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b) Dass Anmut ferner nur der Bewegung zukommen kann, ist leicht einzusehen. Denn eine Veränderung im Gemüt kann sich nur als Bewegung in der Sinnenwelt offenbaren. Viele mit sich identischen anmutigen Bewegungen geben einen anmutigen Zustand: da kann es vorkommen, dass endlich der Geist selbst sich seinen Körper bildet, so dass die Anmut sich in architektonische Schönheit verwandelt. Zweiter Satz: Die Anmut zeigt sich in den durch die Freiheit bewirkten Be- wegungen eines womöglich schon an sich schönen Natur- körpers.
c) Bewegungen können aber entweder notwendig oder willkürlich, d. h. vom Willen des Subjekts abhängig sein. Anmut kommt nur willkürlichen Bewegungen zu, aber auch unter diesen nur denjenigen, die ein Ausdruck moralischer Empfindungen sind. Wo Anmut herrscht, da ist die Seele das bewegende Prinzip, und in ihr ist der Grund für die Schönheit der Bewegungen enthalten. Dritter Satz: Der Im- puls der Freiheit, wodurch anmutige Bewegungen entstehen, muss ein moralischer sein, indem nur eine sittliche Re- gung des Innern, sofern sie sich äusserlich anzeigt, eine an- mutige Bewegung schaffen kann.
d) Damit ist aber der Begriff der Anmut noch nicht voll- ständig bestimmt. Bewegungen nämlich, aus moralischen Antrieben entstehend, können doppelter Art sein.*) Die Per- son schreibt entweder dem Körper durch ihren Willen die Be-
*) Schiller unterscheidet:
Bewegung. Notwendige, Willkürliche, z. B. Atemholen. d. h. vom Willen des Subjektes ab- hängige. Ursache: Ursache: Sinnlichkeit. moralische Empfindungen. Abgezweckte: Sympathetische: z. B. Rede, Gesang, z. B. Ausdruck willkürliches Spiel von Freude und der Augen und des Schmerz, Lachen,
Mundes, Bewegun- Erröten. gen der Hände, der
Arme, der Gang
und die Haltung des
Körpers.


