Aufsatz 
Dispositionen zu einigen ästhetischen Abhandlungen Schillers
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Schicksale zu ertragen. Dem Zufall, der im Gewebe unseres Lebens eine so grosse Rolle spielt, müssen wir uns blind unter- werfen. Gewinn genug, wenn unser Mut, unsere Klugheit sich einst schon in ähnlichen Verhängnissen, welche die Schaubühne uns vor Augen führte, übten, und unser Herz zu dem Schlage sich gehärtet hat.

c) Die Schaubühne lehrt uns gerechter gegen den Un- glücklichen sein und nachsichtsvoller über ihn richten. Dann nur, wenn wir die Tiefe seiner Bedrängnisse ausmessen, dürfen wir das Urteil über ihn aussprechen.

d) Vor den Schaubühnen hören die Grossen der Welt, was sie nie oder selten hören Wahrheit; was sie nie oder selten sehen, sehen sie hier den Menschen: sie haben alle Ursache dankbar gegen die Bühne zu sein.

Gebergang: So gross und vielfach ist das Verdienst der besseren Bühne um die sittliche Bildung; kein geringeres Veròdienst gebührt ihr um die Aufklärung des Verstandes.

II. Verdienste der besseren Bühne um die Aufklärung des Verstandes.

Während die grössere Masse des Volkes sklavisch an Ketten des Vorurteils oder der Meinung gefangen liegt, die seiner Glückseligkeit ewig entgegenarbeiten, beleuchten die rcineren Strahlen der Wahrheit nur wenige einzelne Köpfe. Um die Nation an der Wahrheit teilnehmen zu lassen, steht die Schaubühne zur Verfügung: richtigere Begriffe, geläuterte Grundsätze, reinere Gefühle fliessen von hier durch alle Adern des Volkes.

1. Duldung der Religionen und Sekten ist erst allgemein geworden, seitdem die Schaubühne Menschlichkeit und Sanft- mut in unser Herz pflanzte, seitdem die abscheulichen Gemälde heidnischer Pfaffenwut uns Religionshass vermeiden lehrten.

2. Irrtümer der Erziehung, die dem Wahne, dem Leicht- sinne des Bürgers uneingeschränkt anvertraut ist, würden sich von der Schaubühne glücklich bekämpfen lassen.

3. Von der Schaubühne aus lassen sich die Meinungen der Nation über Regierung und Regenten zurechtweisen.

4. Eine gute stehende Bühne kann auf den Nationalgeist, d. h. die Achnlichkeit und Uebereinstimmung der Meinungen und Neigungen des Volkes bei Gegenständen, worüber eine andere Nation anders meint und empfindet, grossen Einfluss gewinnen. Nur der Schaubühne ist es möglich, diese Ueber- einsiimmung in einem hohen Grade zu bewirken, weil sie alle Stäude und Klassen in sich vereinigt und den gebahntesten