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Die Gerichtsbarkeit.
Die Zivilgerichtsbarkeit übten das Amtskollegium, das Stadtgericht, der Stadtrat, das Kameralgericht zu Meudt, die Kirchſpielgerichte zu Meudt, Hundſangen, Nentershauſen und Salz, die Heimburger, die Bürgermeiſter, Schützen und Feldgeſchworenen aus.
Zum Amtskollegium gehörten i. J. 1786 1) der Amtmann Graf v. Leiningen, Kurfürſtl. Geh. Rat, Hofmarſchall und Exzellenz; 2) der Amtsverwalter Linz, der Amtskellner Tier und der Stadtſchultheiß Löhr. Der Amtsbote hieß Johann Horn.
Nach der Präliminar-⸗Verordnung vom 1. Januar 1769 ſollte ein Amtsſchreiber angeſtellt werden. Die Sitzungen ſollten collegialiter ſtattfinden. Beides geſchah nicht. Früher war der zu Sayn reſidierende Amtmann von Reifenberg alle 4 Wochen in Montabaur erſchienen, dringende Fälle hatte der Stadtſchultheiß oder der Kellner erledigt. Als i. J. 1722 der v. Reifenbergſche Sekretär Bauer in Montabaur Amtsverwalter wurde, überließ ihm Herr v. Reifen⸗ berg die ganze Amtsgerichtsbarkeit. Eine Verordnung vom J. 1761 vermochte nicht Wandel zu ſchaffen. Kollegialſitzungen wurden nicht abgehalten, der Amtsverwalter bezog allein die Sporteln und traf die gerichtlichen Entſcheidungen.
Das Perſonal des Stadtgerichts beſtand aus dem Stadtſchultheißen Löhr, den Gerichts⸗ ſchöffen Martin Monſieur, Franz Hisgen, Theodor Kirſchheber, Peter Schaaf, Stadt⸗ und Gerichtsſchreiber Wilhelm Löhr, Johann Hisgen, zugleich Schultheiß des Kirchſpiels Meudt und Gerichtsſchreiber des Kirchſpiels Nentershauſen, Theodor Konradi, Adam Möger, Matthias Wingens, Conrad Hartenfels, 3 vacant, Gerichtsſchreiber Schaaf, Gerichtsdiener Auer, vulgo auch Stadtdiener genannt.
Mitglieder des Stadtrats waren: Bürgermeiſter Conrad Hartenfels als Direktor und die oben genannten Schöffen. Zum Rate gehörte noch der Poſthalter Hugo Meurer. 6 Mitglieder fehlten zu der früher üblichen Zahl 17. Der Stadtdiener hieß Wehner.
Das Kameralgericht in Meudt war beſetzt mit dem Schultheiß Joh. Jakob Rörig, Ge⸗ richtsſchreiber zu Salz, wohnhaft zu Hundſangen, und mit dem Schöffen Schaaf in Dahlen. Gerichtsdiener war Anton Müller in Meudt.
Die Mitglieder der 4 Kirchſpielgerichte hießen: 1) in Hundſangen Schultheiß und Notarius Heinr. Ernſt Eichmann zu Hundſangen, die Gerichtsſchöffen Heinrich Kutſcheid zu Wallmerod, Hermann Marx zu Hundſangen, Joh. Georg Ludwig ebendaſelbſt, Lothar Eid zu Weroth, Heinr. Metternich zu Steinefrenz, Johann Lauf zu Beroth, 1 fehlte, Gerichtsſchreiber Rörig und Gerichtsdiener Joh. Lindenpitz zu Hundſangen; 2) in Meudt Schultheiß Johann Hisgen zu Montabaur, die Gerichtsſchöffen Sebaſtian Arnds zu Saynerholz, Jakob Röder zu Ruppach, Joh. Pet. Hahn zu Oberahr, Joh. Jak. Hohl zu Kuhnhöfen, Joh. Schaaf zu Ehring⸗ hauſen, 2 fehlten, Gerichtsſchreiber und adiunctus legalis Weimer zu Montabaur; 3) in Nen⸗ tershauſen Schultheiß Joh. Pet. Meurer zu Großholbach, Gerichtsſchöffen Joh. Möger in Nomborn, Adam Henkes zu Giroth, Joh. Egenolf zu Nieder⸗Erbach, Johann Weidenfeller zu Nentershauſen, Joh. Reuſch zu Görgeshauſen, Joh. Bach zu Großholbach, Adam Marx zu Heilberſcheid, Gerichtsſchreiber Joh. Hisgen zu Montabaur, Gerichtsdiener Adam Hukkolf; 4) in Salz Schultheiß Joh. Chriſt. Zimmermann, Schöffen Joh. Pet. Keſſeler zu Rothenbach, Sebaſtian Lauf zu Wahnſcheid, Valentin Sturm zu Bilkheim, Chriſt. Nilges zu Pfeifenſterz, 1 fehlte, Gerichtsſchreiber Rörig, Gerichtsdiener Joh. Ring.
Heimburger gab es im Amt 42, die teils mehrere Dörfer zu beſorgen hatten und zuweilen das Bürgermeiſteramt verwalteten. Ortsbürgermeiſter und Schützen wechſelten unter den Mitnachbarn jährlich ab; es gab ſoviele Bürgermeiſter als Gemeinden; die Zahl der Schützen ſchwankte zwiſchen 2, 3 und 6, je nach der Größe der Gemeinden.
Feldgeſchworene waren in manchen Orten die Bürgermeiſter und Schützen, in anderen wählte man 3—6 beſondere Feldgeſchworene. Die Ernennung des Amtmanns, Amtsverwalters, Stadtſchultheißen, der Schultheißen des Kameralgerichts und der 4 Kirchſpiele ſowie aller Ge⸗ richtsſchreiber war Sache des Landesherrn. Sie wurden von der Landesregierung, der Kellner bei der Hofratskammer vereidigt. Die Mitglieder des Stadtrats, des Stadtgerichtes, die Schöffen in Stadt und Land wurden früher vom Amtmann ernannt, der Stadtſchultheiß von ihm be⸗


