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sprechenden Zügen unterscheidet Schiller die stummen, welche bloss die plastische Natur, insofern sie von jedem Einfluss der Seele unabhängig wirkt, in die menschliche Bildung zeichnet. Für den Physiognomen sind diese stummen Züge keineswegs bedeutungsleer, weil er nicht bloss wissen will, was der Mensch selbst aus sich gemacht hat, sondern auch, was die Natur für und gegen ihn getan hat.
3. Anmut ist der Ausdruck einer«schönen Seeley, die nur bestehen kann, wenn Harmonie zwischen Vernunft und Sinn- lichkeit im Menschen herrscht.
a) Diese Uebereinstimmung besteht nicht,
a) wenn die Vernunft allein herrscht, wie Kant es fordert. Eine solche Verfassung des Gemüts ist wohl moralisch gross, aber nie ästhetisch schön: denn wie kann sich Grazie, die wir allein am Körper wahrnehmen, zeigen, wie sich die Sinnlich- keit an dem Siege der Vernunft freuen, wenn sie selbst die Besiegte ist, wenn sie auf jede Weise unterdrückt wird? Es wird daher nicht Grazie sein können, wodurch die mit den Stoffen kämpfende moralische Freiheit sich kenntlich macht;»
9) sie besteht nicht, wenn die Sinnlichkeit allein herrscht. Noch viel weniger kann von Schönheit der Seele die Rede sein, wenn der Mensch, uneingedenk seiner doppelten Natur, die Sinnlichkeit ungebunden über sich herrschen lässt, und nur be- dacht auf die Befriedigung seiner Triebe, ein Sklave seiner Begierden wird. Jede moralische Tätigkeit hört dann auf, und der Mensch, die Krone der Schöpfung, wird, zum Tier herab- gewürdigt, ein Gegenstand des Ekels und Abscheus.
b) Nur wenn Vernunft und Sinnlichkeit, Pflicht und Neigung zusammenstimmen, ist Schönheit der Seele vorhanden.
Der einzige Fall, der noch übrig bleibt, liegt zwischen diesen beiden möglichen Zuständen, die Schiller mit einer strengen Monarchie und zügellosen Ochlokratie vergleicht: so wie die Freiheit zwischen dem gesetzlichen Druck und der Anarchie mitten inne liegt, so findet man auch die Schönheit in der Mitte zwischen der Würde, als dem Ausdruck des herr- schenden Geistes, und der Wollust, als dem Ausdruck des herr- schenden Triebes. Die Schönheit der Seele ist Harmonie von Vernunft und Sinnlichkeit, Pflicht und Neigung.
Die Natur selbst hat dem Menschen dadurch, dass sie ihn zum Menschen, zu einem vernünftig-sinnlichen Wesen schuf, zur Aufgabe gesetzt, Uebereinstimmung zwischen seinen beiden Naturen herzustellen. Der Mensch soll seine Pflicht aus Nei- gung tun, und gerade dieser Anteil der Neigung an einer


