Aufsatz 
Dispositionen zu einigen ästhetischen Abhandlungen Schillers
Einzelbild herunterladen

14

die notwendige Bedingung unserer sittlichen Kultur. Den Johanniterrittern muss man zugestehen, dass sie einem bloss idealischen Gut alle Güter der Sinnlichkeit zum Opfer brachten.

1. Welches war dieses idealische Gut? Es war ein Wahn, der in einer Periode des Aberglaubens, des Fanatismus, der Gedankenknechtschaft geboren war, der Glaube, dass man für leblose Heiligtümer, für die Befreiung des heiligen Landes von der Herrschaft der Moslemin, bluten müsse. Dieser ver- finsterte Glaubenseifer begünstigte und heiligte alle Gräuel des Krieges, dieser Aberglaube führte zu abgeschmackten Ver- irrungen.

Die Idee, für welche die Johanniter eintraten, können wir nicht billigen; aber was opferten sie dieser Idee?

2. An jenen Wahn, den sie mit Weisheit verwechselten, setzten die Heroen des Mittelalters Blut, Leben und Eigen- tum; heldenmässig gehorchten sie den höchsten Gesetzen der Vernunft. Wir sehen sie praktische Tugend üben. Unter dem Panier des Kreuzes verrichteten sie der Menschheit schwerste und heiligste Pflichten: sie zeigten todesverachtende Tapferkeit als Ritter, Geduld, Selbstverleugnung und Barm- herzigkeit in dem niedrigen Dienst eines Krankenwärters. Um ihrer heroischen Treue und Opferbereitschaft willen sind die Johanniterritter der höchsten Bewunderung wert.

II. Der Orden war zugleich ein Staat. Wir sehen hier also einen neuen Versuch unter unzähligen anderen, die Be- dingungen zu finden, welche die gesellschaftliche Glückselig- keit gewährleisten. Der Religionsfanatismus in den Zeiten der Kreuzzüge hat dieses staatliche Gemeinwesen ins Leben gerufen.

1. Grundlage dieses mönchisch-ritterlichen Staatswesens war die Vereinigung von demütigem Gehorsam und kriegeri- scher Kraft(Demut und Kraft), d. h zweier einander ent- gegenstehender Prinzipien.

a) Zwangsvolle Ordensregeln, Kriegszucht und Mönchs- disziplin, die strenge Selbstverleugnung, welche das Christen- tum fordert.

b) Kühner Soldatentrotz, feuriger Rittergeist.

2. Der Zweck dieser politischen Gemeinschaft war ein doppelter.

a) Es galt gegen den äusseren Feind der Religion eine undurchdringliche Phalanx zu bilden, die Moslemin mit dem Schwerte zu bekämpfen. Rittertum.