Aufsatz 
Die Feier des 50jährigen Bestehens unserer Anstalt
Entstehung
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Anstalt eben zu leiten in einem Zeitpunkte, der so hoch ehrend für die Schule ist. Jch entledige mich des Dankes gegen alle, die die herzlichen Wünsche der Anstalt überbracht haben. Die Oberrealschule soll auch fernerhin mitarbeiten an der Hebung, an dem Gedeihen und der Entwickelung der anderen hiesigen Lehr- Anstalten. Ich danke dein Vertreter der Stadt Alsfeld für seine Glückwünsche und der Stadt für die großeii Opfer, die sie gebracht hat, und hoffe, daß die Stadt zufrieden sein wird mit den Früchten, die gezeitigt werden. Jch danke den« Vertreternder«verschiedenen Schulen, die heute ihre Glückwünsche uns überbracht haben. Jch möchte bitten, daß diejenigen Herren, die früher hier tätig gewesen sind, auch ferner- hin uns ihr Wohlwollen bewahren; Sie haben hier die Ernte der Saat, die Sie gelegt haben. Jch will hoffen, daß auch uns, dereinst das gleiche vergönnt sein möge bei den Schülern, die wir jetzt unterrichten und die wir auch erziehen. Und die übrigen Anstalten, die so liebenswürdig waren, uns in dieser oder jener Form zu beglückwü·nschen, mögen meinen herzlichsten Dank entgegen nehmen. Wir wollen Hand in Hand gehen mit den übrigen höheren Schulen und streben nach dem höchsten Ziele: das Gut, das uns die Eltern anvertrauen, würdig weiter zu führen und die Gemüter unserer Jugend in die richtige Form zu bringen. Wir wollen weiter arbeiten zum Wohle unseres weiteren und engeren Vaterlandes. er haben verschiedene Schulen, die hier bestehen, jede hat ihre besondere Richtung, jede ihr besonderes Ziel- Wir müssen friedlich nebeneinander und miteinander arbeiten und ich kann hier an dieser Stelle bekunden, daß gar« manchmal der Leiter der einen Anstalt mit dem Leiter der anderen Anstalt zusammenkommt, um über irgend eine Angelegenheit Rat zu pflegen oder sich einen guten Wink geben zu lassen, weil wir wirken wollen zum Wohle der Jugend unserer Stadt. Und nun haben die früheren Schüler ihre Glückwünsche überbracht. Jnnigen Dank dafür und für das schöne Bild, das uns hier übergeben worden ist. Jch nehme dieses Bild dankend an und werde dafür sorgen, daß ihm ein Ehrenplatz in dem Gebäude der Oben-cal- schulc überwiesen wird. Und nun noch innigen Dank für die Stiftung. Erleichtert stehe ich gerade infolge dieser Tatsache vor ihnen. Gar schwer und schmerzlich ist es uns manchmal gewesen, wenn wir bei den Schulausflügen hinauszogen, um die Schüler andere Verhältnisse kennen zu lehren, daß dann der eine oder andere von ihnen zurückstehen mußte, weil der Vater ihm die Mittel nicht zur Verfügung stellen konnte. Dieses schmerzlichen Gefühls sind wir demnächst überhoben. Zwar hat private Hilfe manchmal eiiigegriffen, jetzt bin ich aber in der glücklichen Lage, den Schülern sagen zu können: ihr habt ein Recht

· darauf, es ist nicht ein Almosen, das euch gegeben wird. Jnnigen Dank den hochherzigen Stiftern, die der Anstalt einen großen Dienst erwiesen haben. Jch muß aber auch danken für die vielen sonstigen Stiftungen, die uns geworden sind. Jch danke auch für die vielen Telegramme und sonstigen Glückwünsche, unter denen ich als ersten das Schreiben des ersten Direktors unserer Anstalt, Herrn Geh. Oberschulrat i. Greim in Darmstadt, erwähnen möchte. Herzlicheir Dank» allen, die mitgeholfen haben zur Vor- bereitung und zum Gelingen der heutigen Feier. Möge diese Feierstunde nicht allein sein ein großer Mark- stein in der Geschichte unserer Anstalt, möge sie ein Glücksstern sein für das fernere Bestehen der Alsfelder Oberrealschule, deren Pflege und Gedeihen wir, die wir jetzt dort stehen, um an ihr zu wirken,»als unser höchstes Strebeii und unser höchstes Ziel betrachten.

Nach Schluß dieser Ansprache wurde vom Schülerchor das Lied»Aus der Jugendzeit- von Rückert vorgetragen. Dieser Vortrag machte einen tief ergreifenden Eindruck aus alle Festteilnehmer.

Der zweite Teil des Festaktes wurde durch einen von Herrn Reallehrer Dotter kom- poiiierten und der Oberrealschule zu ihrem Jubiläum gewidmeten herrlichen Festmarsch eingeleitet.

Hierauf folgte die wohlgelungene Ausführung von»Wallensteins Lager« durch Schüler der Oberrealschule. Die Mitwirkenden entledigten sich wie auch bei der Ausführung am Freitag aufs vorzüglichste ihrer Aufgabe.

Nach dem Festakt begaben sich die meisten Teilnehmer zum Festessen ins ,,Deutsche Haus«-. 214 Personen nahmen hieran teil.-

Her Geh. Oberschulrat Dr. Scheuermann brachte das Hoch auf den Landesfürsten und sein Haus aus.«

Herr Gustav Rainspeck Il.-Alsfeld:

Jn weiheooller Stunde ertönten heute die Klänge eines Liedes, das uns zurückversetzte in längst vergangene Zeiten in Zeiten, in denen wir noch in sorgloser Heiterkeit uns in den Straßen Alsfelds, in Feld und Wald herumtummelten, in denen wir den Münchenberg, die Erlen und andere schöne Plätzchen unsicher machten, in denen wir sogarals würdige Ober- und Unter-Sekundaner, oder wie sie damals hießen: Erst- und Zweitklässer, schon errötend ihren Spuren folgten, wenn die höhere Töchterschülerin oder eine andere Schöne züchtig ihre Blicke vor unserem Gruße senkte, in eine Zeit, die allerdings auch eine Kehrseite der Medaille hatte das spanische Rohr und die Hypothenuse in der uns ein Mensch überall im Wege war der Lehrer- in der uns überhaupt die Schule als eine höchst überslüssige Einrichtung und als eine Belästigung der Menschheit erschien-

Sie sind dahin, die schönen Jugendzeiten, und wir denken heute ganz anders über das segen- fpendende Wirken der Schule, wir erkennen den Wert, den eine höhere Schulbildung im Kampf ums Dasein hat,und sind dankbar unsern Eltern und Lehrern, daß sie uns eine solche angedeihen ließen.Heute sind