Aufsatz 
Die Feier des 50jährigen Bestehens unserer Anstalt
Entstehung
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15.

schon zu meiner Zeit für den Unterrichtsbetrieb unzureichenden Unterrichtsräume im Schnepfenhain hat seit kurzem ein stattlicher Neubau im südlichen Stadtteil mit hellen, lustigen. Schulraumen, mtt gxlt GEIS- gestatteten Sammlungen die Schule ausgenommen. Also Fortschritt ·nach» jeglicher Richtung, gleichzeitig aber auch ein Beweis dafür, daß die Stadt Alsfeld und vor allem die Männer, m deren Hande die Ge- schicke der Stadt liegen, es verstanden haben, unter gewiß großen finanziellen»OpferU- dlese Stadt zUUk geistigen Mittelpunkt des nördlichen Oberhessens zu machen, in dem so viele Jünglinge Alsfelds Und dtsl Umgegend ihre Grundlagen für ihre spätere Ausbildung gelegt haben. Doch nicht nur außerlich hat sie sich so vorzüglich entwickelt. Es sind uns auch in diesen Festtagen glänzende Proben ihrer Leistungen auf geistigem Gebiet gegeben worden. Jch brauche Sie, verehrte Herren, unter anderem nur auf die Darf bietungen bei dem gestrigen Festakt hinzuweisen, auf die geradezu mustergültige Vorführung von Wallensteins Lager. War es nicht für jeden der Teilnehmer eine helle Freude, zu sehen, wie die einzelnen jugendlichen Darsteller bestrebt waren, so recht in den Geist des Stückes einzudringen, wie sie alle von dem einen Ge- danken durchdrungen waren, jeder an seinem Teil mitzuwirken, daß die Darstellung eine geschlossene, eine einheitliche würde. Es war diese Ausführung aber auch ein ehrendes Zeugnis für alle diejenigen Herren der Anstalt, die sich um diese Leistung verdient gemacht haben. Es darf deshalb auch bei diesem kurzeii Rückblick von mir, Ihnen allen, Lehrern und Schülern, Dank und Anerkennung gesagt werden für diese genußreiche Darbietung-..

Meine Herren! Jni Laufe des Jahrhunderts hat das geistige Wissen an Umfang und Bedeutung zugenommen, es ist ausschlaggebend geworden für das Fortkommen des einzelnen. Unsere Zeit weiß aber auch, daß die Schulen nicht nur den Geist zu pflegen haben, sondern, daß den geistigen Anstrengungen ein Gegengewicht gegeben werden muß in körperlicher Betätigung im Turnen und im Spiel. Schon längst hat auch bei uns der Satz der Alten:»Men- sang in corpoke ssnos(,,Nur in einem gesunden Körper kann ein gesunder Geist wohiien«), weitgehendste Beachtung gefunden. Man ist sich darüber klar geworden, daß Geist und Körper ein Ganzes bilden, daß das, was einem gut ist, auch dem anderen frommt. Und des- halb hat man gerade in unserer Zeit den Turnunterricht außerordentlich gefördert, man hat Wanderfahrten in den Schulen eingeführt, Spielplätze für die Jugend geschaffen. So wird denn auch nachher, wie das Festprograinm sagt, die Jugend ihr Können und ihre Gewandtheit auf dem Turn- und Spielplatz zeigen. Jn edlem Wettkampf werden die Zöglinge der Oberrealschule um den Lorbeer ringen. Sie werden uns zeigen, daß man auch an der hiesigen Oberrealschule, die unter Leitung eines warmen Freundes der Turn- sache steht, nicht stillgestanden, sondern vorwärts geschritteii ist im Interesse der Gesundung unserer Jugend.

Wenn ich nun nochmals zum Schlusse zurückblicke in die Zeit meiner Jugendtage, die ich vor mehr als 25 Jahren in dieser altehrwürdigen Stadt verbracht habe, und die Entwickelung iiberschaue, die die Anstalt in dieser Zeit aus den verschiedensten Gebieten und nach den verschiedensten Richtungen genommen hat, so erfüllt mich und wohl alle früheren Schüler ein Gefühl des Stolzes· Es drängt sich uns allen aber auch der lebhafte Wunsch auf, daß die Schule, die den Grund legte für unsere spätere Ausbildung, auch fürderhin sich einer glücklicheii Zukunft und Entwickelung erfreuen möge!

Gleichzeitig wollen wir aber dankbar sein der Stadt, die sich ein so schönes Bildungsinstitut ge- schaffen hat, die im wohlverstandenen eigenen Jnteresse kein Opfer gescheut hat, um das zu schaffen, was heute ist. Und aus diesem Gefühl heraus glaube ich, ist es am Platze, ihr aus dieser stattlicheii Festteil- nehmerzahl heraus Dank und Gruß darzubringen. Stimmen Sie mit mir ein in·den Ruf: die Stadt Alsfeld, die Stätte unserer schönen Jugendzeit, und ihre opferwillige Bürgerschaft, sie leben hoch!

Unter den Klängen des von Herrn Reallehrer Dotter komponierten Festmarsches traten hierauf über 200 Schüler der Oberrealschule zu den Freiübungen an· Sicher und genau ivurden diese unter der Leitung des Herrn Oberlehrer Mulch ausgeführt An- und Abmarsch war vorzüglich«und lebhafter Beifall begleitete die Schüler, als sie wieder den Festplatz verließen.

Hierauf-faiid das Preisturnen statt, wobei den Schülern Gelegenheit geboten war, ihr Können im·Springen, Klettern und so weiter zu zeigenz» Die Festleitung hatte dafür gesorgt, daß einem jeden der Turner ein Andenken an die Jubelseier als Preis überreicht werden konnte. Bei eintretender Dunkelheit wurde das in der Nähe des Festplatzes liegende Oberrealschulgebäude von 1000 bunten Lämpcheii beleuchtet, ein feenhafter Anblick für alle Festteilnehmer.

Fröhliches Treiben herrschte bis spät nachts auf dem Festplatz.

Der Festmontag schien verregnen zu wollen, doch hatte der Himmel noch zur rechten Zeit ein Einsehen und brachte«wied·er gutes Festivetter. Gegen 3 Uhr mittags bewegte sich wieder ein Festzug, an der Spitze die Musikkapelle, durch die Straßen der Stadt nach dem Fest- platz, wo bald wieder ein munteres Treiben begann, das, vom schönsten Wetter begünstigt, bis zum Schluß des Festes dauerte. ·.

. Viele Festteilnehmer waren am Montag wieder nach Hause zurückgekehrt, andere blieben noch einen oder mehrere Tage hier, uin noch einmal gewisse Plätzcheii aufzusuchen, welche ihnen aus der Schulzeit besonders in Erinnerung waren. Mögen die an dem herrlich verlaufenen Feste wieder aufgefrischten freundschaftlichen Beziehungen zwischeii den Schulkameraden dazu beitragen, daß alle Festteilnehmer der hiesigen Realschule ein dauerndes Andenken bewahren und auch die Stadt m freundlicher Erinnerung behalten, in welcher sie ihre Schulzeit verlebt haben, die alte Hessenstadt Aisfeld.-