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wir dieses hohe Freiheitsgefühl nicht anders als mit Leiden erkaufen.
c) Der Untergang Laokoons, die unmittelbare Folge der erfüllten Vaterpflicht.
Eine solche edle Sinnesart vermuten wir auch bei Lao- koon, und er täuscht unsere Erwartungen nicht. Mit grosser Kunst weiss uns der Dichter seine innere moralische Stärke vor Augen zu führen. Nicht über den Vater selbst, sondern über seine Kinder fallen die Schlangen zuerst her: wäre Lao- koon ein gemeiner Mensch, ohne wahren moralischen Mut, so hätte er seines Vorteils wahrgenommen und die Flucht vor den furchtbaren Ungeheuern ergriffen. Doch die Liebe zu den Kindern hält ihn zu seinem eigenen Verderben zurück. Er weiss, dass er den Versuch, seine Söhne zu retten, mit dem Tode büssen muss: dennoch zögert er keinen Augenblick, sei- ner Vaterpflicht zu genügen; er gibt sich gleichsam aus freier Wahl dem Verderben hin, und sein Tod wird eine Willens- handlung; sein Untergang ist die unmittelbare Folge der er- füllten Vaterpflicht, der zürtlichen Bekümmernis für seine Kinder, und dies entflammt unsere Teilnahme aufs höchste.
C. Schluss: Bei allem Pathos muss also der Sinn durch Leiden, der Geist durch Freiheit interessiert werden. Fehlt es einer pathetischen Darstellung an einem Ausdruck der leidenden Natur, so ist sie ohne ästhetische Kraft, und unser Herz pleibt kalt. Fehlt es ihr an einem Ausdruck der ethischen Anlage, so kann sie bei aller sinnlichen Kraft nie pathetisch sein und wird unausbleiblich unsere Empfindung empören.»
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6. Uber die ästhetische Erziehung des Menschen, in einer Reihe von Briefen. Zuerst gedruckt in den Horen», erstes, zweites und sechstes Stück. 1795.
Vorbemerkung. In der trefflichen Ausgabe der Werke Schillers von Ludwig Bellermann(Leipzig und Wien. Bibliographisches Institut) sind die«Philosophischen Schrif- ten» von Paul Kaiser pearbeitet. Dieser gibt in den Anmer- kungen zu jedem einzelnen der 27 Briefe eine kurze Inhalts- angabe, welche das Zurechtfinden in dem Texte sehr er- leichtert.
Ich ziehe es vor, meiner der Schule gewidmeten Betrach-


