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Handlung wird ein Zeichen seiner sittlichen Vollkommenheit. Je mehr er seinem Triebe trauen darf, ohne befürchten zu müssen, durch ihn missgeleitet zu werden, um so höher muss er in unserer Achtung steigen. Hat er aber die Stufe erreicht, dass er der Neigung ohne Scheu die Leitung des Willens über- lassen darf, so ist er das, was Schiller unter einer schönen Seele versteht. Seine einzelnen Handlungen sind dann zwar nicht verdienstvoll, da ihn ja die Neigung dazu treibt, und da die Befriedigung eines Triebes nie verdienstvoll genannt werden kann, aber dass sie ist, die schöne Seele, das ist ihr Verdienst. Die schwersten Pflichten erfüllt sie ohne Zögern, ja sie weiss nicht einmal, dass man überhaupt anders handeln und emp- finden kann.
Die natürliche Folge einer solchen glücklichen Ueberein- stimmung im Innern ist eine Harmonie auch in den Bewe- gungen des Körpers, ist Anmut oder Grazie, die jedes Auge entzückt, selbst wenn es dem Leibe an Schönheit der Form mangelt.
4. Schillers Auffassung von der schönen Seele enthält eine Abweichung seiner Ethik von derjenigen Kants.
a) Tugend,» sagt der grosse Weltweise Kant,«ist Er- füllung der Pflicht.“ Nur derjenige wird jederzeit das Rich- tige tun, in dem die Vernunft allein den Willen beeinflusst, von dem die Ausführung der Handlungen abhängt; alle sinn- lichen Triebe, alle Neigungen, die das natürliche Bestreben haben, ihrerseits auf die Entscheidungen des Willens einzu- wirken, sollen unbedingt unterdrückt werden: nicht auf die Gesetzmässigkeit der Taten, sondern nur auf die Pflicht- mässigkeit der Gesinnung kommt es an. Diese Lehre, die jede freiere Regung der sinnlichen Natur verbietet, vertritt Kant den laxen Ansichten seiner Zeitgenossen gegenüber mit der grössten Strenge. Aus dem Sanktuarium der reinen Vernunft brachte er das fremde und doch wieder so bekannte Moralge- setz, stellte es in seiner ganzen Heiligkeit aus vor dem ent- würdigten Jahrhundert und fragte wenig darnach, ob es Augen gibt, die seinen Glanz nicht vertragen.»
UÜUebergang: Womit aber hatten es die Kinder des Hauses verschuldet, dass er nur für die Knechte sorgte?
b) Schiller hat gegen das Prinzip an sich, wie Kant es hinstellte, nichts einzuwenden. Die genaue Untersuchung der Wahrheit hält er für notwendig und nützlich; doch die allzu schroffe Darstellung der gefundenen Wahrheit, die durch ihre


