Aufsatz 
Die ethisch-nationale Aufgabe der Realschule, mit besonderer Rücksicht auf den deutschen Unterricht / vom Rector Thele
Entstehung
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das über dem ächten Märchen ſchwebt wie über ver Seele des Kindes. Tritt die Ironie hinzu, wie es bei den meiſten Kunſtgebilden dieſer Gattung der Fall iſt, ſo iſt der Zauber zerſtört; der⸗ artige Erzeugniſſe, zu denen außer anderen namentlich die Volksmärchen von Muſäus gehören, ſind der Jugend fern zu halten. In den Märchen hat aber das Volk nicht nur die Thätigkeit ſeiner Phantaſie walten laſſen, ſondern auch ſeine Auffaſſung des Weltlaufs und ſeine ſittliche Anſchauung ſind darin niedergelegt. Kommt dieſe Seite zu nachdrücklicher Betonung, ſo wird aus Märchen und Sage die Fabel, in welcher die Erſcheinungen der lebenden und der unbelebten Natur zu feflſtehenden Charaktertypen menſchlicher Eigenſchaften werden. Indem die Fabel Lebensweisheit lehrt, auf die Beweggründe und Folge der Handlungen hinweiſt, ſchließt ſie ſich derjenigen Zeit des Jugendalters an, wo das Wahrnehmen der Außenwelt zum vergleichenden Beobachten wird und nach den allge⸗ meinen Geſetzen der ſich wiederholenden Erſcheinungen zu ſuchen beginnt. Auf dieſe Darſtellungsform folgt dann, der naturgemäßen Entwicklung des kindlichen Geiſtes ſich anſchließend, die Geſchichtser⸗ zählung, welche die Erdichtung ausſchließt, und die Jugend gewöhnt, das Leben ſo aufzufaſſen wie es iſt. Jede dieſer Darſtellungsformen hat ihren eigenen Stil, der ſich ebenſo wie der Inhalt dem entſprechenden Alter anſchließt. Die Richtung auf das Gegenſtändliche theilt mit der geſchichtlichen Erzählung die Beſchreibung, bei welcher es auf Anſchauung, gründliche Erkenntniß zur Unterſcheidung des Weſentlichen vom Unweſentlichen, gute Anordnung des Stoffes ankommt; ſie bildet daher ſchon eine höhere Stufe, für deren Anfang ſich am beſten die allgemeinen Beſchreibungen eignen, welche ein geographiſches oder naturgeſchichtliches Bild in großen Zügen geben. Die erwähnten Darſtellungs⸗ formen wiederholen ſich im Kunſtſtil; ihr Werth liegt dann nicht im Stoff ollein, ſondern in den aus demſelben hervorwachſenden Gedanken und ihrer künſtleriſchen Geſtaltung. Sie können ihrem Weſen nach nur den oberen Stufen als Gegenſtand der Lecture dienen. Der höchſten Stufe der Entwicklung entſpricht die Abhandlung, welche durch ihren Inhalt und ihre Darſtellungsform eine größere Verſtandesreife und einen erweiterten Gedanlenkreis zur Vorbedingung des Verſtändniſſes hat. Den Proſaformen entſprechen die Hauptformen der Dichtkunſt, welche im Leſebuch neben jenen hergehen. Die Anordnung des Leſebuchs nach den Darſtellungsformen hat den Vortheil, bei dem Schüler frühzeitig das Gefühl für die richtig abgegrenzte Stilform der einzelnen Gattung zu ſchärfen, die jedem Stoff gebührt. In dieſer Beziehung ſind die Griechen die großen Lehrmeiſter aller Völker geworden. Ihre muſterhafte Ausbildung der Kunſtformen beruht auf der ſcharfen Scheidung der eng an den Stoff ſich anſchließenden Stilformen, in die ſich ganz zu verſenken von der einzelnen Dichterindividualität als einzige Lebensaufgabe aufgefaßt wurde, ſo daß jeder Dichter, gewiß nicht zum Nachtheil der Kunſtgattung, nur ein Feld der Dichtkunſt zu bebauen pflegte. Bei dieſer An⸗ ordnung nach den Stilarten kann doch die von Wackernagel empfohlene und practiſch durchgeführte Vermiſchung von Proſa und Poeſie aufrecht erhalten werden, um eine zur Erfriſchung von Lehrer und Schüler nothwendige Abwechſelung zu bieten. Dem Schüler ſoll das Leſebuch wie ein ſchöner Garten ſein, in dem er bald lieblichen bald großartigen Naturbildern vorüberwandelt. Wie die vaterländiſche Literatur uns umranken und umblühen ſoll, um des Lebens in unſerem Volke wahrhaft