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sinnlichen Teil des Volkes wirkt, beeinflusst die Schaubühne das Volk durch unmittelbare Anschauung und lebendige Ge- genwart: so gewiss sichtbare Darstellung mächtiger wirkt, als toter Buchstabe und kalte Erzählung, so gewiss wirkt die Schaubühne tiefer und dauernder, als Moral und Gesetze.
b) Die Gerichtsbarkeit der Bühne fängt an, wo das Ge- biet der weltlichen Gesetze aufhört; sie unterstützt also die weltliche Gerechtigkeit: wenn im Leben die Gerechtigkeit durch das Geld mächtiger Frevler zum Schweigen gebracht wird, übernimmt die Schaubühne Schwert und Wage und reisst die Laster vor einen schrecklichen Richterstuhl. Ihren Stoff nimmt sie aus Vergangenheit und Zukunft, aus dem Reiche der Phantasie und der Geschichte.
c) Doch ist der Schaubühne noch ein weiteres Feld ge- öffnet: während sie tausend Laster, welche die weltliche Ge- rechtigkeit ungestraft duldet, straft, empfiehlt sie tausend Tugenden, wovon jene schweigt, und begleitet so die Weis- heit und die Religion. Welche göttliche Ideale stellt sie uns zur Nacheiferung aus! Wie hässlich malt sie das Laster!
d) Noch weiter dehnt sich ihr Wirkungskreis aus: die Schaubühne ist für unsere sittliche Bildung noch geschäftig, wo Religion und Gesetze es unter ihrer Würde halten, Men- schenempfindungen zu begleiten. Um die Menschen vor Ver- schilimmerung zu bewahren, sucht sie ihr Herz gegen Schwä- chen zu schützen, indem sie der grossen Klasse der Toren den Spiegel vorhält und die tausendfachen Formen derselben mit heilsamem Spott, durch Scherz und Satire beschämt. Denn das Glück der Gesellschaft wird ebenso sehr durch Torheit, als durch Verbrechen und Laster gestört. Die Schaubühne allein kann unsere Schwächen belachen, weil sie unsere Empfind- lichkeit schont und den schuldigen Toren nicht wissen will.
2. Die Schaubühne ist eine Schule der praktischen Weis- beit, ein Wegweiser durch das bürgerliche Leben.
a) Selbst wenn Eigenliebe und Abhärtung des Gewissens nicht selten die beste Wirkung der Schaubühne vernichten, so ist es schon unendlich viel, dass sie uns mit den Lastern be- kannt macht. Mit diesen Lasterhaften, diesen Toren müssen wir leben; wir müssen ihnen ausweichen oder begegnen; wir müssen sie untergraben oder ihnen unterliegen. Jetzt aber überraschen sie uns nicht mehr. Wir sind auf ihre Anschläge vorbereitet. Die Schaubühne hat uns das Geheimnis verraten, sie ausfindig und unschädlich zu machen.
b) Die Schaubühne lehrt uns die grosse Kunst, schwere


