Aufsatz 
Dispositionen zu einigen ästhetischen Abhandlungen Schillers
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dieser Disharmonie zwischen der animalischen Natur und dem selbsttätigen Geist erkennt man die Gegenwart eines über- sinnlichen Prinzips im Menschen: je entscheidender und ge- waltsamer der Affekt in dem Gebiete der Tierheit sich äussert, ohne doch im Gebiete der Menschheit dieselbe Macht be- haupten zu können, desto mehr wird diese letztere kenntlich, desto glorreicher offenbart sich die moralische Selbständig- keit des Menschen, desto pathetischer ist die Darstellung und desto erhabener das Pathos.

II. Der Begriff des Pathetischen wird erläutert und ent- wickelt

1. an der Marmorgruppe des Laokoon(nach der Be- schreibung Winckelmanns), die ungefähr ein Mass für das ist, was die bildende Kunst der Alten im Pathetischen zu leisten vermochte.

a) Der Ausdruck der leidenden sinnlichen Natur äussert sich mit furchtbarer Gewalt an dem ganzen Körper des un- glücklichen Priesters: der Schmerz spannt alle Muskeln und Sehnen; an dem krampfhaft eingezogenen Unterleib glauben wir ihn beinahe selbst zu empfinden.

b) Der Ausdruck des moralischen Widerstandes gegen das Leiden: Laokoon, sagt Winckelmann,«ist eine Natur im höchsten Schmerze, nach dem Bilde eines Mannes gemacht, der die bewusste Stärke des Geistes gegen denselben zu sam- meln sucht.) Die mitleidsvollen Augen, aus denen die Angst um die Pein der Kinder spricht, der wehmütige Mund, die wie im Unmut emporgezogene Lippe, alle diese Teile des herrlichen Hauptes offenbaren den Kampf der Vernunft mit dem Todesschmerz. Den höchsten Grad erreicht diese Dar- stellung auf der aufgetriebenen Stirn selbst, deren Ausdruck uns etwas erraten lässt von den Vorgängen in dem gewaltig arbeitenden Gehirn, dem Sitze der beiden streitenden Mächte, der Empfindung und der moralischen Kraft. So hat der Künstler die einzelnen Teile vor Verzerrung bewahrt, die eine notwendige Folge des ungebändigten Schmerzes gewesen wäre, und es zu einer Schönheit gebracht, die eine nachhaltige und ungetrübte Wirkung ausübt.

2. Der Begriff des Pathetischen wird weiter erläutert an Laokoon in der poetischen Schilderung des Vergil.

Wenn es auch dem Dichter mehr darauf ankam, das Leiden des Priesters als eine göttliche Strafe hinzustellen, wozu die Darstellung des körperlichen Schmerzes allein ge-