Aufsatz 
Die Feier des 50jährigen Bestehens unserer Anstalt
Entstehung
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13.

Herr Professor Decker-Alsfeld dankt Herrn Gustav Ramspeck für seine freundlichen Worte, auch dankt er für die Stiftung und bringt ein Hoch aus auf die edlen Spender, welche sich in hochherziger Weise an der Stiftung beteiligt haben.

Die in großer Zahl eingegangenen Telegramme und Glückwunschschreiben wurden hierauf verlesen. Nicht nur aus allen Gegenden Deutschlands, sondern auch aus dem Ausland waren Glückwünsche von früheren Lehrern und Schülern dargebracht worden. Ferner waren Glück- wunschschreiben eingetroffen von dem Herrn Landtagsabgeordneten Justizrat Reh, von Herrn Geh. Oberschulrat Greim, sowie vom Stenographenverein ,,Gabelsberger«" Alsfeld.

Die fröhliche Stimmung, welche schon beim Festessen herrschte, kam in noch viel höherem Maße bei dem abends 9 Uhr beginnenden Kommers zum Ausdruck.

Herr Oberrealschuldirektor Dr. Pitz hatte die Leitung des Kommerses übernommen. Er begrüßte die Teilnehmer und gab seiner Freude über die fidele Stimmung Ausdruck. Herr Kreisrat Dr. Heinrichs brachte ein Hoch auf den Landesfürsten aus. Herr Kommerzienrat Grünewald gedachte der früheren Lehrer und Schüler, welche nicht mehr unter den Lebenden weilen. Viele ehemalige Schüler verdanken der Alsfelder Realschule ihre angesehenen Stellungen. Er brachte ein Hoch aus auf das fernere Wachsen, Blühen und Gedeihen der Oberrealschule. Die Begeisterung und die Stimmung bei den Festteilnehmern erhöhte sich noch, als das Festlied ,,Hohe, heilge Feierstunde-« gemeinschaftlich gesungen wurde. Dem Dichter dieses Festgesanges, Herrn Assessor Graeber, und dem Komponisten, Herrn Reallehrer Dotter, sprach Herr Direktor Dr. Pitz herzlichen Dank und volle Anerkennung aus. Beide Herren mußten auf der Bühne erscheinen und es wurde ihnen ein kräftiges Hoch ausgebracht. Hierauf spielte die Festmusik den von Herrn Reallehrer Dotter der Oberrealschule zum Jubiläum gewidmeten Festmarsch, der wie auch bereits bei dem Festakt lebhaften Beifall fand. Herr Geh. Oberschulrat Block-Darmstadt betonte hieran in einer Ansprache, daß unsere Jugend mitwirken müsse an der Ausgestaltung und Verbesserung unseres Vaterlandes. Er schloß seine Ausführungen mit einem Hoch auf unser Vaterland und unsere Jugend.

Herr Reallehrer H e r rm a nn-Alsfeld:

Nachdem die vielfachen Verdienste der Oberrealschule bei der Schulfeier, beim Festessen und auch jetzt wieder in mannigfacher Weise gefeiert worden sind, will ich als Altester des Lehrerkollegiums ver- suchen, auch ein Röslein einzuflechten in den Ehrenkranz, den heute Liebe und Dankbarkeit, Hochachtung und Verehrung um unsere Iubilarin winden. Es wird Ihnen dabei begreiflich erscheinen, daß mich, dessen Geschick seit einem halben Menschenalter mit dem unserer Anstalt verwoben"ist, an diesen Tagen des Gedenkens und Erinnerns die Bilder aus dem nie versiegenden Born der Erinnerung reichlicher umschweben als zur stillen Zeit der Arbeit; ebenso wie Sie, die Sie zum Ehrentage der Schule erschienen sind, in diesen Tagen lebhafter der Zeit gedenken, von der unsere Jungen heute morgen gesungen haben: sie liegt so weit, so weit, an die Zeit, welche die seligen, goldenen Tage der frohen Jugendzeit birgt, aus der in verklärten Zügendas Glück vergangener Tage so mild und freundlich zu uns herüberlächelt. Sie werden sich auch wieder lebhafter der Stunden erinnern, die Sie durchlebten, als Sie den ersten bedeutsamen Schritt ins Leben hinaus wagten, um in die Gemeinschaft der Schule aufgenommen zu werden, geführt von der Hand der treuen Mutter, die mit ihrem Herzen voll Liebe, aber auch voll von Bangen und Hoffen, Angst und Zuversicht, mit tausend Wünschen und Gebeten ihren Liebling auf dem ersten, schweren Gang begleitete hin zur Stätte, an der das Teuerste, was sie einem Menschen anvertrauen konnte, nun das em- pfangen sollte, was ihm das Haus nicht mehr geben konnte. Schule und Haus haben von diesem Augen- blick an zusammengestanden, wie starke Eichen eine zarte Linde umstehen, um sie vor Sturm und Wetter zu schirmen. Schule und Haus haben über Ihnen den Kindeshimmel der Heiterkeit ausgespannt, unter dem alles gedeiht, nur Gift nicht; Schule und Haus haben an diesem heiteren Himmel den Sonnenschein gespendet, unter dessen wärmender Kraft Sie herangereift sind zur Freude Ihrer Eltern, zum Wohlgefallen Ihrer Mitmenschen und zur Ehre Gottes. Und bei all der Liebe, die von Schule und Haus ausströmte, konnte nicht verhindert werden, daß Jhr sonniger Himmel vorübergehend durch düstere Wolken beschattet wurde, daß Tage kamen, von denen man sonst im Leben zu sagen pflegt, sie gefallen mir nicht. Und wenn Sie heute als reife Männer, die das Leben gestählt hat, auch auf jene Stunden zurückblicken, dann haben Sie längst gelernt, daß da, wo der Grund zu sittlicher Einsicht und Kraft, zu einem ehrenwerten Charakter gelegt werden soll, die wilden Triebe mit rauher Hand hinweggefegt werden müssen, welche die moralische Kraft aufzusaugen drohen, die für das spätere Leben mit seinen harten Forderungen so notwendig ist. Darum werden auch diese Augenblicke heute milder und versöhnend in Ihre Erinnerung treten, Sie nicht mehr ersüllend mit Bitterkeit, sondern mit Dankbarkeit dafür, daß die fromme Liebe der Mutter, und der sittliche Ernst des Vaters in den Herzen Ihrer meisten Lehrer einen Wiederhall gefunden haben, der so ein- flußreich auf Ihr weiches Kindergemüt und so mitbestimmend für Ihren Werdegang geworden ist. Und so ist die ausgestreute Saat zu einer herrlichen Ernte gereift, die Einen hoch emporragend und an vollen