Aufsatz 
Die Montabaurer Amtsbeschreibung des Hofrats Damian Linz, geschlossen den 31. Dezember 1786 : 1. Teil
Entstehung
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Es wurde nämlich in den beiden Kirchen ein altes Weistum unter Vorlegung eines Stroh⸗ kranzes, einer Gartenſcheere, eines großen Kammes unddergleichen lächerlichen Kinderwiſchen vorgeleſen, nach welchem die größeren Verbrechen mit öffentlicher Kirchenbuße, die kleineren mit einer Geldſtrafe, die dem Stifte und ſeinem Kellner, dem Stadtpfarrer, zu gute kam, beſtraft werden konnten.

3. Im ganzen Amte wohnte nur ein einziger Proteſtant zu Dahlen bei Meudt.

Im Amt gab es 17 Pfarreien. 4. Die Pfarrei Montabaur mit 1753 Seelen.

a. Filialen: Bladernheim mit 47, Boden mit 205, Elgendorf mit 216, Eſchelbach mit 150, Horreſen mit 191, Reckenthal mit 62, Wirzenborn mit 50 Seelen.

b. Die Pfarrkirche iſt eine uralte Mutterkirche. Zu ihr gehörten alle Ortſchaften der Bänne Holler und Wirges. Vom Pfarrer, vier Vikaren und dem Bubenſchullehrer unter Beihilfe der Lehrer und Studenten, wurde Chor wie in einer Collegialkirche ab⸗ gehalten.

c. Die urſprüngliche Fundation und Dotierung der Pfarrkirche iſt unbekannt. Wahrſchein⸗ lich ſind Anniversarien eine Hauptquelle. In den Jahren 177581 wurden auf jedes Pfarrkind(auf jeden angepfarrten) 4 Taler kollektiert.

d. Im Pfarrhauſe mußte jährlich der ſog. Kirchenmeiſter vor dem Pfarrer, vor Beamten und zwei Stadtratsdeputierten Rechnung legen.

e. Die Gefälle betrugen i. J. 1784 Korn, Hafer und Wachs in Geld gerechnet 205 Taler 40 Alb. 5 Heller.

f. Zum Bau und zur Erhaltung des Kirchenſchiffes und Chors war, wie überall im Erzſtift, die Zehntherrſchaft verpflichtet, und zwar im Verhältnis zum Anteil am Zehnten. Der Stadtpfarrer war jedoch frei. Turm, Sakriſtei, Kirchhofsmauern, Altäre, Kanzel, Glocken u. a. mußten die Eingepfarrten übernehmen, ſelbſt Chor⸗ und Kirchgänge pflaſtern laſſen, obſchon es Sache der recht ſaumſeligen Zehntgenoſſenſchaft geweſen wäre. Meßwein, Hoſtien, Wachs, Ol und Paramenten beſorgte die Kirchenfabrik. Lange Zeit holte man, ähnlich wie die Franziskanerpatres es taten, den Meßwein der Reihe nach bei den einzelnen Wirten als Geſchenk, bis der 1739 verſtorbene Stadt⸗ pfarrer Trebus ein Kapital von 250 Talern ſtiftete, deſſen Zinſen für Ankauf von Meßwein verwendet wurden.

g. Die Begräbnisſtätte war für Montabaur, Elgendorf, Eſchelbach und Boden gemeinſam. Der Platz reichte nach Anſicht des Hofrats Linz aus, wenn Gräber in Reihen gemacht würden. In der Kirche befindet ſich die Gruft der Freiherrn v. Eſch auf Langwieſen. Bis 1776 wurden Stadtpfarrer im Chor, Beamte, Gerichtsperſonen und ſonſtige Honoratioren im Kirchenſchiff beigeſetzt. Eine Verordnung vom Jahre 1778 verbot die Beſtattung weltlicher Perſonen in der Kirche.

h. Nebenkirchen in der Stadt Montabaur waren i. J. 1786: 1) Die Franziskaner⸗Kloſter⸗ kirche mit 24 Geiſtlichen und 34 Laienbrüdern. Erſtere halfen zum größten Teil in der Seelſorge bei den Dorfpfarrern aus. 2) Das kleine Kapellchen ad matrem dolorosam, rechts von der Pfarrkirche am Präſenzgebäude, auch als Begräbnisſtätte für Geiſtliche benutzt. 3) Die Kreuzkapelle vor dem Peterstor, i. J. 1755 von einem Bürger namens Joh. Hermann Monſieur erbaut, aber nicht dotiert. 4) Die Kapelle bezw. Nebenkirche zu Wirzenborn mit beſonderem Küſterhaus. Die erſte Fundation iſt uralt. Der ſog. Kapellenmeiſter hatte die Einnahmen und Ausgaben zu verrechnen. Die Gefälle ſchätzt L. auf 142 Taler. Die im Januar 1781 verſtorbene Anna Maria Kneuper vermachte der Kapelle 2000 Taler mit der Bedingung, daß ſie zur Pfarrkirche erhoben würde. Gegen letzteres proteſtierte der Stadtpfarrer und ſetzte es durch, daß ein Geiſtlicher dort reſidieren, an Sonn⸗ und Feiertagen dort eine Frühmeſſe leſen, dann und wann predigen bezw. Chriſtenlehre abhalten dürfe, um 9 Uhr jedoch in der Hauptkirche Dienſt leiſten ſolle. 5) Die Kapelle zu Boden, in der ein Franziskanerpater wirkte. Die Dotation war gering, die Dorfgemeinde mußte noch jährlich 33 Taler 36 Alb. Zuſchuß leiſten.