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schule zurück. Unerinüdlich hat die Stadt Alsfeld und ihre Verwaltung auf die Erreichung dieses Zieles hingearbeitet, und keine Opfer wurden gescheut, um die aus kleinen Anfängeii entstandene Realschule weiter auszubauen und zu vervollkommnen. · Durchdrungen von der richtigen Erkenntnis, daß die gewaltigen Fortschritte der Neuzeit auf allen Gebieten des wirtschaftlichen und gewerblichen Lebens auch eine erhöhte Bildung verlangen, und daß dic«Stadt Alsfeld, wenn sie ihren alten Ruf als regfame Geschäftsstadt be- halten wolle, auch mit den erhöhten Anforderungendes neuzeitlichen Vildungswesens gleichen Schritt halten müsse, entschloß sich der Stadtvorstand dazu, die Anstalt zur Oberrealschule auszubauen und damit den letzten Eckstein in ihrer Entwickelung zur Vollanstalt einzufügen. So steht denn heute unsere Alsfelder Oberrealschule vor uns als eine Vollanstalt, untergebracht in einem würdigen Heime, geleitet und organisiert nach den modernen Grundsätzen des Lehrplans und der Pädagogik, als eine Anstalt, die auf dem besten Wege ist, sich zur Musteranstalt zu entwickeln. Wenn sie auch unserer Stadt nicht unbeträchtliche Opfer auferlegt, so sind wir· doch stolz daraus, eine Anstalt in unseren Mauern zu besitzen, die Zeugnis ablegt von der Opferwilligkeit und dem Gemeinsinn der Bürgerschaft. So beglückwünschc ich denn namens der Stadt Alsfeld die Oberrealschule zu ihrem heutigen Ehrentage und gebe dabei zugleich dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck, daß die Anstalt auch fürderhin wachsen, blühen und gedeihen möge und daß auch ihre fernere Wirksamkeit zum Segen gereichen möge der Allgemeinheit und der Stadt Alsfeld.
Herr Geh. Schulrat Dr. Jacobi-Darmstadt:
»Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen!« Diesem Dichterworte folgten auch die Einwohner Alsfelds und schafften für die damals bestehende Lateinschule die Realschule. Die Stadt Alsfeld bedurfte einer Anstalt, die den damals sich verändernden wirtschaftlichen Verhältnissen ent- sprach. Naturwissenschaft und Mathematik wurde in der neugegründeten Schule ein großes Gewicht bei- gelegt. Die hiesige Realschule ist eine würdige Nachfolgerin der Lateinschule und kann sich würdig den Schwesteranstalten zur Seite stellen. Sie hat sich kühn zu der Höhe der Vollanstalt hinaufgeschwungen und sich einen Platz im Bereiche des höheren Bildungswesens erworben. Die Jubilarin darf heute mit Stolz und mit Befriedigung auf Ihr Geschick zurückblicken, an dem auch diejenigen lebhaften Anteil nehmen, denen es vergönnt gewesen ist, hier in dieser Anstalt als Direktor und als Lehrer zu wirken. Jm Namen der anwesenden Kollegen und in ihrem Austrage und im Namen der Anstalt, die ich jetzt leite, spreche ich der Jubilarin zu ihrem Festtage die herzlichsten und wärmsten Glückwünsche aus. Wir alle wünschen ihr auch für die Zukunft ein kräftiges Wachsen, Blühen und Gedeihenl Wir wünschen ihr auch eine Stadt- vertretung, die wie die jetzige einen so opferwilligen Bürgersinn betätigt.
Herr Realgymnasiums-Direktor Dr: Keinmer-Mainz:
Jm Namen und Auftrag des Lehrer-Kollegiums des Realgymnasiums zu Mainz beehre ich mich zum heutigen Jubelfeste die herzlichsten Glückwünsche darzubringen und als früherer Schüler dieser An- stalt darf ich wohl auch meine persönlichen Glückwünsche hier aussprechen. Wenn auch die räumliche Entfernung zwischen Mainz und Alsfeld ziemlich groß ist, wenn auch Land und Leute in Mainz verhält- nismäßig andere sind wie hier, wenn auch die beiden Anstalten nicht auf der gleichen Grundlage aufgebaut sind» so haben sie doch vieles gemeinsam. Sie gehören demselben Lande an und wir haben das große Ziel gemeinsam, die Jugend zu erziehen und zu bilden und sie körperlich und geistig tüchtig zu machen, für den Kampf, den das Leben von uns fordert und der keinem erspart bleibt, der nicht ein abhängiger Mensch bleiben will. Es ist recht schön und gut zu erstreben, daß die allgemeine soziale Fürsorge immer weitere Kreise ergreift, aber für unsere Schüler,da heißt es, sich selbst helfen, uud wer sich selbst hilft, dem hilft Gottl Wir brauchen Männer von Geist und Verstand, mit Kenntnissen und Fertigkeiten, um den großen Konkurrenzkampf, der sich entfaltet, bestehen zu können. In diesem Sinne hat die Alsfelder Real- schule fegensreich gewirkt, das beweist die große Zahl der Schüler, die sich geachtete Lebensstellungen er- worben haben. Daß die Stadt Alsfeld sich zu so großen Opfern emporgeschwungen hat, das ist ein Be- weis, wie ihre Bewohner den Wert einer höheren Schule zu schätzen wissen, und durch den Bau der Oberrealschule hat sich die jetzige Generation ein ebenso würdiges Denkmal gesetzt, wie vor 50 Jahren die damalige durch die Gründung der Anstalt. Unsere Hoffnung und unser Glückwunsch geht dahin, daß Sie auch ferner gleich erfolgreich wirken und schaffen zum Ruhine der Stadt Alsfeld, zum Ruhme von Hessen und zum Ruhme unseres Vaterlandes.«
Zur bleibenden Erinnerung beehre ich mich, eine Gedenktafel, auf Pergament gedruckt, vom Real- gymnasium in Mainz zu überreichen.
Herr Professor Lucius-Gießen:
Jch begrüße die Versammlung als Beauftragter des Realgymnasiuins und der Oberrealschule zu Gießen und überreiche zu dem Jubiläum diese Urkunde. Jch habe die ersten Jahre meiner Tätigkeit als Lehrer an der hiesigen Schule zugebracht. Die Wahrheit eines alten bekannten Wortes habe ich hier auch zuerst gefunden:»Durch Lehren lernen wir-C Ich habe versucht, der Jugend etwas zu geben, dadurch durfte ich geistigen Gewinn von den Schülern mit nach Hause nehmen, was ich zum Besten der Schule habe verwerten können. Jch wünsche deshalb der mir werten Anstalt an dem heutigen Tage, daß in ihr solche geistigen Wechselbeziehungen jederzeit in reichem Maße anzutreffen seien. Der Schule frische Jugend, ihren Lehrern jugendliche Frischel


