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lichen oder wirklich verwerflichen Aeußerungen, auf welche oben ſchon hingewieſen wurde, einen breiten Raum ein; auch ſtehen ſelbſt die beſſeren franzöſiſchen Schriftwerke an philoſophiſcher Tiefe und ſittlichem Gehalt hinter denen der engliſchen Literatur wie unſerer eigenen entſchieden zurück. Um das nothwendige Gegengewicht zu bieten, hat hier der deutſche Unterricht mit aller Kraft einzu⸗ treten, durch eingehendes und liebevolles Studium der eigenen Sprache und Literatur die Begei⸗ ſterung für den Reichthum und die eigenthümliche Schönheit vaterländiſchen Geiſteslebens in der deutſchen Jugend zu erwecken und ihren Geiſt gegen die verführeriſchen Einflüſſe galliſchen Weſens zu ſtählen.
Das Scheinweſen, der Mangel an ſittlicher Tiefe und wahrer Religiöſität, die fieberhafte Ruhm⸗ und Eroberungsſucht, die gewaltſame Leidenſchaftlichkeit ſowie manche andere nicht gerade rühmenswerthe Züge des franzöſiſchen Volkscharakters ſind auch in der Literatur dieſes Volkes zu einem oft nur allzu energiſchen Ausdruck gelangt. Auch in unſere geiſtige Entwicklung haben die von Frankreich ausgehenden Idieen wie ſeine Sprache vielfach ſtörend eingegriffen, ja, dieſer Einfluß iſt bei dem geſteigerten Verkehr der modernen Völker leider heute noch ungebührlich groß. Gewichtige Stimmen erheben ſich und warnen namentlich vor dem durch gewiſſenloſe Theaterdirectoren in alle Schichten unſerer großſtädtiſchen Bevölkerung eingeführten Gift der franzöſiſchen Bühnenmachwerke; aber ſie verhallen faſt ungehört in dem Lärm einer genußgierigen Gegenwart.
Unter dieſen Verhältniſſen hat die deutſche Realſchule, welche ſchon aus practiſchen Gründen des Franzöſiſchen nicht entrathen kann, um ſo mehr die Pflicht, der Jugend die ſchönen Grundzüge des deutſchen Volkscharakters, wie ſie in unſerer älteren und neueren Literatur zum Ausdruck ge⸗ kommen ſind, eindringlich vor Augen zu ſtellen: die Wahrheitsliebe, den ernſten und kühnen For⸗ ſchungstrieb, der in die Tiefe zu dringen ſtreb., die Treue und den geraden Rechtsſinn, die tiefe. Sittlichkeit und dem äußerlichen Scheinweſen abholde Frömmigkeit, den zufriedenen Fleiß und das ſtille Genügen an den einfachen Freuden, welche Natur und Familienleben darbieten, die begeiſterte Hingebung an ideale Beſtrebungen. Wo finden wir getreuere Abbilder dieſer wohlthuend an⸗ heimelnden Züge unſeres Volksthums, als in unſerer reichen Literatur von den älteſten Zeiten bis herab auf die Gegenwart. Zeigen nicht die Geſtalten des Nibelungenlieds, der Gudrun, des Par⸗ cival und anderer Werke der althochdeutſchen und mittelhochdeutſchen Dichtung im Weſentlichen dieſelben Züge, wie die Lieblingsgeſtalten unſerer neueren epiſchen und dramatiſchen Literatur? Mit der Lyrik verhält es ſich ähnlich; iſt ihr Inhalt reicher und vielſeitiger geworden, ſo zeigt ſich darin eben die Reife, welche der Mann vor dem Jüngling voraus hat; ihr innerſter Lebenskeim iſt jedenfalls derſelbe geblieben. Und was liegt zwiſchen den beiden Zeiträmen, welche die höchſte Entwicklung unſeres Geiſteslebens im Mittelalter und in der neueren Zeit darſtellen.
Alle Angriffe auf den deutſchen Volksgeiſt, welche ſeit dem Ausgang des Mittelalters oft einer wahren Ueberfluthung mit fremdartigen Elementen, antiken wie modernen, gleichkamen, ſind nicht im Stande geweſen ihn ſeiner Lebenskraft zu berauben. Er erwies ſich eben in ſeinem ſchönſten und reinſten Ausdruck, der Dichtkunſt, zu unſerem Heile, unverwüſtlich. Unſere volksthümliche Dichtung


