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einen jähen Sturm geſehen, der die ganze Atmoſphäre gleichſam bis zum Himmel empor verfinſterte; ſie benutzt es, um nach dem Todten zu ſehen, und das Wetter dauert nur nicht lange genug, daß ſie die erneuerte Beſtattung unbemerkt vollenden könnte; da ſie aber nun geſehen wird, bleibt ſie unerſchrocken ſtehen, wie es ihres hohen Muthes würdig iſt. Auch bei Schwenck leſen wir S. 152:„Als Ismene ſie ermahnt, ihr Vorhaben wenigſtens geheim zu halten und verſichert, ihrerſeits es zu verſchweigen, ruft ſie ihr entgegen, weh mir, melde es; wenn du ſchweigſt und es nicht Allen verkündeſt, wirſt du mir weit verhaßter ſein. Kein vernünftiges Wort Ismene’s findet gute Aufnahme u. ſ. w.“ Geht das letzte auf den Rath, es Niemanden zu ſagen, ſo kann dieſer vernünftig heißen und deſſen bedarf ſie auch nicht, da ſie ihn ſelber weiß, und in ſo ferne nimmt ſie ihn nicht an, ſondern iſt mit Recht unwillig über den ſchwach⸗ müthigen Beiſtand mit einem ſelbſtverſtändlichen Rath, wo ſie That haben muß. In allem übrigen ſind die Worte Ismene’s zwar klug, alſo verſtändig, vorſichtig, furchtſam; aber vernünftig kann man ſie nicht nennen, wenn dadurch Antigone unvernünftig erſcheinen ſoll; die bloße Klugheit, die nicht nach der Pflicht, ſondern nach den Folgen fragt, hat mit der Vernunft keine Gemeinſchaft. Vernünftig könnte noch V. 90 ihre Einwendung heißen: Wenn du es könnteſt. Doch du willſt Unmögliches. Allein wenn es mißlingt, ſo trägt ſie mit die Schuld daran. Der alte Tobit erzählt(Tob. 1, 19), wie dem König Senna⸗ cherim angezeigt wurde, daß er die Todten begrub, die jener unbeſtattet liegen ließ, und wie er ſich flüchten mußte. Dann wiederholte er es unter dem König Sacherdon und das Urtheil ſeiner Freunde war wie über einen Thoren:(2, 8)„Und meine Verwandten lachten über mich und ſagten: Er fürchtet nicht mehr dieſer Sache wegen getödtet zu werden; er mußte flüchtig werden, und ſiehe! wiederum begräbt er die Todten.“ Ganz wie Ismene. Man legt der Heftigkeit der Antigone eine ſo große Bedeutung bei, während das Urtheil unterdeſſen ſchwankt, ob ſie durch ihre That, oder durch ihr Benehmen, oder durch beides gefehlt habe; ob alſo die getadelte Unnachgiebigkeit in dem Begraben, oder in dem kühnen Verfechten deſſen, was ſie gethan hat, beſtehen ſoll. Das Erſtere läugnen wir und glauben es beſeitigt zu haben. Und wenn ſie nach dem Urtheil des Dichters recht gethan hat, alſo vermöge ihrer hohen Natur nicht anders handeln konnte, ſo iſt es ein Widerſpruch, ihr Reue zuzumuthen. Schwenck ſagt S. 156:, Hätte Antigone in dieſem verhängnißvollen Augenblick, von weiblichem Zagen ergriffen, ſich mit ihrer Liebe zum Bruder entſchuldigt und um ihr Leben bit⸗ ten wollen u. ſ. w.“ Das iſt moraliſch unmöglich. So bleibt nur die Form ihrer Vertheidigung, Stolz, Hef⸗ tigkeit und wie man es ſonſt nennt, übrig. Ihre Heftigkeit iſt aber der Zorn des wehrloſen Vogels, dem man ſeine Jungen raubt. Bei ihrer Aufregung vergißt man zu leicht die Lage, wodurch dieſelbe pſychologiſch noth⸗ wendig wird. Erſt die größte Eile und keine Hülfe; dann ihre aufopfernde That vereitelt. Man rechne noch dazu das Empörende, den unglücklichen Bruder geſchändet zu ſehn; den Entſchluß eines edlen, zart⸗ und tief⸗ fühlenden Mädchens, einer Königstochter, die allein ſich hinauswagen und außer der Lebensgefahr auch mög⸗ licher Unehre ſich ausſetzen muß. Dann vor dem König vergeſſe man nicht, daß ſie ſeines Gleichen iſt. Die moderne Fiction oder ſelbſt heilſame Abſtraction, daß mit dem Scepter der Menſch ein höheres und unan⸗ taſtbares Weſen wird, kannte kein Grieche; der Mangel deſſelben hat manchen Begleiter Alexanders, der doch ein geborner König war, das Leben gekoſtet. Das wehrloſe Weib hat nur Worte zur Waffe. Und wenn ſie den König einen Thoren nennt, iſt das republikaniſch, und auch Euripides(Phoen. 1661) läßt Antigone den neuen Herrſcher Kreon einen Thoren nennen, ohne daß er es beſonders übel auf⸗ nimmt. Iſt ſie überhaupt heftig, wovon nur wenige Stellen Beweis geben, ſo war auch Johannes einſt heftig und wollte Feuer vom Himmel fordern und, Paulus fluchte dem Hohenprieſter, mochte er ihn denn auch nicht gekannt haben. Und wie kühn ſpricht der Greis Polykarpos vor ſeinem Blutrichter! Antigone’s Worte aber ſind meiſtens erhaben, eine Berufung auf ewige Geſetze der Frömmigkeit und Liebe, denn dieſe iſt die zweite treibende Kraft, die ſie begeiſtert und todesmuthig gemacht hat und die von Kreon verhöhnt wird. Jakob hat ſie S. 6. 7 gegen den Tadel der Heftigkeit in Schutz genommen. Wie ſehr thut ihr Böckh S. 175 zu nahe, um nicht mehr zu ſagen, wenn er den erhabenen, ihr tiefſtes Gemüth aufſchließenden, ihm aber unbequemen, von Jacob nicht zum Beſten wiedergegebenen Vers: Nicht mitzuhaſſen, mitzulieben bin ich da,„in ſeiner Stelle mehr für eine Wendung des Streites hält, da Antigone eben ſo ſehr haßt als liebt.“ Wo haßt ſie denn? Denn ich will gar nicht geltend machen, daß ſie hier nur ſagt, es gehe ſie der Krieg und Parteihaß nichts an. Wo haßt ſie doch? Ihrer Schwe⸗


