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Auch manche andere mahnende Stimmen haben ſich vor und nach Klopſtock erhoben, um vor der tadelnswerthen Nachahmung des Fremden, namentlich des Franzöſiſchen zu warnen. Aber der leidige Hang des Deutſchen hat dem Eindringen des fremdländiſchen Einfluſſes in Sprache und Lite⸗ ratur Thor und Thür geöffnet; daher zeigt unſere Sprache, ſelbſt bei unſeren erſten Schriftſtellern, eine das Herz des Vaterlandsfreundes tief betrübende Erſcheinung. Es iſt das Ueberwuchern von lateiniſchen, engliſchen und namentlich franzöſiſchen Ausdrüceen und Wendungen in unſerer Mutter⸗ ſprache. Man erſchrickt faſt, wenn man ſich der unglaublichen Menge ſolcher undeutſchen Ausdrücke und Wendungen, die ſich nach und nach bei uns eingeſchlichen haben, bewußt wird. In einer kürzlich erſchienenen Schrift:„Die Gallicismen in der deutſchen Schriftſprache mit beſonderer Rückſicht auf unſere ſchönwiſſenſchaftliche Literatur, von Dr. Fr. A. Brandſtäter,“ hat der Verfaſſer mit patrio⸗ tiſchem Eifer und bewundernswürdigem Fleiß aus 700 deutſchen Schriften die eingedrungenen franzöſiſchen Ausdrucksweiſen geſammelt und nach den einzelnen Theilen der Grammatik ſyſtematiſch geordnet aufgeführt; eine furchtbare Schlachtreihe, vor welcher der Volksgeiſt verzagen möchte, denn er findet da unter der Zahl ſeiner Feinde nicht wenige von den beſten und gefeiertſten Namen aus dem vorigen Jahrhundert und aus der Gegegenwart. Das Schlimmſte iſt, daß die Gallicismen nicht nur durch unnütze und ungebührliche Entſtellung unſeren Wortſchatz, das Lexikaliſche unſerer Sprache beherrſchen, was ſchon wiederholt Gegenſtand genauerer Beſprechung und Mahnung von Seiten der Grammatiker und Satiriker geworden iſt; ſie ſind ſogar„in das große Ganze der deutſchen Sprache, in ihren inneren Bau, ihre Grammatik, alſo insbeſondere ihre Phraſeologie und ihre Syntax eingedrungen und fahren noch fort es zu thun.“ Mit Recht nennt Brandſtäter ſeine Schrift ein Mahnwort, namentlich gerichtet an die vielgeleſenen und einflußreichen Schriftſteller der Geg wart. Statt durch Gallicismen und die jetzt ſehr beliebt werdenden Anglicismen den Stil aufzuputzen, d. h. zu verunſtalten, empfiehlt er, lieber die reichen Schätze der Mutterſprache durch das Studium unſerer werthvollſten Schriftwerke aller Perioden, oder wenigſtens durch Blicke in jene reichen Vorräthe kennen zu lernen, welche uns das Grimm’'ſche, das Sander'ſche, das Wiegand'ſche Wörterbuch und ähnliche Sammlungen eröffnen.
Bei dem für den Verehrer vaterländiſchen Weſens nicht ſehr erquickenden Gang, den uns der Verfaſſer an der Hand der politiſchen und der Literaturgeſchichte durch die ſchlimmſten Zeiten der ſprachlichen Verderbniß, der Verwälſchung machen läßt, iſt es doppelt erquickend, nicht wenigen Männern zu begegnen, welche gegen den Unfug mächtig ihre Stimme erhoben, leider aber vielfach ſelbſt von dem gerügten Fehler ſich nicht ſrei zu halten vermochten. Es war ſo weit gekommen, daß Georg Neumark die deutſche Sprache förmlich wie eine fremde Sprache bezeichnet und in ge⸗ rechtem Ingrimm fragt:„Wenn auch alle anderen Sprachen ihre Ueberſetzungen finden— wer teutſchet mir das Teutſche?“ Im Hinblick auf die großen Verdienſte, welche ſich das preußiſche Herrſcherhaus um die Hegung des nationalen Gedankens erworben hat, verdient bemerkt zu werden, daß zu der Zeit, wo ſchon mancher wackere vaterlandsfreundliche Dichter, wie unter Anderen der leider weniger hervortretende Hans Aßmann Freiherr von Abſchatz, ihre Stimme gegen das verhaßte


