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iſt in den ſchlimmſten Zeiten der deutſchen Geſchichte der wahre Schutzengel unſerer Sprache geweſen. Als der Volksgeiſt durch die fremden Eindringlinge von dem großen Markt des öffentlichen Lebens verdrängt und aus der Wiſſenſchaft und gelehrten Dichtung verbannt war, rettete er ſich, wie ein verſchüchtertes Kind in den Schoß der Mutter flieht, in die von dem fremden Weſen noch nicht verfälſchten Kreiſe der unteren Volksklaſſen, wo er an dem warmen Herzen des Volks in Sagen und Liedern religiöſen und weltlichen Inhalts in ſtiller Verborgenheit fortlebte und gehegt ward, bis ihn der Genius gottbegnadeter Sänger aus dem Staub und der Vergeſſenheit emporhob und dem Glanz und der Würde zurückgab, die ihm gebührte. Niemand hat die ſtille aber unverwüſtliche Kraft des deutſchen Volkgeiſtes, wie ſie ſich in unſerer volksthümlichen Dichtung bewährt hat, ſchöner geſchildert als Vilmar in ſeiner Geſchichte der deutſchen Nationalliteratur:„Wenn man die deutſche Volksthümlichkeit,“ ſagt der begeiſterte Verkünder vaterländiſcher Dichtergröße,„als die friſche Quelle betrachtet, die, über das ſchon halb vertrocknete Feld der Dichtung ſich ergießend, ein immer ſich erneuerndes ſaftiges Grün und eine unerſchöpfliche Fülle lieblicher Blüthen erzeugen wird, ſo muß man auch mit allen Kräften dahin wirken, daß unſere Kultur durch die altvaterländiſche Poeſie belebt werde, ſofern man überzeugt iſt, daß durch die Kraft derſelben das Leben unſerer Volks⸗ thümlichkeit zu edlen Schöpfungen angeregt wird.“„So lange man“, heißt es im weiteren Verlauf, „das Gemüthsleben eines Volkes nicht vertilgen kann, ſo lange wird man auch die Quelle der Dichtung nicht verſchütten können. Nicht aus fernen Gegenden iſt das Waſſer, das wir genießen, herbeizuſchaffen; aus dem tiefen Borne unſeres eigenen Bodens müſſen wir das friſche Quellwaſſer ſchöpfen. Uns muß der Glaube an die edle Tugend und den kräftigen Geiſt unſeres Volkes beſeelen; ſtärken muß uns die Hoffnung auf unſere große Zukunft; die Liebe zu den herrlichen Schöpfungen des deutſchen Volkes erfülle unſer Herz: dann werden wir erkennen, welche Schätze die vaterländiſche Kultur in ſich birgt. Nur derjenige betrachtet die Werke der lateiniſchen Kultur als unentbehrlich für unſere Schule, der unſere vaterländiſche Literatur entweder nicht kennt oder ihren Werth nicht würdigen kann.“
Iſt dieſe Mahnung an die übertreibenden Lobredner der römiſchen Kultur und ihrer Bildungs⸗ kraft vom vaterländiſchen Standpunkte aus wohl berechtigt, ſo iſt die Abwehr fremdländiſchen Weſens noch mehr da eine Pflicht, wo die Gefahr der Ueberwucherung des vaterländiſchen Weſens durch jenes näher liegt, wie es bei den neueren Sprachen und Literaturen der Fall iſt. Der Wiſſens⸗ drang und die Beſcheidenheit, zwei ſtark hervortretende Charakterzüge des deutſchen Volks, ſind leider in ihrer Ausartung und theilweiſe falſch geleiteten Richtung die Urſachen unſerer ſchlimmſten Fehler geworden, der Ausländerei und des Vergeſſens der eigenen Würde. Nicht immer iſt von uns das mahnende Wort beherzigt worden, das der edle deutſche Sänger dem deutſchen Volk zuruft:
Nie war gegen das Ausland Ein Land gerecht wie Du. Sei nicht allzu gerecht! ſie denken nicht edel genug,
Zu ſehen, wie ſchön Dein Fehler iſt! Klopſtock:„Mein Vaterland.“


