Aufsatz 
Die Montabaurer Amtsbeschreibung des Hofrats Damian Linz, geschlossen den 31. Dezember 1786 : 2. Teil
Entstehung
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herrührenden Streit der kurtrieriſchen Gemeinde Girkenroth mit dem naſſauiſchen Orte Dorndorf um das Ettinger Waldgut.Dieſe Mißelen, ſagt er,haben manche Pfändung und Gegen⸗ pfändung, manchen blutigen Kopf und manche Lokalkommiſſion verurſachet. Im Jahre 1778 ſollten die beiderſeitigen Behörden eine Vereinbarung herbeiführen. Andere Grenzſtreitigkeiten ſchwebten i. J. 1785 zwiſchen dem kurtrieriſchen Molsberg und dem naſſauiſchen Niederzeitsheim, zwiſchen Görgeshauſen und Diez, zwiſchen Stahlhofen Daubach und dem ſchaumburgiſchen Ruppenrot, zwiſchen Welſchneudorf und Dauſenau Zimmerſcheid.

Die Huldigung.

Die Huldigung erfolgte beim jedesmaligen Wechſel des Landesherrn in der Regel zu Trier. In Montabaur fand die letzte beim Regierungsantritt des Kurfürſten Johann Philipp ſtatt. Linz berichtet darüber alſo: 3

Bei dem Herzug als dem 1 ten Junius 1756 wurden Seine Kuhrfürſtliche Gnaden diesſeits des Spies Weyer durch 6 aus der jungen Mannſchaft der Amts Dorfſchaften aufge⸗ ſtellte Kompanien mit fliehenden(sic!) Fahnen und Klingendem Spiel emfangen. Dieſe junge Mannſchaft war einförmig mit blauen Kamiſölern rothen Aufſchlägen und Klappen und weißen Kammaſchen verſehen und die Gewehr hat man gegen Revers aus dem Zeughauß erhalten und mit Erſatz des ſchadens dorthin rückgeliefert.

Vor dem Stadtthor das Peters Thor genannt, ſtunde der Stadtrath und überreichte unter einer Anrede die Stadtſchlüßelen ſo mit kurzer Beantwortung ruckerſtattet wurden. In der Stadt ſchloße die Stadtjunggeſellen Kompanie an. Bei dem Kirchhofe thaten die Studenten in ſpaniſcher Kleidung auf einer gezierten Bühne lateiniſche Sprüche, ſodan die Tironen in ihrer gewöhnlichen Tracht auf einer andren Bühne und endlich die Schulmädgen in Schäfertracht auf der 3 ˙* Bühne teutſche Sprüche. Nach derhalb nötigem Aufenthalte gienge der Zug durch die paradirende Bürger Kompanie fort. Auf dem Markt waren zwei Ehren Pforten angebracht und ſo kame endlich der Zug auf hieſigem Schloß an.

Am 3en Junius wurde auf dem Markt eine große Bühne mit einem Thron aufgeſchlagen unter dem Thron befande ſich ein Seſſel und auf jeder Seite darneben ein Stuhl. Bei der Ankunft vom Schloß ließen ſeine Kuhrfürſtliche Gnaden ſich auf dem Seſſel(sc. nieder) und beede mitgegenwärtige Dohm Kapitulare nahmen auf den Stühlen Platz. Der übrige Hofſtaadt aber bliebe ſtehend, und nach auferlegter Stille eröfnete ſofort damaliger Hofkanzler von Münch eine Anrede, die Stadt und Gerichtsſchreiber beantwortete, darauf ſtiegen Beamte, Bürger⸗ meiſter, Stadtrath und Kirchſpielſchultheißen zur einen Seite der Bühne hinauf, übergaben eine Nahmentliche Verzeichnuß ſämtlicher zur Huldigung flichtiger Unterthanen kamen zum Hand⸗ kuß und ſtiegen zur andren Seite der Bühne wiedrum hinunter und damit war der Huldigungs Akt für das ganze Amt vollbracht.

Solchem allem nach begaben ſich ſeine Kuhrfürſtliche Gnaden mit dero Hofſtaat anwiederum auf das Schloß. Beamte, Burgermeiſter, Baumeiſter und Stadtſchreiber folgten nach, hatten wiederum eine beſondre Audienz und übergaben zum gewöhnlichen aber in Ertrag nicht be⸗ ſtimmten Huldigungs Geſchenke einen ſilbernen Teller ſamt einem dazu in St. Barbarae Kloſter zu Koblenz beſonders koſtbar verfertigten und mit 100 Dukaten angefüllten Beutel, wurden zur Tafel behalten, ſo wie zeitlicher Paſtor und übrige Rathsverwanthen ebenwohl dazu beige⸗ laden und ſpeiſeten alle dieſe zuſammen und unter ſich allein.

Am nämlichen Abend erleuchtete man die Ehren Pforten und Bühne und gabe auf dem Rathauße in der ſogenannten Bürgerſtube ein Abends Eſſen und demnach einen Bal: Seine Kuhrfürſtliche Gnaden wohnten ein- und anderem in höchſt eigener Perſon bei; hingegen er⸗ hielten die gemeine Bürgerſchaft und Amts Unterthanen 3 Fuder Wein auf Kuhrfürſtliche Koſten.

Während dem ganzen hieſigen Aufenthalt hat die Stadtjunggeſellen Kompanie auf dem Schloſſe die Wache gehalten.

Sämtliche Koſten, nur die Reiße, der Aufenthalt aufm Schloß und die von der Bürger⸗ ſchaft und Amtsunterthanen genoßene 3 Fuder Wein ausgeſchieden, hat Stadt und Amt be⸗