Aufsatz 
Die Kellnerei des kurtrierischen Amtes Montabaur, nach ungedruckten Quellen dargestellt
Entstehung
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Andere Spaziergänge und Turnfahrten wurden von einzelnen Abteilungen an ſchul⸗ Pe Nachmittagen unternommen. Bald ging es das Gelbachtal entlang nach Kirchähr und Dies, bald nach Ems oder Neuhäuſel. Das bei Diez ſchön gelegene Kadettenhaus Oranienſtein und die berühmte Moſaik- und Plattenfabrik zu Ränsbach durften mit gütiger Erlaubnis des Königlichen Kommandos bezw. des Herrn Generaldirektors Nimax beſucht werden.

Am 30. Mai kehrte ein für das Montabaurer Schulleben wichtiger Gedenktag, der Gründungstag des Herzoglich Naſſauiſchen Gymnaſiums, zum hundertſten Male wieder und gab Anlaß zu einer nicht weiter vorbereiteten, aber trotzdem würdigen Feier. Abends 7 Uhr zogen die Primaner und Sekundaner unter den Klängen einer Muſikkapelle zum Kaiſerdenkmal, wo der Unterzeichnete eine patriotiſche Anſprache hielt. Dann ſetzte ſich der Zug weiter in Bewegung nach dem Hämmerleinſchen Saale. Hier hatten ſich bereits das Lehrerkollegium, Mitglieder des Kuratoriums und Magiſtrats, Stadtverordnete und viele Freunde der Schule mit ihren Damen eingefunden, um dem Feſtkommerſe beizuwohnen. In der Feſtrede entrollte der Berichterſtatter ein Bild von der alten Anſtalt(18061817), von der ſchlimmen Zeit ohne höhere Schule(18171840), von der naſſauiſchen Realſchule(18401868) und von dem bald aufblühenden Progymnaſium, das unter der überaus verdienſtvollen Leitung des erſten Direktors, des oben genannten Herrn Ober⸗ und Geheimen Regierungsrats Dr. Pähler im Jahre 1871 zur Vollanſtalt ausgebaut wurde. Das Feſt nahm einen in jeder Beziehung befriedigenden Verlauf.

An den Geburts- und Todestagen der beiden hochſeligen Kaiſer Wilhelm J. und Fried⸗ rich III. richteten die Klaſſenlehrer Gedenkworte an die Schüler.

Der Sedantag wurde bereits am 1. September durch einen Feſtaktus in der Aula be⸗ gangen. Der Unterzeichnete behandelte in ſeiner Rede das Thema: Deutſchland 1806 und 1906. Tags darauf rückten alle Klaſſen mit Muſik zum Kaiſerdenkmal und dann zum Jugendſpiel platze, um an dem großen Volksfeſte teilzunehmen. Die Wettſpiele des Gymnaſial⸗Fußballklubs und das um geſtiftete Preiſe ausgefochtene Turnier des Gymnaſial-Tennisklubs lockten viele Zuſchauer an.

Die Schulfeier am Geburtstage Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs fiel auf den 26. Januar. Infolge des dankenswerten Entgegenkom mens unſeres Magiſtrats, der den geräumigen Rathausſaal nebſt den drei Tribünen der Anſtalt zur Verfügung geſtellt hatte, konnten Ein⸗ ladungen ohne die früher übliche Beſchränkung erlaſſen werden. Die Beteiligung der Bürger⸗ ſchaft war daher dementſprechend ſo allgemein wie niemals in der Aula.

Auf dem Zuge zum Rathauſe ſpielte vor der Fahnengruppe eine Abteilung Pfeifer und Trommler, die Herr K. Linz jun. vorzüglich ausgebildet hatte. In dem mit Tannengrün reich geſchmückten Saale wurde nun um 5 Uhr, beſonders unter Mitwirkung des von Herrn Chriſte gut geſchulten Geſangchors(193 Schüler), folgende Feſtordnung durchgeführt.

I. Preußen⸗Marſch, für Streichinſtrumente und Klavier zu 4 Händen von H. Caroly. II. Deutſchland zur See. Feſtſpiel non H. Drees. Muſtikaliſch ausgeſtattet für gemiſchten Chor mit Begleitung des Pianoforte von F. Kriegeskotten. a. Chor: Am Meere. 1. Deklamation: Gürte dich, Germania! von Thouret: b. Chor: Turmwacht. 2. Deklamation: Preußen zur See von Drees. c. Chor: Flagge heraus! 3. Deklamation: Die Wacht am Meer von Heckhaus. d. Chor: Helgoland. 4. Datlanatſom⸗ Die Helden vom Iltis von Presber. e. Chor: Kaiſerlied. III. Feſtrede. IV. Nationalhymne.

Als Feſtredner gab der Berichterſtatter einen geſchichtlichen Überblick über die Ent⸗ ſtehung der brandenburgiſch⸗preußiſchen Flotte und feierte S. Majeſtät den Kaiſer Wilhelm II. als den tatkräftigſten Förderer der deutſchen Seegeltung. Der Oberprimaner Hartmann empfing