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sondert er die Wissenschaften, die er Brotstudien nennt, von allen übrigen, die den Geist nur als Geist vergnügen, auf das sorgfältigste ab und widmet ihnen ausschliesslich alle seine Kraft.
Der philosophische Kopf dagegen bestrebt sich ebenso sorgfältig, als der Brotgelehrte seine Wissenschaft von allen übrigen absondert, vielmehr ihr Gebiet zu erweitern und ihren Bund mit den übrigen wiederherzustellen. Frühe hat er sich überzeugt, dass im Gebiete des Verstandes, wie in der Sinnen- welt alles ineinander greife: seine edle Ungeduld kann nicht ruhen, bis alle seine Begriffe zu einem harmonischen Ganzen sich geordnet haben. Wenn der Brotgelehrte zu allem, was er unternimmt, Reiz und Aufmunterung von aussen her borgen muss, findet der philosophische Kopf in seinem Gegen- stande, in seinem Fleisse selbst, Reiz und Belohnung.
Nur dem philosophischen Kopf kann des Studium der Universalgeschichte empfohlen werden.
B. Abhandlung: Die Universalgeschichte ist die Erzählung derjenigen Begebenheiten der Vergangenheit, welche auf die heutige Gestalt der Welt und den Zustand der jetzt lebenden Generation einen wesentlichen, unwidersprech- lichen und leicht zu verfolgenden Einfluss gehabt haben. Man studiert Universalgeschichte, um die Begebenheiten der Ver- gangenheit als ein System, d. h. als ein vernunftmässig zu- sammenhängendes Ganzes zu erkennen und um das Geheimnis der von Gott aufgerichteten Weltordnung zu durchdringen.
I. Begriff der Universalgeschichte.
1. Uebersicht über die Kulturentwickelung.
Wenn die Anfänge der Entwickelung des Menschen- geschlechts der hochentwickelten Kultur des 18. Jahrhunderts entgegengestellt werden, so sind das sehr entgegengesetzte Ge- mälde. Das nämliche Volk auf dem nämlichen Landstriche in verschiedenen Zeiträumen—, ebenso wie das gleichzeitige Geschlecht in verschiedenen Ländern zeigt die auffallendsten Unterschiede der Kultur. Um vom ungeselligen Höhlenbe- wohner zum geistreichen Denker, zum gebildeten Weltmann hinaufzusteigen, hat der Mensch unendliche Fortschritte machen müssen. Dass Schiller und seine Zuhörer in dem Augenblicke, in welchem er seine akademische Antrittsrede hielt, sich mit diesem Grade von Nationalkultur, mit dieser Sprache, diesen Sitten, diesen bürgerlichen Vorteilen, diesem Mass von Gewissensfreiheit zusammenfanden, ist das Resultat vielleicht aller vorhergegangenen Weltbegebenheiten. So zieht


