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hebt ſie ſich V. 32 hervor, nicht, wie Erfurdt erklärt:„Kreon kannte mich wenig, daß er auch mir dieß befohlen hat;“ oder wie Schneidewin ſagt:„Wohlgemerkt, auch gar mir. Mit Bitterkeit hebt Antigone ſich und Ismene ganz beſonders hervor, während doch der Befehl Kreons Jedermann galt.“ Dieſe Erklärung, wie ſo viele, verdunkelt den Sinn und verſchiebt ihn. Auch Schwenck faßt es ſo auf S. 148. 149. Die Worte heißen ganz einfach:„Und mir, und mir auch, ſag' ich;“ nicht weil es Kreon mit dem Befehl auf ſie abgeſehen, denn an ſie hat er am allerwenigſten gedacht, was Antigone wiſſen kann; ſondern weil es ſie beſonders, oder eigentlich allein angeht; denn wer wird ſich ſonſt um den Todten zu bemühen wagen, den ſeine eigenen Verwandten als Miſſethäter behandeln? Wir müſſen uns denken, und es kann nicht anders gedacht werden, als daß die Nacht die Kämpfenden getrennt, die Ar⸗ geier, zwar im Nachtheil, und nach allen Seiten zurückgeworfen, ſich in irgend einer Stellung geſammelt, und in der Nacht das Feld völlig geräumt haben, denn die Thebaner waren ſelbſt zu ſehr geſchwächt, oder es war zu ſpät, um den Feind ſogleich völlig zu vertreiben. Den todten Eteokles hat man in die Stadt gebracht, Polyneikes haben die Belagerer nicht begraben können, auch die übrigen Todten nicht, und auch mit ſich nehmen konnten ſie die nicht, welche auf der vom Feinde beſetzten Wahlſtatt lagen. Am frühſten Morgen läßt Kreon das Verbot ausrufen, das Antigonen ſogleich hinterbracht wird, und die Tiefbetrübte auch noch mit Entſetzen und Unmuth erfüllt. Wie Sophokles über die Verletzung des Todtenrechtes denkt, kann man noch aus ſeinem Aias erkennen. Der Held hat ſich eines verſuchten Meu⸗ chelmords der ſchrecklichſten Art ſchuldig gemacht, nicht im Wahnſinn, der erſt Folge ſeines Unternehmens iſt, ſondern nur in der Sinnverwirrung des lange brütenden Rachezorns hat er die That begangen; er iſt auch bei Bewußtſein noch immer voll Ingrimm gegen den Oberfeldherrn und gelangt kaum vor ſeinem Abſchied aus dem Leben zur Erkenntniß. Agamemnon befeehlt, ſeine Leiche nicht zu beſtatten; aber Teukros, mit der größten Kühnheit und gegen alle kriegeriſche Unterordnung, erhebt ſich gegen ihn und macht Anſtalt zu einem bewaffneten Widerſtand. Agamemnon muß nachgeben. Religion und Humani⸗ tät tragen in der Perſon des Odyſſeus den Sieg davon, welche in unſerem Drama von Chor, Sohn, Prophet, von der ganzen Stadt umſonſt vertreten werden. Daß es im Aias ſo gemeint ſei, beweiſen unwiderſprechlich die Worte des Odyſſeus V. 1310. 11. 19. 20. Und laß die Macht dich keineswegs bewältigen Zu ſolchem Haſſe, daß das Recht du niedertrittſt. Denn nicht an Dieſem, an dem Recht der Götter thätſt Du übel; und die Worte des Agamemnon V. 1326. Iſt doch dem Herrſcher fromm zu ſein nicht leicht gemacht.
Antigone will den Todten ſogleich, in aller Eile, ehe ſie Jemand hindern kann, ehe es Jemand gewahr wird, begraben, und dazu bedarf ſie der Hülfe ihrer Schweſter. Dienerinnen kann ſie nicht mit⸗ nehmen, ſie würden ihr nicht folgen, ſie würden es verrathen; die Königstochter muß es ſelber ausrichten; Ismene aber ſoll ihr helfen den Todten aufheben, forttragen und in ein Grab legen. Man kann ihn möglicherweiſe ſo begraben, daß er zunächſt gar nicht gefunden wird, und an die äußerſte Barbarei, ihn wieder herauszugraben, glaubt ſie auch nicht, daher ihre Flüche, als man nachher den Todten wieder von der wenigen auf ihn geſtreuten Erde entblöst hat, und graß iſt es, wenn Schöll ſagt, ſie leide an dem „Laſter“ ihres Vaters, der auch ein Flucher geweſen ſei. Daher auch ihr langanhaltender Unwille gegen Ismene, durch deren Muthloſigkeit der Zweck verfehlt und ihre Aufopferung ganz vergeblich geworden iſt. Unrichtig iſt daher Schneidewin’'s Erklärung, daß Antigone im Griechiſchen einen möglichſt zarten Ausdruck brauche, in welchem auch eine Erleichterung der Lage des Todten angedeutet ſei, oder wenn Wunder es für Begraben nimmt; es heißt aufheben; und weil ſie das nicht konnte, mußte ſie ihn liegen laſſen und konnte nur die Nothpflicht erfüllen und ihn mit Erde beſtreuen. Wenn Böckh S. 148 ſagt, verbergen wolle Antigone auch bei Sophokles ihre That nicht, wie ſie nämlich bei Aeſchylos ihr Vorhaben ankündigt und mit dem halben Chor alsbald zur Ausführung geht, und Schneidewin, eben⸗ falls in Vergleichung mit Aeſchylos, S. 2 bemerkt, flugs ſei das Verbot öffentlich bekannt gemacht worden, ohne daß Antigone dem Herold ſelbſt ihre Abſicht habe erklären können; ſo iſt das ein weſent⸗ licher Irrthum. Antigone muß ihn geheim begraben, denn öffentlich, mit Oſtentation, es thun zu wollen, wäre ein närriſches und vergebliches Unternehmen geweſen. So benutzt ſie auch das Unwetter V. 417 f., welches lang anhaltend(422) die Luft mit Staub und Dunkel erfüllt, dergleichen man vor kurzem bei uns


