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zum Gehorſam gewöhnen, wie Geßler mit dem Hut, ſie ſollen ihren Nacken unters Joch beugen! Schon früher, wo er noch Privatmann war, und als ſolcher für einen guten Mann galt(V. 31), machte er auf einen ſolchen Gehorſam Anſpruch. V. 289 f.„Nein ſo war es längſt ſchon in der Stadt, Daß Männer ungeduld'gen Sinns mir murreten, Das Haupt im Stillen ſchüttelnd, und nicht unterm Joch Den Nacken treulich hielten, daß ich's loben mag.“ Auf das Verbot der Beſtattung gehn die Worte nicht, wie Jacob S. 63 behauptet, ſie beziehen ſich auf eine längere Zeit. Soviel indeſſen kann man zugehen, daß er An⸗ hänger des Polyneikes meine, wiewohl es nicht geſagt iſt; welchen Gehorſam er aber verlangte, ſchon damals, wo Eteokles Regent war, zeigt er deutlich, da er das Gleichniß von einem Thiere nimmt, das den Kopf ſchüttelt, um das Joch loszuwerden, alſo den Gehorſam eines Selaven. Kreon iſt alſo ein Despot, ohne daß ſein Despotenrecht anerkannt iſt, er gibt ein Gebot, das nicht zu Recht beſteht, ein Gebot das ungerecht, unpolitiſch und unnöthig iſt; denn wenn früher in der Kriegszeit, wo Alles unter den Waffen ſtand und, weil die beiden Häupter lebten und ſich beſtritten, auch die Parteien ſich leicht bekämpfen konnten, wenn da nur insgeheim gegen den Privatmann gemurrt wurde, Niemand ihm offen entgegentrat, wer wird es jetzt wagen, und wozu, da die Brüder todt, und Kreon ohne einen Mitbe⸗ werber König iſt? Sein Gebot aber ſtreitet endlich auch gegen die Religion, alſo gegen ein höheres An⸗ ſehen, dem auch die Despoten unterworfen ſind, wie wir nun noch zu zeigen haben.
Die Griechen hatten keinen Religionscodex, wie ihn viele andere Religionen beſitzen, keine Zuſam⸗ menſtellung der Gebräuche und Pflichten, und das Einzelne, was in Heiligthümern und bei Prieſtergeſell⸗ ſchaften verwahrt, was auf Muſäos oder Orpheus zurückgeführt werden mochte(Plat. Resp. 2, 364), iſt nicht mehr vorhanden. Gewohnheitsrecht galt auch auf dieſem Gebiet, und Antigone beruft ſich auch V. 450 ausdrücklich auf der Götter ungeſchriebene Geſetze, die Geſetze der Religion, die auch im erſten Oedipus V. 836 f. von dem Chor als himmelentſtammt einer ſouveränen Verachtung gegenüber verthei⸗ digt werden. Indeſſen fehlt es auch nicht an ſchriftlichen Zeugniſſen, deren ich ſchon ehemals einige S. 327 m. Ueberſ. 1. Ausg. zuſammengeſtellt habe, und die ich hier nicht wiederholen noch vermehren will. Homer iſt natürlich am wichtigſten. Er lehrt, daß die Götter die Schändung der Todten verabſcheuen, und ſo geht die Lehre herunter bis auf Horatius und Plinius und weiter. Gefrevelt hat aber poli⸗ tiſcher oder Religionshaß immer wieder dagegen, und das Gellſte ſpukt fort in den chriſtlichen Zeiten, ſo daß der Luzerner Chroniſt Melchior Ruß noch im 15. Jahrhundert ganz ehrlich und gläubig erzählt, wie im Jahr 811 nach einem Treffen bei Marſeille die gefallenen Chriſten aus Kaiſer Karls Heer, auf Karls Gebot, weil er die nackten Leiber nicht unterſcheiden konnte, von Gott und ſeinen Engeln in der Nacht begraben werden, die Heiden aber unbegraben im weiten Felde liegen bleiben. Aber ſchauderhaft, daß in Irland, wie in Macaulay's Geſchichte von England ſeit Jacob II. im 17. Kapitel zu leſen, noch 1691 nach der Schlacht bei Aghrim die Tauſende von erſchlagenen Iren meilenweit nackt auf dem Felde lagen, und von Hunden gefreſſen wurden, während die ſiegreichen Engländer ihre Todten begruben. Dieſe Geſchichte erklärt jene Legende. In Rußland verbrannte man 1812 die Leichen der geflohenen Feinde. Zeugniſſe jedoch bedürfen wir gar nicht, ſie ſind nicht entſcheidend, es gilt blos darum, wie Sophokles die Sache angeſehen hat, und dieß iſt deutlich genug ausgeſprochen. Antigone zwar iſt Partei, und ihr Urtheil iſt nicht beweiſend, wiewohl ihr Kreon die Lehre, daß die Verſäumniß dieſer Pflicht gegen die Todten göttliche Strafe nach ſich ziehe, nicht ausreichend beſtreitet, ſondern der ihm gefährlichen Dispu⸗ tation kurz abbrechend ein Ende macht. Aber Ismene räumt die Religionspflicht ein, bittet die Götter deßhalb um Verzeihung, und beruhigt ſich bei dem Gedanken, daß ſie der Gewalt weichen müſſe. Wenn ſie nachher, da Kreon die Antigone unſinnig nennt, den Vorwurf zuzugeben ſcheint, ſo iſt das ihrer zarten und furchtſamen Natur angemeſſen, und ſie hat ja in der erſten Scene ſelber ſie eine Thörin ge⸗ nannt; aber Unrecht hat ſie ihr nicht gegeben. Und der Chor, der übrigens nicht ſowohl, wie Schwenck S. 153 nach A. W. Schlegel urtheilt„bei Sophokles die theilnehmende, aber nicht von der Leiden⸗ ſchaft der handelnden Perſonen ergriffene Menſchheit vorſtellt, welche an die Handlung das Maß beſonne⸗ ner Betrachtung legt,“ als vielmehr nach Welcker die ideale Volksgemeinde, die nicht gänzlich außer dem Einfluß der Handlung ſteht, der Chor, weder für noch gegen Polyneikes eingenommen, wie die Parodos, ſein Geſang beim Auftreten, beweiſt, hört erſt den Befehl ohne Beifall an; dann, als die


