Aufsatz 
Dispositionen zu einigen ästhetischen Abhandlungen Schillers
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imperative Form jede Selbstbestimmung auszuschliessen scheint, kann er nicht billigen. Er geht einen Schritt weiter als Kant: nach ihm ist Tugend nicht mehr die blosse Er- füllung der Pflicht, sondern sie ist«Neigung zur Pflicht». Sein Ideal ist eine schöne Seele: in ihr hat sich das sittliche Gefühl aller Empfindungen des Menschen endlich bis zu dem Grade versichert, dass es dem Affekt die Leitung des Willens ohne Scheu überlassen darf und nie Gefahr läuft, mit den Entscheidungen desselben im Widerspruch zu stehen. Man wird im ganzen genommen die Anmut mehr bei dem weiblichen Geschlecht finden, da die Beschaffenheit ihres Kör- pers und Charakters die Frauen geeigneter dazu machen.

Uebergang: So wie die Anmut der Ausdruck einer schönen Seele ist, so ist Würde der Ausdruck einer erhabenen Gesinnung.

II. Begriff der Würde.

Es ist dem Menschen zwar aufgegeben, eine innige Uebereinstimmung zwischen seinen beiden Naturen zu stiften, immer ein harmonierendes Ganzes zu sein und mit seiner voll- stimmigen ganzen Menschheit zu handeln. Aber diese Cha- rakterschönheit, die reifste Frucht seiner Humanität, ist bloss eine Idee, welcher gemäss zu werden er mit anhaltender Wach- samkeit streben, aber die er bei aller Anstrengung nie ganz erreichen kann.»

Der Grund, warum er es nicht kann, ist die unveränder- liche Einrichtung seiner Natur; es sind die physischen Be- dingungen seines Daseins selbst, die ihn daran verhindern.

1. Der Naturtrieb kann zu seiner Befriedigung Hand- lungen fordern, die dem moralischen Grundsatze zuwider- laufen. Um seine Existenz in der Sinnenwelt, für die eigent- lich der Wille allein verantwortlich ist, sicher zu stellen, ist der Naturtrieb im Menschen ins Leben gerufen, der auf die Befriedigung der für das Leben notwendigen Bedürfnisse dringt; so hat die Natur eine gewisse Notwendigkeit in die willkürlichen Bestimmungen des Willens gelegt. Der Natur- trieb bestürmt das Empfindungsvermögen und durch dieses den Willen mit der doppelten Macht von Schmerz und Ver- gnügen, die Verabscheuung oder Begierde im Menschen her- vorrufen. Doch während hierauf beim Tiere unmittelbar das Streben folgt, den Schmerz los zu werden und die Begierde zu befriedigen, ist bei dem Menschen noch eine Instanz mehr vorhanden.