Aufsatz 
Der Versuch einer Schulreform im Amte Montabaur unter Clemens Wenceslaus, dem letzten Kurfürsten von Trier, nach ungedruckten Quellen dargestellt
Entstehung
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II. Mitteilungen aus den Verfügungen der vorgeſetzten Behörde.

Caſſel, 24. März 1904. 13. April 1904. 14. November 1904. Das Königliche Provin⸗ zial⸗Schulkollegium genehmigt die Einführung folgender Schulbücher: O. Schmeil, Leitfaden der Zoo⸗ logie, O. Schmeil, Leitfaden der Botanik, v. Seydlitz, Geographie, Ausgabe D in 5 Heften, Oſter⸗ mann⸗Müller, lateiniſches Übungsbuch IV. Teil, 2 Abt. Unterſekunda.

1II. Zur Geſchichte der Schule.

Das Schuljahr begann am Montag, den 11. April mit der Prüfung der neu eintretenden Schüler; der Unterricht nahm erſt am nächſten Tage ſeinen Anfang.

Aus dem Lehrkörper der Anſtalt ſchieden Oſtern 1904 die Oberlehrer Heun und Dr. Müller aus, um einem Ruf an das Königliche Gymnaſium zu Fulda bezw. an das Kaiſer Karls⸗Gym⸗ naſium zu Aachen Folge zu leiſten. Beide haben als eifrige Lehrer dem Kaiſer Wilhelms Gymnaſium treue Dienſte geleiſtet.

An ihre Stelle traten Oberlehrer Dr. Walters*) und Probekandidat Ebert. Der ſtell⸗ vertretende techniſche Lehrer Schulamtsbewerber Röleke wurde nach ſechsmonatlicher Tätigkeit in Montabaur nach Dillenburg verſetzt und Zeichenlehrer Kirſtein) am 1. April 1904 feſt angeſtellt.

Vom ſchönſten Wetter begünſtigt, machten am 28. Juni alle Klaſſen mit ihren Lehrern, mehreren Eltern hieſiger Schüler und Freunden der Anſtalt man zählte gegen 300 Teilnehmer einen Ausflug nach dem Niederwalddenkmal. Die Rückfahrt von Rüdesheim erfolgte mit einem Extradampfer bis Koblenz und von Chrenbreitſtein mit der Eiſenbahn. Kleinere Spaziergänge und Turnfahrten wurden von einzelnen Abteilungen an ſchulfreien Nachmittagen nach Neuhäuſel, Ems, Welſchneudorf, auf den Malberg und nach Ransbach unternommen. In dem zuletzt genannten Orte durften die oberen Klaſſen mit gütiger Erlaubnis des Herrn Generaldirektors Nimar die berühmte Moſaik⸗und Plattenfabrik beſichtigen.

Am 2. September wurde der Sedantag in der Aula gefeiert. Die Sänger trugen Lieder und 5 Schüler geeignete Gedichte und Proſaſtücke vor; daran ſchloß ſich die Feſtrede des Direktors.

Den Geburtstag Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs begingen wir am 27. Januar in der bei uns üblichen Weiſe. Nach feierlichem Gottesdienſte in beiden Kirchen traten die Schüler in der feſtlich geſchmückten Aula zuſammen, wo willkommen aufgenommene Vorträge der Muſikkapelle unter

*) Dr. Walters und G. Kirſtein haben über ihren bisherigen Lebensgang dem Berichterſtatter folgende Angaben gemacht:

Ludwig Walters, geboren am 2. Februar 1875 zu Borken(Weſtfalen), erwarb das Zeugnis der Reife Oſtern 1896 am Kgl. Gymnaſium zu Münſter, beſuchte dann die dortige Kgl. Akademie, promovierte im Sommer⸗ Semeſter 1901 auf Grund ſeiner DiſſertationAndreas von Escobar, ein Vertreter der konziliaren Theorie am An⸗ fange des 15. Jahrhunderts und beſtand die Prüfung für das höhere Schulamt im Winter⸗Semeſter 1901/02. Sein Seminarjahr leiſtete er von Oſtern 1902 bis Oſtern 1903 am Gymnaſium in Herford ab und das darauf⸗ folgende Probejahr an der Realſchule mit Progymnaſium in Herne i. Weſtf..

Georg Kirſtein wurde am 28. März 1873 zu Oppeln geboren. Vorgebildet auf den Lehrerſeminaren zu Brieg und Proskau war er von 18921897 im Schuldienſt tätig. Von 1897 bis 1899 beſuchte er behufs Aus⸗ bildung zum Zeichenlehrer die Königl. Kunſtſchule zu Breslau und beſtand dort die Zeichenlehrerprüfung. Hierauf wirkte er als Stellvertreter des Zeichenlehrers am Gymnaſium in Königshütte und als feſtangeſtellter Zeichenlehrer von Oſtern 1902 1904 an der Realſchule mit Progymnaſium zu Herne i. Weſtf.