Aufsatz 
Die ethisch-nationale Aufgabe der Realschule, mit besonderer Rücksicht auf den deutschen Unterricht / vom Rector Thele
Entstehung
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Joch der Ausländerei erhoben, der Große Kurfürſt Friedrich Wilhelm von Brandenburg den Ge⸗ danken deutſcher Würde und Selbſtſtändigkeit in ſich trug und zu bethätigen ſtrebte. Nachdem ſchon Burkhard Menke(1675 1732) und K. Fr. Drollinger über die Ausländerei bitter Klage geführt, ſchlagen Joh. Ludwig Gleim und Joh. Pet. Uz die vaterländiſche Saite nachdrücklicher an. Bekannt iſt ferner Leſſings Kampf gegen den überwiegenden und verwirrenden Einfluß des franzöſiſchen Theaters, ſowie ſein Beſtreben auf die älte re deutſche Sprache hinzuweiſen und die Wiedereinführung guter alter Worte nnd Wendungen gegenüber der Neigung zu denen des Auslandes zu empfehlen. Viele Dichter, darunter namentlich Klopſtock und die Sänger des Hainbunds bemühten ſich, ihren Schöpfungen auch von der ſprachlichen Seite ein rein deutſches Gepräge zu geben. Aber die Fern⸗ haltung der Fremden, worunter um dieſe Zeit immer das Galliſche zu verſtehen iſt, bezog ſich vor⸗ zugsweiſe auf den Wortſchatz, wohingegen, wie Brandſtäter an leider nur zu vielen Beiſpielen nach⸗ weiſt, der fremde Einfluß in dem Phraſeologiſchen und Syntactiſchen ſeine Geltung behauptet.

Das gilt ſelbſt von unſeren erſten Schriftſtellern. Bei den Schriftſtellern, welche auf den klaſſiſchen Zeitraum gefolgt ſind, hat ſich, von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgeſehen, das Verhältniß keines⸗ wegs gebeſſert, ſondern im Gegentheil arg verſchlimmert, wie die ſtets wachſende Zahl der Fremde wörterbücher und ihr zunehmender Umfang zur Genüge ausweiſt. Das von Heyſe z. B. enthält faſt 1000 Seiten und ſoll ſeit 30 Jahren einen Zuwachs von 10,000 Wörtern erhalten haben.*)

Da iſt es allerdings an der Zeit, daß nicht nur berufene Sprachforſcher den maßgebenden und vielgeleſenen Schriftſtellern das Gewiſſen ſchärfen, ſondern daß auch die Schule durch ſtrenges und allgemeines Halten auf Reinheit und Richtigkeit des Ausdrucks eine Beſſerung verbreiten hilft. Dieſes Verlangen iſt um ſo mehr gerechtfertigt, da Deutſchland erſt jetzt, nachdem es Jahrhunderte lang in Europa verachtet war, ſich durch die ſiegreichen Kämpfe der letzten Jahre zu einer wahrhaft unabhängigen Stellung emporge ſchwungen hat und ſich berechtigt fühlt, bei den allgemeinen Ange⸗ legenheiten Europas ein gewichtiges Wort mitzuſprechen.

Bei der Beſchäftigung mit der engliſchen Sprache und Literatur iſt die Gefahr der Entfrem⸗ dung von dem vaterländiſchen Weſen nicht ſo groß als bei der mit dem Franzöſiſchen; im Gegen⸗ theil kann ein liebevolles Studium jener Sprach in manchem Betracht ſogar zu einer Kräftigung und Belebung des germaniſchen Stammesbewußtſeins wie zu angemeſſener Bereicherung unſeres Sprachſchatzes dienen, und es hat bekanntlich dieſe Dienſte im Entwicklungsgange unſerer Literatur ſchon auf die fruchtbarſte Weiſe geleiſtet. Die engliſche Sprache ſteht uns, auch ganz abgeſehen von ihrer großen practiſchen Wichtigkeit, als vorherrſchend germaniſches Idiom näher, als irgend eine unter den wichtigen Kulturſprachen. Dazu kommt, daß der Geiſt, welcher in der engliſchen Literatur weht, dem deutſchen Weſen innig verwandt iſt, und daß wir bei den großen Dichtern und Ge⸗ ſchichtsſchreibern dieſes Volks Blut von unſerm Blut ſpüren. Nicht der weltbürgerliche Drang, der ſeit Herder und Göthe unſer Geiſtesleben bewegt und uns zum liebevollen Erfaſſen der fremdländiſchen

*) Dr. A. Brandſtäter a. a. O.