilderten sicher gestellt werden. Ideale besitzt sie zum Teil schon in den unsterblichen Mustern, die der griechische und der ihm verwandte Genius einiger Neueren gebar, und die, ewig unerreicht, jeden Wechsel des Mode- geschmacks überdauern. Aber an einem Gesetzbuch mangelt es: und dieses ihr zu verschaffen, ist eines der schwersten Probleme der philosophierenden Vernunft.
So ergibt sich, dass eine Philosophie des Schönen von dem Bedürfnis des Zeitalters nicht so entlegen ist, als es scheinen möchte. Jede gründliche Staatsverbesserung muss mit Veredlung des Charakters beginnen, dieser aber muss an dem Schönen und Erhabenen sich aufrichten.
Aber vielleicht hätte ich vor allem andern den Einfluss ästhetischer Kultur auf die sittliche ausser Zweifel setzen sollen. Das sei die Aufgabe des folgenden Briefes.
III. Brief.
Dass ein verfeinertes Gefühl des Schönen Charakter und Sitten veredle, ist sehr oft wiederholt worden, aber doch nicht unbestritten. In der Tat lässt sich kaum ein einziger Fall in


