Aufsatz 
Dispositionen zu einigen ästhetischen Abhandlungen Schillers
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d) Aber auch unter den willkürlichen Bewegungen kommt nur denjenigen Anmut zu, welche ein Ausdruck moralischer Empfindungen sind. Wo Anmut stattfindet, da ist die Seele das bewegende Prinzip, und in ihr ist der Grund von der Schönheit der Bewegung enthalten.

«Anmut ist also eine Schönheit, die nicht von der Natur gegeben, sondern von dem Subjekte selbst hervorgebracht wird.)

2. Entwickelung des Begriffes«Anmuty auf dem Wege der philosophischen Untersuchung.

«Die philosophierende Vernunft kann sich weniger Ent- deckungen rühmen, die der Sinn nicht schon dunkel geahnt, und die Poesie nicht geoffenbart hätte.)

a) Schiller stellt einen Unterschied fest zwischen der von der Natur verliehenen Schönheit, der Schönheit des Baues oder der architektonischen Schönheit, wie ein glückliches Ver- hältnis der Glieder, fliessende Umrisse, ein lieblicher Teint, eine zarte Haut, ein feiner und freier Wuchs, eine wohl-

klingende Stimme u. s. f. die mit technischer Vollkom- menheit(Zweckmässigkeit) nicht zu verwechseln ist, wie sie annähernd jede menschliche Körperbildung besitzt, und

jener Schönheit, die durch moralische Empfindungen bewirkt wird, die er Anmut nennt.

Für diese Unterscheidung bedenke man, dass der Mensch ein Doppelwesen ist, nicht bloss Natur, sondern auch Person, d. h. ein Wesen, welches selbst Ursache und zwar absolut letzte Ursache seiner Zustände sein, welches sich nach Gründen, die es aus sich selbst nimmt, verändern kann. Die Art seines Erscheinens hängt ab von der Art seines Empfindens und Wollens, also von Zuständen, die er selbst in seiner Freiheit, und nicht die Natur nach ihrer Notwendigkeit bestimmt. So teilt die Natur das Regiment mit der Freiheit, und diese ist es, welche die Schönheit regiert. Die Natur gab die Schön- heit des Baues, die Seele gibt die Schönheit des Spiels. Jene macht dem Schöpfer der Natur, diese ihrem Besitzer Ehre. Schönheit ist eine Naturgabe(Talent), Anmut ist ein per- sönliches Verdienst.

Wenn wir kurz zusammenfassen, erhalten wir also als ersten Satz: Die Anmut ist von der architektonischen, durch das blosse Wirken der Naturnotwendigkeit erzeugten Schön- heit dadurch unterschieden, dass sie eine Wirkung der Freiheit ist.

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