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ziehe mich auf, die beachtenswerthen Worte in Schmid's Encyklopädie des geſammten Erziehungs⸗ und Unterrichtsweſens, Bd. V. S. 654:„Das Franzöſiſche muß als Ergänzung des Lateiniſchen angeſehen werden Es iſt der geſchichtliche Weiterbau deſſelben; es iſt der römiſche Sprachgeiſt, der in den ſcharfen, faſt geometriſchen Linien dieſes franzöſiſchen Sprachgebäudes zu einer neuen Ent⸗ faltung gekommen iſt. Wie auf einer Brücke wird der Realgymnaſiaſt mittelſt des Franzöſiſchen aus dem Tempel der ausgeſtorbenen Römerſprache hereingeführt in das bewegte Treiben unſeres Kulturlebens, deſſen Geiſtesgehalt ihn bilden ſoll. Mag ihm auch die Reichhaltigkeit der Sprach⸗ formen verborgen bleiben, vieles erſetzt ihm die franzöſiſche Sparche durch die Schärfe ihres Zuſchnitts die an feinen, den Geſchmack bildenden Wendungen wetteifert mit der antiken Genoſſin... Aus der Schwerfälligkeit jener Jahrhunderte, in denen die lateiniſche Sprache als die Weltherrſcherin auch die unſere gezwungen hatte, ihre ſchlepptragende Magd zu ſein, raffte ſie ſich mit Hülfe des Franzöſiſchen auf zu der Leichtigkeit, die ihr die Heroen unſeres goldenen Zeitalters gegeben.“
So vermag alſo der Unterricht in der Sprache unſeres Nachbarvolkes auch für die deutſche Sprachbildung die ſchätzenswertheſten Dienſte zu leiſten. Hinſichtlich des Inhalts der Literaturer⸗ zeugniſſe iſt der Ertrag für unſere Geiſtesbildung jedoch nicht ſo hoch anzuſchlagen. Von der reichen und anziehenden altfranzöſiſchen Literatur muß die Realſchule wegen Zeitbeſchränkung ganz abſehen. Das ſogenannte goldene Zeitalter der franzöſiſchen Literatur entbehrt in ſeinem hauptſächlichſten Er⸗ zeugniß, dem an dem Sonnenſchein des Hofes zur Blüthe gediehenen Drama, der originalen Tiefe, da es in einer ſclaviſchen Nachahmung der Alten, zum Theil auch der Spanier befangen iſt. Gerade die originellſten Schriftſteller jenes Zeitalters, Molisre und La Fontaine, ſind aus nahe⸗ liegenden Gründen für die Schule nur in beſchränkter Weiſe zu verwerthen. Das 18. Jahrhundert mit ſeiner Sittenloſigkeit, ſeinem Materialismus und Atheismus, ſeiner politiſchen Zerfahrenheit gibt in der überwiegenden Mehrzahl ſeiner Geiſteserzeugniſſe wahrlich auch keine geeignete Geiſtesnahrung, ebenſowenig wie die Gegenwart. Dennoch bleibt übrigens bei dem großen Reichthum der franzöſiſchen Literatur eine in Chreſtomathien dem Schüler zur Anſchauung zu bringende Menge ſchöner und trefflicher Schriftwerke oder ausgewählter Theile von ſolchen. Die Schönheit der Form, die über⸗ ſichtliche Anordnung des Stoffs und die bei den franzöſiſchen Schriftſtellern der ſtrengklaſſiſchen Rich⸗ tung gewöhnliche Klarheit der Sprache können ihre heilſame Wirkung zur Bildung eines guten deutſchen Stils nicht verfehlen. Bei einem unſerer größten Proſaiker, Leſſing, iſt die Einwirkung des franzöſiſchen Schriftthums, mit dem er ſich ſo viel beſchäftigte, nicht zu verkennen.
Trotz aller Abneigung, welche uns das anmaßende Nachbarvolk in ſeinen neueſten Ausſchrei⸗ tungen mit Recht einflößt, muß man doch dem Urtheil eines Kenners, wie Kreyßig zuſtimmen, welcher in den Eingangsworten ſeiner Geſchichte der franzöſiſchen Nationalliteratur ſagt:„Kein Volk kommt dem franzöſiſchen gleich an Eleganz der Form, an ſicherer, gewandter Verwendung des vorhandenen Ideenvorrathes. Frankreich iſt ſeit zwei Jahrhunderten, wenn nicht die unerſchöpfliche Fundgrube, ſo doch gewiß die große Münzſtätte weltbewegender Gedanken geweſen.“
Dieſen glänzenden Seiten des franzöſiſchen Geiſtes gegenüber nehmen nun aber ſeine bedenk⸗


