Aufsatz 
Die Feier des 50jährigen Bestehens unserer Anstalt
Entstehung
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es die ehemaligen Realschüler selbst, die gemeinsam mit anderen ihre Kraft dafür einsetzten, daß die Schule nicht stehen blieb, sondern sich weiter entwickelte und zur Oberrealschule ausgebaut wurde. Voll berechtigten Stolzes blicken sie dankbar auf das Erreichte und sind dankbar allen denen, durch deren Unterstützung das Ziel erreicht wurde dem Stadtvorstand, den Herren Landtagsabgeordneten und besonders den Herren von der Regierung.

Zwar gibt es auch noch heute Kreise, die unserer Oberrealschule nicht ganz sympathisch gegenüber stehen, weil sie den Zweck einer höheren Lehranstalt nicht zu schätzen wissen. Da wo in einem Lande die höchsten Schulen sind, sind auch die Mittelpunkte des geistigen Lebens, von denen aus sich die Bildung über Stadt und Land verbreitet, und da, wo in einer Gegend die Gelegenheit zum Besuche einer höheren Schule vorhanden ist, wird sich die allgemeine Bildung rascher und vollkommener entwickeln und ver- breiten als in einem Landstriche, in dem die Gelegenheit fehlt. Das ist durch die Verhältnisse selbst bedingt, denn nicht alle Eltern sind in der angenehmen Lage, ihre Kinder zur weiteren Ausbildung auf eine höhere Schule hinauszusenden; da wo aber eine solche Anstalt am Platze selbst oder in nächster Nähe ist, sind die Opfer leichter, und weiteren Kreisen ist die Möglichkeit geboten, sich die Wohltaten einer höheren Lehr- Anstalt zu nutze zu machen. Das erkannten auch unsere Vorfahren, die schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eine Realschule für Alsseld anstrebten, bis sie nach langem Ringen 1861 das Er- fehnte erreichten. Nie wäre Alsseld mit seinem geschäftlichen Leben das geworden, was es heute ist, wenn es der Realschule entbehrt hätte, und doch war man noch nicht am Ende des Weges.

Das glorreiche Emporsteigen des deutschen Volkes in und nach 1870X71 hatte auch wesentlich erhöhte Ansprüche an die Lebenshaltung zur Folge, der Kampf ums Dasein wurde immer vielfältiger und schwieriger und allgemein machte sich das Bestreben bemerkbar, den Kindern eine bessere Vorbildung zu geben. Dies und der Umstand, daß unserer Realschule noch das direkte Bindeglied zwischen ihr und der Universität fehlte, ließ auch das jetzige Geschlecht erkennen, daß die Weiterentwickelung unserer Schule nicht mehr ver- zögert werden durfte, und so vollendeten denn die Enkel das von den Vätern begonnene Werk. Sie er- kämpften die Unter- und Oberprima zum Wohle der Bevölkerung Alsselds und seiner Umgebung, die nun- mehr leichte Gelegenheit haben, ihre Kinder bis zur Maturitätsreife ausbilden zu lassen und die jetzt ihre Söhne von ihrer eigenen Oberrealschule direkt zur Universität senden können.

Freuen wir uns, daß man weiterging auf dem von den Alten angewiesenen Weg, freuen wir ehemaligen Schüler der Realschule uns des vollendeten Werkes, freuen wir uns unserer Oberrealschule und hoffen wir, daß sie auch Kind und Kindeskindern eine Pflanzstätte wahrer und echter Bildung werde und immerdar bleibe-

Unsere Oberrealschule sie wachse, blühe und gedeihe zum Heile jetziger und künftiger Geschlechter, das sei heute unser innigster Wunsch.

Herr Geh. Oberschulrat Block-Darmstadt:

Die mannigfaltigsten Beziehungen verbinden mich mit der Stadt Alsseld und mit der Schule. Alsseld ist meine Vaterstadt und die Schule, die heute ihren 50. Geburtstag feiert und mich 10 Jahre treu gehütet hat, ist mir ans Herz gewachsen, ist sie mir doch seit vier Jahren auch amtlich anvertraut. Jch habe Jhnen herzliche Grüße und die besten Glückwünsche für die weitere Entwickelung der Schule zu über- bringen von dem 87jährigen ersten Direktor der hiesigen Realschule, Herrn Geh. Oberschulral Greim in Darmstadt. Gar manche, die hier gewirkt haben, sind eingegangen zur ewigen Ruhe, er aber lebt heute noch und nimmt regen Anteil an unserer Feiei«. Leider war es mir nicht möglich, ihn zu überreden mit hierher zu kommen. Mit Stolz dürfen die Alsselder auf die Entwickelung ihrer Schule zurückblicken, wie- viel Segen ist bereits durch sie ausgeströmt und wieviel wird noch ausströmen. Die liebe, alte Stadt Alsseld und der stets gleichbleibende Bürgersinn der Alsselder, sie leben hochl-«

Herr Kommerzienrat Grünewald-Alsfeld teilte mit,-daß der Festausschuß beschlossen habe, ein Begrüßungstelegramm an den ersten Direktor, Herrn Geh. Oberschulrat Greim in Darmstadt, abzusenden. Dieser Beschluß findet lebhafte Zustimmung

Herr Bürgermeister Dr. Völsing-Alsfeld heißt alle Festteilnehmer herzlich willkommen, dankt Herrn Geh. Oberschulrat Block für seine lieben Worte und bringt ein Hoch aus auf die liebe, alte Freundschaft.«

Herr Stadtgeometer H. Schmirmund-Mainz, der älteste der anwesenden früheren Schüler, dankt für die freundliche Begrüßung der auswärtigen Festteilnehmer. Schon lange hat er, wie auch seine Altersgenossen sich auf dieses Fest gefreut. Er dankt dem geschäfts- führenden Ausschuß für die geleistete große Arbeit und bringt auf diesen ein Hoch aus.

Herr Kommerzienrat Grünewald-Alsfeld gedenkt des durch einen Trauerfall ver- hinderten ersten Vorsitzenden des Festausschusses, Herrn Heinrich Koch XIV. Er dankt den aus- wärtigen Schülern für die rege Beteiligung an der Jubelfeier und betont, daß nur hierdurch das Fest so schön gelungen sei.

Herr Steuerinspektor Karl Pitz-Marienberg brachte ein Hoch aus auf seine Vater- stadt, die alte Hessenstadt Alsseld.