Aufsatz 
Die Feier des 50jährigen Bestehens unserer Anstalt
Entstehung
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Die aus kleinen Anfängen entstandene Schule hat sich in diesen 50 Jahren zu einer blühenden Vollanstalt entwickelt. Diese glänzende äußere Entwickelung gibt uns aber nur dann ein Recht, auf die Vergangenheit mit Befriedigung zu blicken, wenn sie aus dem inneren Wert der Anstalt hervorgeht. Nun, ich meine, scgensreich ist ihre Tätigkeit gewesen, das zeigt uns die große Zahl der Festteilnehmer, die Zahl der früheren Schüler, die, getrieben von dem Gefühl der Dankbarkeit, sich heute zu diesem Jubel- sest eingefunden haben. Sie, die jetzt da draußen im Leben stehen, sind sich bewußt, daß sie unserer Anstalt verdanken die Fülle der geistigen Ausbildung, durch die ihnen die Wege geebnet worden sind, auf denen sie zu den verschiedenen Berufen schreiten konnten, die Grundlage ihres Wissens und Könnens, auf die sich ihre jetzige Tätigkeit gründet, die gute Erziehung, durch die ihr moralisches Leben beeinflußt wird- die Liebe zu Unserem Volke und Vaterland, dem sie stets die Treue bewahren werden. An diesen Früchteii vermögen wir den inneren Wert unserer Anstalt zu erkennen, wir sehen, daß neben der Pflege des Realen auch das Ideale nicht vernachlässigt worden ist. So ists gehalten worden in diesen 50 Jahren, so wollen auch wir es halten in der ferneren Zeit und hoffen das gleiche von denen, die einst nach uns kommen werden. Eins aber bleibt als ruhender Punkt in der Erscheinungen Flucht: Nicht aus eigener Kraft können wir das vollbringen, durch Gottes Gnade sind wir, was wir sind. Seinen Segen erflehen wir für unsere Anstalt in dieser hohen, heilgen Feierstunde.

Jm Anschluß an diese Festrede wurde von dem Schülerchor das Festlied: ,,Hohe, heilge Feierstunde-« vorgetragen.

Herr Kreisrat Dr. Heinrichs-Alsfeld:

Zu der Jubelfeier der Oberrealschule Alsfeld hat die Direktion in Verbindung mit dem Festausschuß Einladung auch an das Kreisamt Alsfeld und die Kreisschulkommission Alsfeld ergehen lassen und der Herr Direktor der Anstalt hat in seiner Begrüßungsrede auch der beiden Behörden mit freundlichen Wortcii gedacht. Für die ihnen damit erwiesene Ehre darf ich im Namen von Kreisamt und Kreisschulkommission meinen verbindlichsten Dank aussprechen, indem ich gleichzeitig der Schule zu ihrem Jubelfeste die herz- lichsten Glückwünsche darbringe.

Die Fülle von Wissen, von Bildung, von geistiger Anregung, die Summe von Kultur, die sich von dieser Stätte aus in das Land ergießt, kommt zum größten Teil naturgemäß den Angehörigen des Kreises Alsfeld zugute. Nicht aber fördert sie etwa nur den einzelnen Schüler, sie erstreckt sich in ihren mittelbaren Wirkungen weit hinaus über den Kreis der Anstaltsbefucher; sie ergreift mit diesen Folgen die Allgemeinheit, die sie auf ein höheres Niveau heben hilft; sie leiht der Allgemeinheit in dem von dem Einzelnen Gelernten eine Waffe in dem Kampfe gegen die Schwierigkeiten und Nöte des wirtschaftlichen Lebens. Neben diesem materiellen Moment ist aber ein höchst bedeutsamer ideeller Gewinn in Rechnutig zu stellen, neben dem Lehr-, dein Lernmoment das erzieherische Momeiit. Die Erziehung zu Zucht, Ord- nung und Sitte, die Stählung des Körpers durch Leibesübungen, der warme, lebendige Hauch, der von der Anstalt ausgeht und in dem Schüler die Vaterlandsliebe weckt und die geweckte wachhält. So darf die Verwaltungsbehörde in gewissem Sinne in der Schule eine Mithelferin auf dem ihr zugewiesenen Arbeitsfelde sehen und sie darf sich mit der Oberrealschule des heutigen Tages in ganz besonderem Maße freuen.

Die Oberrealschule Alsfeld stellt einen glänzenden Beweis für die Opferwilligkeit und den Gemein- sinn der Alsfelder Bürgerschaft dar. Und es wird der Anerkennung dieser Opfer und dieses Gemeinsinns keinen Abtrag tun, wenn der Vertreter des Kreisamts mit einer gewissen Genugtumig heute daran erinnert, daß es ein Alsfelder Kreisrat war, der die erste ernstliche Anregung zur Errichtung einer Realschule in Alsfeld gab, und daß eine zwanzigjährige unausgesetzte Bemühung dreier aufeinanderfolgender Kreisräte, gegenüber Störungen und Hemmungen allerlei sachlicher Und persönlicher Art, von ganz wesentlicher Be- deutung dafür waren, daß die Errichtung einer Alsfelder Realschule zur Tatsache wurde. Als befreundete Organisation mit parallel laufenden Bestrebungen steht der Oberrealschule die Kreisschulkommission gegen- über. Beide verbinden aber auch persönliche Bande, insofern als und diese Verbindung darf aufs leb- hafteste begrüßt werden- der jeweilige Dirigent der Anstalt fast durchweg gleichzeitig der Kreisschul- Kommission angehörte, von dem Jahre 1862 ab, da der hochverehrte erste Lehrer und Dirigent an der Schule, der von uns heute hier so sehr vermißte Geheime Oberschulrat Greim in das Gremium der Kreis- Schulkommission berufen wurde, bis auf den heutigen Tag, da die Kreisschulkommifsion in der Persoii des derzeitigen Direktors sich eines äußerst rührigen und hochgeschätzten Mitgliedes zu erfreuen hats

Daß bei dieser Sachlage die Beziehungen zwischen der Schule auf der einen und Kreisamt und Kreis- schulkommission auf der anderen Seite von jeher die denkbar besten sein mußten, die denkbar besten waren, leuchtet ohne weiteres ein. Möge es so bleibenl Möge es uns auch für die Zukunft vergönnt sein, in der gleichen Richtung der Förderung des Gemeinwohls, uns zu betätigen, und möge das ist an diesem besonderen Tage mein besonderer Wunsch- die Entwicklung der Oberrealschule Alsfeld sich stets in auf- steigender Linie bewegen, möge die Oberrealschule Alsfeld für alle Zeiten wachsen, blühen und gedeihenl

Herr Bürgermeister Dr. Völsing-Alsfeld:

Es ist wohl keine Überhebung, wenn ich an dem heutigen Tage sage, daß die Stadt Alsfeld und ihre Verwaltung von jeher ein lebhaftes Interesse für das Unterrichts- und Bildungswesen bekundet haben. Die Bestrebungen der Alsfelder Bürgerschaft, ihren Söhnen eine über die Ziele der Volksschule hinaus- gehende Bildung zu verschaffen, reichen schon lange bis vor die Zeit der eigentlichen Gründung.der Real-