45
jahr beſtimmten Samenlein geſteckt; der Kochtopf aber wurde einem befreundeten Nachbar am Abend gegen die Hausthür geworfen. Durch ſolche Ceremonien ſollte der Flachs ſehr gut geraten*). Walpurgis. Vom Bechtelsberg**) wird nur das Tanzen der Hexen auf Walpurgis erzählt; eine Vertiefung auf der Höhe des Berges heißt die Hexenkaute. Auf Walpurgis, Johanni⸗ und Jacobitag wurde früher, vor etwa 30 Jahren, nicht gefahren; auch wurde keine Butter an dieſen Tagen gegeßen und nicht mit Mehl gekocht. Auf Walpurgis gieng niemand barfuß, kein Vieh wurde zur Weide getrie⸗ ben, und man arbeitete nicht am Flachſe. Am Abend wurden ſämtliche Viehſtälle mit drei Kreuzen verſehen***). Die Jugend ſtellte ſich auf den Kreuzwegen vor und in den Ortſchaften auf und führte mit der Peitſche ein nach Schlägen geordnetes Peitſchenknallen aus, um als Wehrmänner gegen die an dieſem Abend in das Dorf einziehenden(eigentlich wol nach dem nahen Bechtelsberge kommenden) Hexen aufzutreten †). In der Walpurgisnacht wurden bis in neuere Zeit hinein die Schweine †) zwiſchen 2 und 3 Uhr Morgens hinausgetrieben. Der Hirt holte Tags zuvor bei den Beſitzern der Schweine et⸗ was von jeder Art Frucht, um dieſes mit Salz †rr) vermengt in der Nacht im Freien an den Kreuz⸗ wegen nach dem Bechtelsberg zu den Thieren zu freßen zu geben. Dann kamen ſie nach Haus zurück und wurden den Tag nicht weiter ausgetrieben. Es ſollte dieß natürlich auch vor Krankheit ſchützen.
*) Krüge und Töpfe haben Zauberer und Hexen; letztere ſchütten daraus Wetter und Sturm(J. Grimm p. 1041). Ich vermute alten Zuſammenhang mit folgender Sitte, die in Norddeutſchland weit verbreitet iſt. Am Abend vor einer Hochzeit, am ſog. Polterabend, werden Töpfe und allerlei Scherben an die Hausthür des Brautvaters geworfen; je ärger der Lärm, deſto beßer iſt es. Vielleicht darf daraus geſchloßen werden, daß das oben erwähnte Topfwerfen früͤher am Walpurgisabend ſtattfand, dem Vorabend von Wodans Vermählung. Man beachte noch die Ottrauer Sitte: bei Hochzeiten bindet die Braut um den Arm eine Flechte weißen Zwirn, und der Brautführer mußte ſich früher dicht hinter das Brautpaar ſtellen und den Raum zwiſchen ihnen bedecken, daß die Heren nicht eindrangen. In Nord⸗ deutſchland nehmen die Jungfrauen am Tage vor der Hochzeit mit Flachs beſondere Gebräuche vor; ſ. Fr. Friedrich norddeutſche Lebensbilder in Gutzkows Unterhaltungen neue Folge 4. Bd Nr. 14.
**) Der ſchon bei J. Grimm p. 1004 unter den Hexenſtätten genannte Bechtelsberg liegt etwa eine Stunde von Ottrau. Der Name wird von Berchta oder Berchtold herruhren.
***) Drei Kreuze macht man in Ottrau auf den Teig, nachdem geſäuert iſt, und zwar nach der Thür zu. Letzteres wol, damit die Hexen nicht hereinkommen.
†) Bei den Oſirisfeſten wurde mit dem Siſtrum ein Getöſe gemacht, um den böſen Set zu verſcheuchen; im orgiaſtiſchen Zeusdienſte auf Kreta wurde dem Kronos durch Waffentanz, lärmende Muſik und Geſchrei entgegen gewirkt(ſ. Ja⸗ cobi p. 893); wilder Lärm gehörte zu den bakchiſchen Orgien und zu den phrygiſchen Attisfeſten. Abwehr ſollte auch wol das obenerwähnte Topfwerfen ſein.
† †) Über die Schweine noch folgendes aus Ottrau: Wird ein angekauftes Schwein in ſeinen Stall getrieben, ſo wird die Schürze der Hausfrau ſo in die Stallthür gelegt, daß es darüber gehen muß(nach einer zweiten Angabe wird ein Beſen und eine Art oder auch ein Geldbeutel mit einer Axt in das Schürztuch der Frau eingeſchlagen, und darüber muß neu angekauftes Vieh, alſo nicht bloß Schweine, hingehen). Die Ferkel werden am Dienstag und Freitag ab⸗ genommen und, wenn ſie mit auf die Hute ſollen, den Dienstag und Freitag zum erſten Mal mitgetrieben. Fried⸗ rich ſagt in dem oben angeführten Aufſatze:„Wer am Freitage Hochzeit hält und am Freitage die Schweine zuerſt auf die Weide treibt, der hat Glück in der Ebe und beim Vieh.“ Zu p. 23 iſt nachzutragen: der Teufel erſcheint zuweilen als grunzende Sau(Simrock p. 501), und Begegnung von Schweinen iſt nach weitverbreitetem Aberglauben von böſer Vorbedeutung. In Dalarne in Schweden kommt an der Stelle der Hexen ein Schweintrog oder eine Stroh⸗ garbe in die Kirche(J. Grimm p. 1032).
†tt) In Adams röm. Alt. überſ. v. Meyer 4. Aufl. II p. 175 heißt es:„Das Salz wurde bei den Alten in großer Ver⸗


