Aufsatz 
Die Feier des 50jährigen Bestehens unserer Anstalt
Entstehung
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jährig-freiwilligen Militärdienst erteilen zu können. Dieser Plaii für· die Erweiterung unserer Anstalt auf sechs Klasseii wurde ausgearbeitet, genehmigt und trat im Oktober 1868 ins Leben. Jnfolge dieser Er- weiterung wurde die Anstalt am 10. März 1869 als Realschule unter diejenigen höheren Anstalten auf- genommen, welche zur Ausstellung von Befähigungszeugnissen für den einjährig-freiw1lligen Militärdienst berechtigt sind. Diese Tatsache war von außerordentlicher Tragweite: Die Schülerzahl stieg im Jahre 1869x70 auf 223, wodurch die Errichtung einer neuen Klasse und die Anstellung eines weiteren Lehrers zur dringenden Notwendigkeit wurde. Aber im nächsten Jahr stieg die Schülerzahl abermals und zwar auf 262. Darum mußte auch die erste Klasse, die einen zweijährigen Kursus hatte, in zwei selbständige Klassen geschieden werden. Jnfolge dieser abermaligen Erweiterung im Oktober 1879 bestand die Real- schule aus sieben Klassen mit einjähriger Lehrdauer für Schüler vom 9. bis 16. Lebensjahr und einer Vorschule mit dreijähriger Lehrdauer für Schüler von sechs bis 9 Jahren. Das Schulkollegium zählte neun Mitglieder-

Jn 1870s71 erlitt das Schuljahr, das bisher von Pfingsten lief, eine Verschiebung Der Umstand nämlich, daß in der Regel ein Teil unserer Schüler nach Durchlaufen der ersten Klasse in das Polytechnikum in Darmstadt, wo der Unterricht zu Anfang des Monats Oktober begann, eintraten, gab Veranlassung, das laufende Schuljahr von Pfingsten 1871 bis Ende August desselben Jahres zu verlängern und dadurch einen Anschluß unserer Realschule an jene technische Hochschule herbeizuführen Das Schuljahr erstreckte sich von da an von Herbst zu Herbst. Zu Anfang des Jahres 1879 berief die oberste Schulbehörde die Direktoren sämtlicher Realschuleti des Landes zu einer Konferenz nach Darmstadt behufs Beratung und Aufstellung eines einheitlichen Lehrplans für die Realschulen· Dieser wurde von Herbst 1879 an dem Unterricht zu Grunde gelegt, was verschiedene Änderungen mit sich brachte. Vor allem durften die Real- klassen nicht mehr vereinigt sein, sondern jede Klasse mußte für sich unterrichtet werden. Dadurch waren mehr Unterrichtsstunden zu erteilen. Auch wurde die Stundcnzahl für Französisch und Englisch in einigen Klassen vermehrt, der Lateinunterricht umorganisiert und das geometrische Zeichnen kam hinzu. Dies ergab eine Vermehrung des Lehrkörpers um einen Lehrer. Mit dem neuen Lehrplan traten neben den bisherigen Realschulen, die den Namen Realschulen 2. Ordnung erhielten, auch solche 1. Ordnung ins Leben und die all- gemeinen Klassen des Polytechnikums in Darmstadt gingen ein. Unsere Schule mußte nun den Anschluß an die uns nächste Realschule 1. Ordnung zu Gießen suchen, was eine abermalige Verschiebung des Schul- jahres zur Folge hatte. Das am 30. September 1878 begonnene Schuljahr wurde bis Ostern 1880 durch- geführt. Seit dieser Zeit läuft das Schuljahr von Ostern zu Ostern. Seit 15· Dezember 1884 führen die Realschulen 1. Ordnung den Namen Realgymnasium und unsere Anstalt die einfache Bezeichnung Real- schule. Die zuletzt erwähnte Organisation: sechs Klassen und eine Vorschule aus zwei Klassen mit je zwei Abteilungen, blieb bis Ostern 1898. Der neue jetzt noch gültige Lehrplan der Realschule des Großherzog- tums Hessen vom 6. Dezember 1899 hat bestimmt, daß statt der seitherigen sechs, künftig sieben von einander geschiedene Klassen mit einjährigem Kurs einzurichten sind und die Schüler nach dem neunten Lebensjahr in die unterste Klasse eintreten können. Diese Organisation wurde schon von Ostern 1898 ab in unserer Anstalt vorbereitet. Mit dem Jnkrafttreten dieses Planes führen die einzelnen Klassen der Realschulen die Bezeichnung Sexta bis Obersekunda. Jnfolge der von 1902 an regelmäßig steigenden Schülerzahl hatten sich mehrere Verbindungen von Unterrichtsstunden außerordentlich nachteilig erwiesen; die unbe- dingt notwendige Trennung wurde zu Beginn des Schuljahres 1906 durchgeführt und erforderte eine neue Lehrkrast, die Ostern 1906 eintrat.

Schon lange Zeit hat das Bestreben bestanden, die Realschule in eine Vollanstalt umzuwandeln. Die Verhandlungen zwischen dem Gemeinderat und der Regierung führteii zu dem Ergebnis, daß zu Ostern 1907 die Unter-Prima und Ostern 1908 die Ober-Prima ausgesetzt werden konnten, wodurch der Ausbau zur Vollanstalt vollendetwar. Am 11. März 1909 fand die erste Reifeprüfung statt und durch Beschluß des Reichsamts des Jnnern vom 31. März 1909 wurde unsere Anstalt als Oberrealschule anerkannt. Da- durch ist unsere Schule in die Reihe derjenigen Anstalten aufgenommen worden, bei welchen der einjährige erfolgreiche Besuch der Unter-Sekunda zur Darlegung der wissenschaftlichen Befähigung zum einjährig- freiwilligen Militärdienst genügt.- Die von den Abiturienten der Ober-Prima abgelegte Reifeprüfung berechtigt zum Studium aller Fächer bis auf Theologie. Die für manche Fächer noch nötigen Kenntnisse des Lateinischen können ebenfalls auf unserer Schule in dem mit Unter-Sekunda beginnenden wahlfreien Lateinunterricht erworben werden-

Die zwei neuen Klassen erforderten zwei neue Lehrkräfte, die Ostern 1907 und 1908 eintraten. Dabei bestanden noch einige Kombinationen von Unterrichtsstunden, zu deren Lösung für 1909 noch eine neue Lehrerstelle geschaffen wurde. Jetzt wirkenan unserer Anstalt mit dem Direktor 14 Lehrer und drei Hilfslehrer, die in 12 Klassen 290 Schüler unterrichten.

Jm Ganzen wirkten an unserer Anstalt seit ihrem Bestehen sieben Direktoren, 99 Lehrer und Stellvertreter, 15 Hilfslehrer und drei Lehrer an der Vorschule, ehe diese mit der Realschule verbunden war; insgesamt also haben 125 Lehrkräfte ihre Tätigkeit hier entfaltet.

Die Schülerzahl schwankte in den einzelnen Jahren und ist von den bestehenden Verhältnissen abhängig· Zuerst steigend, sinkt sie im Jahre 1866 plötzlich, um nachher wieder aufzusteigen und beim wirtschaftlichen Aufschwung zu Anfang der siebziger Jahre einen Höhepunkt zu erreichen, auf dem sie sich nicht halten konnte. Sie kehrt zu normalem Stand zurück, um den sie sich lange Jahre pendelnd bewegt, bis der beginnende Ausbau zur Oberrealschule sie zur heutigen Höhe anwachsen sieht. Die Gesamtzahl aller Schüler, die während der 50 Jahre bei uns ein- und ausgegangen sind, ist auf 2036 festgestellt worden, von denen 674 sich die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erwarben und 25 die Reifeprüfung für das Studium erlangt haben.