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man ſie von dem gewöhnlichſten Richter fordert. Das kühne Benehmen Antigone's iſt freilich nicht geeignet, ſeine gereizte Stimmung zu beſaͤnftigen, allein was er ihr entgegenſetzt, iſt nicht eben würdig und edel, nicht königlich, einem ſchwachen Weibe gegenüber, und doch auch einer Königstochter, die ihm noch geſtern gleich ſtand. Er braucht wieder ein Gleichniß von einem Thier, von dem Pferde, das man mit dem Zügel bändigt, denn, ſagt er, es ziemt ſich nicht, daß ſich vermeſſe, wer ein Knecht des Andern iſt; was für unſchicklich und übermüthig geſprochen gelten muß. Er findet es beſonders ſchimpflich, als Mann dem Weibe nachzugeben, während es ihm eher zuläſſig dünkt, einem Manne zu unterliegen; und ſchließlich wirft er einen zornigen Verdacht auf Ismene. In der Disputation mit Antigone zieht er den Kürzeren, als Anwalt des Haſſes gegen das Gebot der Liebe. Der Auftritt dann zwiſchen beiden Schweſtern, der ihn rühren ſollte, wenn er deſſen fähig wäre, während er nur Empfindung für eigenes Leiden hat, ſteigert von Neuem ſeine Ungeduld. Gegen ſeinen Sohn, der, wiewohl in der ſchrecklichſten Aufregung, die ihm der Vater anſieht, unterwürfig und kindlich liebevoll bittend zu ihm redet, weiß er wieder Nichts als vom Gehorſam zu reden, und er ſetzt die Braut deſſelben als ein böſes Weib herab, die ihm gefährlich werdende Disputation bricht er ab, ſie ins Perſönliche wendend, und eine beſcheidene Erinnerung des Chors ruft ſogleich wieder die alte Heftigkeit hervor. Da reißt auch dem Jüngling die Geduld, dem es um mehr als um ſein Leben, um ſeine angebetete Verlobte gilt, und auch für eine ſolche Empfindung hat der Vater keinen Sinn. Und hier iſt es denn, wo er die ſchroffſten Grundſätze des Abſolutismus ausſpricht, die ihn in den Augen ſeines Sohnes zum alterſchwachen Thoren machen. Ja in ſeiner blinden Heftigkeit will er nun auch Ismene mit hinrichten laſſen. Schon aber zeigt ſich jetzt eine erſte Unſicherheit, indem er die Steinigung in die Strafe des Einſchließens in ein ſteinernes Grab ver⸗ wandelt; wiewohl dafür ein abergläubiſcher Grund angeführt wird. Die Abſchiedsſeene Antigone’s rührt ihn ebenfalls nicht, er macht ihr durch eine Drohung gegen die Schergen ein Ende. Dem Seher zuletzt begegnet er Anfangs mit Ehrerbietung, ja Schrecken erfaßt ihn zu hören, daß ſein Glück auf dem Spiel ſtehe; allein bald erholt er ſich von dieſer Anwandlung, und ſein Benehmen iſt nicht weniger ſtolz und argwöhniſch, als irgend vorher, auch freigeiſtiſch der Religion, und herabwürdigend dem Prieſter gegenüber. Man könnte ſagen, eine ſolche Ueberſpannung müſſe nothwendig in ihr Gegentheil umſchlagen, und ſo erkläre ſich die ganz unmännliche Haltloſigkeit des unglücklichen alten Mannes hinlänglich; allein dieß iſt es nur halb. Der große Seelenmaler Sophokles hat uns einen von den nicht ſeltenen Cha⸗ rakteren geſchildert, welche, von der Natur hart angelegt, ſich thätig, tüchtig, in Pflichterfüllung geregelt beweiſen, die aber Niemand lieben, als ſich ſelbſt, und dann noch die Ihrigen, als einen Theil ihrer ſelbſt und ihres Glückſtandes, die ſie aber nach ihrem Gutdünken glücklich machen wollen, weil Selbſtig⸗ keit für all ihr Thun die Regel gibt. Solche harte Menſchen brechen zuſammen, wenn ihr Glücksbau zuſammenfällt, denn ſie haben nie nach Ideen gehandelt, und können ſich alſo auch in keiner Idee wieder aufrichten. Schwenck ſagt vor den oben aus S. 149 angeführten Worten:„Kreon iſt in keiner Hin⸗ ſicht ein unwürdiger und böſer Menſch, welcher den Willen zeigt, um ſeines Vortheils oder ſeiner Laune willen eine Ungerechtigkeit zu begehen, oder welcher kalt und hartherzig den ſanfteren Gefühlen und dem Mitleid unzugänglich wäre.“ Böckh ſagt S. 262:„daß ihn Sophokles als einen edlen, Recht und Ordnung ſuchenden Alleinherrſcher darſtelle, wer kann das verkennen?“ Jacob dagegen S. 13 mit mehr Recht:„Auch hier— zeigt Kreon die Beſchränktheit und Flachheit ſeines Urtheils und Gefühls, und ſeine gänzliche Unfähigkeit zum Herrſcher.“ Er iſt freilich nicht böſe, aber er iſt ſtolz und eigenſinnig; er hat einen Fehler begangen, worauf es hauptſächlich ankommt, hat befohlen, was er nicht befehlen durfte, und hat dem Verbot eine unvernünftige Strafandrohung zugefügt; dieſen Fehler will er aber nicht einge⸗ ſtehen, und macht ſich ſelber glauben, er ſehe auf das Wohl des Staats, wo er ſich ſelbſt im Auge hat. Der Dichter hat ihm Verſtand, Stellung, Würde und Verdienſt genug gegeben, daß die Großheit und das Recht der Antigone faſt in Frage kommt, aber ſie geht eben dadurch um ſo herrlicher aus dem Widerſpruch hervor, mit je mehr Geiſt und Folgerichtigkeit ihr Grundſatz bekämpft wird.
Hatte der König, weit entfernt zur Verweigerung des Grabes berechtigt zu ſein, vielmehr vor Allen die Pflicht für die Beſtattung zu ſorgen, er hatte dieſer Pflicht aber nicht genügt; ſo ging ſie auf die Schweſtern, und unter dieſen auf die ältere Antigone vor der jüngeren über; und in dieſem Sinne


