Aufsatz 
Dispositionen zu einigen ästhetischen Abhandlungen Schillers
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sich eine lange Kette von Geschehnissen von dem gegenwär- tigen Augenblicke bis zum Anfang des Menschengeschlechtes hinauf, die wie Ursache und Wirkung ineinandergreifen.

2. Der Stoff der Geschichte im weitesten Sinne.

Ganz und vollzählig überschauen kann die Begebenheiten der Vergangenheit nur Gott. Dem Menschen sind engere Grenzen gesetzt.

a) Die ganze Epoche vor der Sprache, so folgenreich sie auch für die Welt gewesen, ist für die Weltgeschichte verloren.

b) Alle Begebenheiten vor dem Gebrauche der Schrift sind für die Weltgeschichte so gut als verloren.

c) Bei weitem den grösseren Teil der schriftlichen Denk- mäler des Altertums haben Zeit und Zufälle zerstört; er ist also mit den Aufschlüssen, die er uns geben sollte, für die Weltgeschichte verloren.

d) Die wenigen Trümmer dieser schriftlichen Denkmäler, die sich aus der Vorwelt in die Zeiten der Buchdruckerkunst gerettet haben, sind in der grösseren Anzahl durch die Leiden- schaft, durch den Unverstand und oft selbst durch das Genie ihrer Beschreiber verunstaltet und unkennbar gemacht.

Die kleine Summe von Begebenheiten, die nach allen bisher geschehenen Abzügen zurückbleibt, ist der Stoff der Geschichte im weitesten Sinne.

3. Was und wieviel von diesem historischen Stoff gehört nun der Universalgeschichte?

Das Verhältnis eines historischen Datums zu der heutigen Weltverfassung ist es, worauf gesehen werden muss, um Ma- terialien für die Weltgeschichte zu sammeln. So ergibt sich folgende Begriffserklärung: diejenigen Begebenheiten der Ver- gangenheit gehören zur Universalgeschichte, welche auf die heutige Gestalt der Welt und den Zustand der jetzt lebenden Generation einen wesentlichen, unwidersprechlichen und leicht zu verfolgenden Einfluss gehabt haben.

II. Zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?

1. Endziel des Studiums der Universalgeschichte.

Die lückenhaft überlieferten oder in dem Zeitalter, dem sie eigentlich angehören, nicht selten isoliert erscheinenden Begebenheiten der Vergangenheit, wie z. B. der Ursprung des Christentums und besonders der christlichen Sittenlehre, er- hebt der philosophische Verstand, indem er das Aggregat der überkommenen Bruchstücke der Weltgeschichte durch künst- liche Bindungsglieder verkettet, zum System, d. h. zu einem vernunftmässigzusammenhängendenGanzen. Dieses System zu

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