Aufsatz 
Die Feier des 50jährigen Bestehens unserer Anstalt
Entstehung
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Ähren reiche Frucht tragend, die anderen mit bescheideneretii Wuchs, aber auch Nutzen verbreitend und ihren Daseinszweck erfüllend. Wenn heute alle die, welche sich an dieser Bildungsarbeit als Werkzeuge eines höheren Meisters berufen fühlen durften, auf die Schar der tüchtigen Männer blicken, welche aus dieser Arbeit hervorgegangen sind, so müssen diese Jugendbildner ihre Augen zum Throne des Höchsten erheben und ihm danken für den Segen, der ausging von der Urquell aller Kraft, ohne dessen Hilfe es kein Gelingen gibt. Noch dankbarer aber müssen die Herzen derer schlagen, für die die Schule die Grund- lage für eine geachtete Lebensstellung gegeben hat. Den meisten von Jhnen ist ja bewußt gewesen, daß Sie am Ehrentage Jhrer Schule nicht fehlen durften, um durch Jhr Erscheinen einen Teil des Dankes abzutragen, den Sie der Schule schulden. Und diese Dankbarkeit ehrt ja nicht allein die Schule, sondern auch die, welche sie üben. Und wahrlich, es sind die Opfer, die für das Gelingen des Festes gebracht wurden, der Freuden wert, die Sie erleben dürfen dadurch, daß Sie mit allen, die Ihnen einst nahe gestanden, lieb und teuer geworden sind, den Jugendtraum noch einmal durchträumen dürfen, daß Sie tausend Er- innerungen tauschen dürfen mit denen, mit welchen Sie einst gescherzt und gelacht, gearbeitet und gestrebt, mit denen Sie Zukunftspläne geschmiedet und Hoffnungen begraben haben, So mögen denn diese weihe- vollen Stunden dazu beitragen, daß die Bande der Freundschaft derer wieder fester geschlungen werden, die einst von« geweihter Stätte zum großen Lebenskamps hinauszogen, daß, wenn sich ihre Lebenswege draußen wieder kreuzen, der Druck der Hand und der treue Blick des Auges an Jnnigkeit nichts verlieren- Wir aber, die Träger der heutigen Bildungsarbeit, die wir dazu berufeii sind, diesem Kreis tüchtiger Männer neue Mitglieder zuzuführeii, bitten alle, welche uns dabei geholfen und auch in Zukunft stützend » zur Seite stehen wollen, zu rufen: Unsere ehemaligen Schüler leben hoch, hoch, hoch!

Den Schluß der Reden bildete eine Ansprache des Herrn Landtagsabgeordneten Okonomie- rat Korell-Angenrod, der ein Hoch ausbrachte auf die Alsfelder Damen.

Herrn Kommerzienrat Grünervald wurde nun die Leitung des Kommerses über- tragen. Eine vollständige Ruhe war nicht mehr herzustellen, hatten sich doch die Schulkameraden und Freunde so vieles in erzählen von den Erlebnissen seit der Schulzeit. Nach Schluß des Kommerses wurden noch von einzelnen Gruppen verschiedene Gasthäuser aufgesucht, um frohe Erinnerungen- aus der Jugendzeit auszutaufchen.

Der Festsonntagbegann mit einem Weckrus der Kapelle Müller, welche auch verschiedenen Herren ein Ständchen brachte. Am Ludwigsplatz fand von 11 bis 12 Uhr Promenadekonzert statt, das die Festteilnehmer und viele Einwohner Alsfelds heran-« lockte. Pünktlich LI-- Uhr bewegte sich der Festng von der Oberrealschule aus durch die Straßen der Stadt nach den alten Realschulgebäuden im Schnepfenhain. Schülerinnen der höheren Mädchenschule hatten im Schulhofe längs der Marter Aufstellung genommen, um den Zugteilnehmern Blumen zuzuwerfen. Hier machte man Halt, um nach vielen Jahren wieder einmal den Schulhof zii betreten. Einige früheren Schüler versuchten, das Schulglöckchen am Eingang des alten Gebäudes zu läuten, aber es ertönte nicht mehr. Mancher gedachte auch hier des alten Schuldieners Schopbach, der dies Glöckchen stets so meisterhaft geläutet hatte. Jm Schulhofe erfolgten mehrere Gruppenaufnahmen früherer Schüler durch den Photographen, Herrn O. Hölscher. Der Festng setzte sich hieraus wieder in Bewegung und mit Sang und Klang ging es durch die Straßen Alsfelds nach dem Festplatz. Hier hielt Herr Professor Dr. Krausmüller-Gießen folgende Festrede:

Mit dieser heutigen Veranstaltung sind wir in den zweiten Teil der Jubelfeier eingetreten und nach wenigen Stunden wird es für diejenigen, die lange Jahre nach ihrem Weggang von der Schule sich zum erstenmal wieder die Hand gedrückt haben, heißen, wieder Abschied zu nehmen.

Während nun der gestrige Festtag in seinen Veranstaltungen mehr den Schülern, den früheren und jetzigen, den Lehrern und den Herren gewidmet war, die in engster Beziehung zur Oberrealfchule stehen und standen, hat heute der Festausschuß die ganze Bürgerschaft zu Gast geladen, denn auch sie steht in engster Beziehung zu ihrer Oberrealschule und hat das größte Interesse an ihr.

Es ist mir nun seitens des Festausschusses in ehrenvoller Weise der Wunsch ausgesprochen worden, die nachfolgenden Veranstaltungen als früherer Schüler der Anstalt durch einige Worte einzuleiten. Jch komme diesem Wunsch gerne nach und möchte Jhnen hier in Kürze die Eindrücke wiedergeben, die das Jubelsest in mir hinterlassen hat.

Wenn ich zurückblicke, meine Herren, und die Schule, wie sie jetzt ist, vergleiche mit dem, was vor 25 Jahren, als ich die Obertertia besuchte, war, dann kann ich nur meine Verwunderung aussprechen über ihre glänzende Entwickelung Die Festschrift, die uns gestern als dauernde Erinnerung an diese Festtage überreicht wurde, sagt z. B., daß im Jahre 1886 die Schule von 169 Schülern besucht war, heute sind es deren 290, also fast die doppelte Zahl gegenüber jener Zeit. Aus einer Realschule ist mittlerweile infolge der rastlosen Tätigkeit sührender Männer der Schule und Bürgerschaft und unter großen Opfern der Stadt eine Oberrealschule geworden, die ihren Abiturienten eine bedeutend größere Anzahl von Berufen im Ver- gleich mit früher öffnet, die auch für die meisten akademischen Berufe mit vorbereitet. Und an Stelle der