Aufsatz 
Die Kellnerei des kurtrierischen Amtes Montabaur, nach ungedruckten Quellen dargestellt
Entstehung
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traten in den Lehrkörper ein: Herr Hegemann,) Zeichen⸗ und Turnlehrer, und Herr Chriſte,*) Lehrer am Gymnaſium. Der Geſundheitszuſtand der Schüler war befriedigend. Unter den Lehrern mußten jedoch auf Grund ärztlicher Zeugniſſe Herr Profeſſor Dr. Lücken⸗ bach im Sommerhalbjahr und Herr Profeſſor Dr. Marx im letzten Vierteljahr nach einem viermonatlichen Urlaub entlaſtet werden. Mit der Stellvertretung des Herrn Prof. Dr. Marx wurde vom Königlichen Prov.⸗Schulkollegium am 1. Oktober der wiſſenſchaftliche Hilfslehrer Herr Dr. Rack betraut.

Der Herr Miniſter der geiſtlichen pp. Angelegenheiten überwies durch einen Erlaß vom 3. Januar d. J. dem Kaiſer Wilhelms Gymnaſium den franzöſiſchen Kandidaten des höheren Lehramts Herrn Raymond Chabot, zuletzt répétiteur au lycée de Clermont-Ferrand, als Aſſiſtenten. 36 Schüler der oberen Klaſſen erhalten nunmehr in 6 Gruppen wöchentlich je 2 Converſationsſtunden. Zur weiteren Pflege dieſer Sprechſtunden verſammeln ſich die Schüler unter Aufſicht des Direktors und einiger Lehrer an einem Abende jeder Woche zu einer ausſchließlich franzöſiſch geführten Unterhaltung, und Herr Chabot erörtert bei dieſer Ge⸗ legenheit allerlei Fragen von allgemeinem Intereſſe.

Im Zaufe des Schuljahres fanden zwei Reifeprüfungen ſtatt, und zwar die erſte am 27. und 28. September unter dem Vorſitze des Ober⸗ und Geheimen Regierungsrats Herrn Dr. Pähler, Direktors des Königl. Prov.⸗Schulkollegiums in Caſſel. Von den 11 der An⸗ ſtalt überwieſenen fremden Prüflingen nahmen 5 an dem Mündlichen teil; drei erhielten das Zeugnis der Reife: Fräulein Emilie Fenner aus Allendorf, Kreis Ziegenhain, Herr cand. med. v. Monakow aus Zürich und Herr stud. arch. Schmalz aus Karlsruhe.

Die hieſigen Oberprimaner unterzogen ſich am 5. und 6. März der Prüfung. Durch Verfügung des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums war der Direktor beauftragt worden, die Ge⸗ ſchäfte des Königlichen Kommiſſars wahrzunehmen. Alle 17 Schüler beſtanden die Prüfung, 7 unter Befreiung vom Mündlichen. Am 7. März wurden ſie feierlich in der Aula entlaſſen. Nach der Anſprache des Direktors gab der Abiturient Jörges den Empfindungen der Scheidenden in herzlichen Dankesworten Ausdruck.

Ausflüge, Schulfeſte und Unterhaltungsabende brachten etwas Abwechſlung in das Alltagsleben. Am 29. Mai wanderten die Primaner und Sekundaner durch den Wald nach Coblenz, fuhren zu Schiff nach dem Stolzenfels und kehrten mit der Bahn nach Hauſe zurück. Die Obertertianer zogen nach Coblenz, Vallendar und Sayn, die Untertertianer nach Oberlahn⸗ ſtein und die drei unteren Klaſſen nach der Hüttenmühle.

*) Beide Herren haben über ihren bisherigen Lebensgang folgende Angaben gemacht:

Julius Hegemann wurde geboren am 10. Auguſt 1876 zu Iſerlohn und beſuchte daſelbſt das Realgymnaſium. Nach ſechsjährigem Studium an den Akademien in Amſterdam, Paris, Brüſſel und Düſſeldorf legte er an der zuletzt genannten Kunſtſchule die Zeichenlehrerprüfung ab. In Holland erwarb er ſich als Kunſt⸗ maler das Staatsdiplom. Von Oſtern 1904 bis Herbſt 1905 war er am Realgymnaſium in Aachen tätig. Im Winterhalbjahr 1905/06 nahm er an einem halbjährigen Kurſus an der Königlichen Turnlehrer⸗Bildungsanſtalt in Berlin teil und wurde am 1. April 1906 als Zeichen⸗ und Turnlehrer am Kaiſer Wilhelms Gymnaſium in Mon⸗ tabaur angeſtellt.

Auguſt Chriſte, geboren am 12. Juni 1869 zu Weilburg a. Lahn, beſuchte das Gymnaſium bezw. Realprogymnaſium zu Homburg v. d. Höhe und Diez a. Lahn bis Unterprima und von 1886 1889 das Königl. Lehrerſeminar zu Montabaur. Er wirkte ſeit 1889 als Lehrer an verſchiedenen Orten des Regierungsbezirks Wies⸗ baden, zuletzt als 1. Lehrer zu Lindenholzhauſen bei Limburg. Mit dem 1. April 1906 wurde er an das Kaiſer Wilhelms Gymnaſium zu Montabaur berufen.