Aufsatz 
Die Kellnerei des kurtrierischen Amtes Montabaur, nach ungedruckten Quellen dargestellt
Entstehung
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Gelder, ſie beſoldeten die Beamten, beſtritten die Ausgaben für Bauten, Ackerbeſtellung, Ernte, Fuhren ꝛc., übernahmen die Verpflegungsſtationen u. a. m.

In jeder Kellnerei wurden zwei Gültbücher aufgeſtellt und das eine derſelben für die Zentrale beſtimmt. In der Rechnungslage pflegte man den 1. Januar oder 1. Februar als Datum für den Abſchluß der Geldeinnahme bezw. der Naturaleinkünfte zu Grunde zu legen und das Etatsjahr von Johanni bis Johanni zu rechnen. Reviſion und Entlaſtung durch die Zentralſtelle erfolgte in der Regel im Frühjahr.

Beamte der Kellnereien waren: Der Kellner oder Keller, ſein Schreiber, der Kellnerei⸗ bote uſw. Wagenbereiter und Landboten beſorgten die Zuführung der Einnahmen; lokale Beamte, wie Heimburger oder Zehnter, ſammelten die Abgaben in ihren Ortſchaften, Schultheißen zogen die Gerichtsbußen ein und Meier die landesherrlichen Gefälle der Umgegend.

Der Kellner, Keller, cellarius, war ein beſoldeter, verantwortlicher Beamter wie der Amtmann ſelbſt; er war des Schreibens und Rechnens kundig, bei der kurfürſtlichen Hofrats⸗ kammer vereidigt und ſtellte eine Kaution. Außer der regelrechten Rechnungsführung lag es ihm ob, jährlich zwei⸗ bis dreimal den landesherrlichen Domanialbeſitz, Bauten, Straßen ꝛc. zu beſich⸗ tigen und die Zoll⸗ und Acciſerechnungen nachzuſehen. Er war mit den Perſonalverhältniſſen der Eigenleute bekannt, erhob von ihnen allerlei Abgaben, verpachtete, kaufte und verkaufte Land im Auftrage ſeines Herrn, zahlte auf Anweiſungen hin aus und rechnete mit Lohnarbeitern vermittels Kerbhölzer ab.

Über alle genannten Verhältniſſe geben im allgemeinen die vorhandenen Urkunden, beſondere Rechnungen, Entlaſtungen und Kellereiordnungen Aufſchluß. Für das Amt Montabaur fließen indes dieſe Quellen ſpärlich. Die Saalbücher ſind meiſt ſog. Renovationen, nicht bloß Abſchriften, ſondern Umarbeitungen der Vorlagen. Die ſyſtematiſche Anordnung iſt ſchlecht, einzelne Poſten ſind unter falſche Rubriken geſchrieben, und die Benützung wird erſchwert. Bis⸗ weilen laſſen ſich Angaben zeitlich nicht feſtſtellen; es iſt daher nur eine lückenhafte Beſchreibung der Kellnerei Montabaur möglich.

Die Kellnerei Montabaur beſtand bereits i. J. 1335; denn nach einer Urkunde vom 9. Febr. d. J. ſoll ein Diederich von Staffeln, Ritter und Dienſtmann der Erzbiſchöfe, für die Burg Balduinſtein die Burgleute rekrutierenmit rade und mit willen unsers burggreven und Kelners zu Montabur.

Die Kellnerei des Amtes Montabaur umfaßte anno 1589 die Stadt Montabaur mit Horhauſen(Horreſſen), Eſchelbach, Dernbach, Elgendorf, Ebernhahn, Siershahn, Holzhauſen, Wirges, Moſchheim, Staudt, Bergſcheid, Leuterod, Otzingen, Boden, Heiligenrot, Hobſteden, Hollender(Holler), Reckental, Wirtzenborn, Ober⸗ und Nieder⸗Elbert, Neudorf(Welſchneudorf); die ſog. 4 Kirchſpiele Hundſangen, Nentershauſen, Salz und Meudt die früheren Weſter⸗ wälder Gerichte der Grafſchaft Diez, die zum Landgericht(Stuhllindengericht) Winden gehört hatten. Kurtrier erwarb unter Johann V. v. d. Leyen dieſe Orte i. J. 1564 auf Grund des Diezer Vertrages. In dieſen Kirchſpielen lagen viele Ortſchaften, z. B. im Kirchſpiel Salz: 1) die Salzer Zech(d. h. Verwaltungsbezirk): Salz, Rothhauſen, Neuroth, Bilckheim; 2) die Kölbinger Zech: Kölbingen, Berg(nach d. J. 1525 ausgeſtorben), Schönberg, Möllingen, Hartlingen, Weſtert, Elben, Hof Witzelbach, Brandſcheid, Pfeifenſterz, Rothenbach und Himburg; 3) die Saynſcheidter Zech: Saynſcheidt, Wörsdorf und Mehren; 4) die Haindorffer oder Hahner Zech: Haindorf, Oberſayn, Hahn, Ndr. Hahn und Elbingen; 5) die Wahnſcheider Zech: Wahnſcheid und Herſchbach.