Aufsatz 
Der Versuch einer Schulreform im Amte Montabaur unter Clemens Wenceslaus, dem letzten Kurfürsten von Trier, nach ungedruckten Quellen dargestellt
Entstehung
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Der Verſuch einer Schulreform im Amte Montabaur unter Clemens Wenceslaus, dem letzten Kurfürſten von Trier, nach ungedruckten Quellen dargeftalt von

Melchior Thamm.

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Die meiſten Kurfürſten von Trier gehörten reichsgräflichen oder freiherrlichen Geſchlechtern des Erzſtiftes oder der Nachbarländer an. Der letzte, Clemens Wenceslaus, ſtammte aus einem angeſehenen Herrſcherhauſe. Er führte als Sohn Auguſts des Dritten von Polen und Sachſen den TitelKöniglicher Prinz von Polen und Lithauen. Durch ſeine Mutter Maria Joſepha war er ein Enkel Kaiſer Joſephs I. Er genoß eine vorzügliche Erziehung und erwarb ſich eine klaſſiſche Bildung. Dann widmete er ſich der militäriſchen Laufbahn und nahm als 21jähriger Feldmarſchall⸗Leutnant 1760 an der Schlacht bei Torgau teil. Aus Geſundheits⸗ rückſichten vertauſchte er ſeinen Beruf mit dem Studium der Theologie und feierte am 1. Mai 1763 zu München ſeine Primiz. Noch in demſelben Jahre erhielt er die Bistümer Freiſingen und Regensburg. Im Jahre 1768 wurde er zum Biſchof von Augsburg und auf Betreiben Maria Thereſias gleichzeitig auch zum Kurfürſten und Erzbiſchof von Trier ernannt.

Er reſidierte mit Vorliebe in Koblenz. Am 21. Oktober 1792 floh er beim Anmarſch der Franzoſen unter Cuſtine erſt nach Bonn und Münſter und dann nach Süddeutſchland, ein Jahr ſpäter kehrte er über Mannheim und Montabaur in die Rhein- und Moſelſtadt zurück. Am 5. Oktober 1794 verließ er für immer ſeine Reſidenz, weilte 2 Tage in Montabaur und reiſte dann über Schwetzingen nach Augsburg. Er ſtarb am 27. Juli 1812 auf ſeinem bayriſchen Schloſſe Obern⸗ dorf und wurde ſeinem letzten Wunſche gemäß ohne Leichengepränge und Trauerrede auf dem Friedhofe mitten unter ſeinen Pfarrgenoſſen begraben. ¹)

Clemens Wenceslaus war ein vielſeitig gebildeter, maßvoller und praktiſch angelegter Fürſt. Seine Regierung fiel in eine Zeit, die auf verſchiedenen Gebieten eine Umwälzung mit ſich brachte, u. a. auch auf dem Gebiete des Schulweſens. Friedrich der Große, Maria Thereſia, die Pietiſten, die Philanthropen, ſie alle leiſteten Erſprießliches. ²)

¹) Dr. J. Bwär, Geſch. des Erzſtiftes Trier V. 1864 S. 42. G. Firnhaber, Die Naſſauiſche Simultanſchule I 1881 S. 179. d. Dominikus, Koblenz unter dem letzten Kurfürſten von Trier Clemens Wenceslaus. Coblenz 1869.

2) Kehr, Pädag. Blätter XXVI. Gotha 1897. S. 224 229, 259.