31
deutſche Hexe zu Hakelberg, ſtimmt zu Hektor auffallend Hekate und Hekabe ³⁴), und Agdiſtis, ein Name der phrygiſchen Kybele, zeigt merkwürdige Übereinſtimmung mit der früheren Form für Hexe, hagedisse. Bei Arnobius iſt Agdiſtis ein Rieſe und großer Jäger. Akelos war ein Sohn des Herakles und einer Selavin der Omphale, der lydiſchen Kybele, Agelaos ein Sohn des Herakles und der Om⸗ phale; ein anderer Agelaos, ein Bruder des Meleager, kommt im Kampfe wegen des Ebers um, er⸗ innert alſo nicht bloß im Namen an Hakelberg. In Attika wurde einem Zeus Hekalos oder Hekaleios geopfert, woran ſich der Mythus knüpfte, Hekale, eine arme alte Frau, habe den Theſeus gaſtlich auf⸗ genommen, als er gegen den marathoniſchen Stier auszog, und Theſeus aus Dankbarkeit jenen Dienſt eingeſetzt; Theſeus aber iſt Orion und der marathoniſche Stier derſelbe wie der aus dem Meer geſtiegene von Herakles bezwungene kretiſche Stier, nämlich das dem Orion vorausgehende Sternbild. Aigleis heißt eine der Töchter des Hyakinthos, die unter dem Könige Ageus zur Zeit einer Peſt geopfert wurden Akko war bei den Griechen ein Popanz, womit man die Kinder ſchreckte. Daß Akakallis, Minos Tochter, hierher gehört, zeigt der Mythus bei Antoninus Liberalis 30: Sie gebar von Apollo den Mi⸗ letos, ſetzte ihn aber aus Furcht vor Minos aus in den Wald, wo den Knaben auf Apollos Geheiß Wölfe bewachten und nährten, bis ihn Hirten fanden und erzogen. Kyros wird ebenſo von einer Hündin geſäugt(Duncker II p. 476), Romulus von einer Wölfin. Der Sinn dieſer Sage iſt: Orions erſtes
Attis mit Jubel gefeiert ſei. Macrobius I, 21 ſagt zwar, nach Trauergebräuchen(ritu 2eεεαι⁴αςσε finita simula- tioneque luctus peracta) ſei ein Freudenfeſt, Hilaria, am 25. März gefeiert(celebratur laetitiae exordium); vom Wiedererſtehen des Attis iſt aber dort keine Rede. Es wird das in a. 52 beſprochene Frühlingsfeſt geweſen ſein; be⸗ ſonders iſt die in n. 51 angeführte Stelle bei Lucian zu beachten. Servius zur An. IX, 116 ſagt, jährlich werde beim Feſte der großen Mutter um Attis geklagt, erwähnt aber auch nichts vom Wiederaufleben. Daß die Phryger verſchiedene große Feſte hatten, geht aus Plutarch de Is. 59 hervor:„Die Phryger meinen, im Winter ſchlafe der Gott(die Sonne), im Sommer wache er, und im Winter feiern ſie ſeinen Schlaf, im Sommer ſein Wachen mit bakchiſchem Schwärmen.“ So dürfen wir auch wol mehr als ein Attisfeſt annehmen. Bei den nordiſchen Völkern zeigen ſich nur noch ſchwache Spuren des alten Sommerfeſtes in der dem Johannistag beigelegten Bedeutung. So, wenn nach lithauiſchem Volksglauben am Vorabend desſelben alle Zauberer zu einem Berge geflogen kommen und dort von einer gewaltigen Zauberin bewirtet werden(J. Grimm p. 1005), oder wenn die wilde Jagd dahin verlegt wird (Simrock p. 240, ſ. auch p. 568).
54) Ich erinnere mich in Norks Götterlehre aller Völker geleſen zu haben, daß er Hekabe für eins hielt mit Hekate. Bei Homer iſt ihr Charakter ganz verwiſcht, wie überhaupt alle alten Götterweſen außer den großen helleniſchen bei ihm in das Niveau des Menſchlichen gezogen ſind; eine Spur davon iſt uns aber bei Euripides bewahrt, der ihre Ver⸗ wandlung in einen Hund erzählt; beachtenswert iſt dazu, daß ſie dem Thrakerkönig die Augen ausreißt(wie Perchtha blind macht J. Grimm p. 254, auch die Hexen Simrock p. 498), daß ſie geſteinigt wird(ſ. a 60) und ſich ins Meer ſtürzt. Hekate wird ſchon von J. Grimm p. 902 mit Holda verglichen:„Holda hat entſchiedene Ähnlichkeit mit der nächtlichen Jagdgöttin Hecate, in deren Nähe Hunde winſeln, wie bei Frau Gauden, die gleich der Hel von Hunden gewittert wird(p. 632 u. 804), der man auf das trivium ärmliche Speiſen hinſtellt wie der Berhta und wilden Frau p.(403).“ Hekate iſt ein ſpukhaftes Weſen ganz wie die gefürchtete Hel; ſie weilt an Gräbern, ſchwärmt des Nachts mit den Seelen der Todten umher; ihre Wirkſamkeit iſt wie die der Hexen. Anſtatt ſie daher herge⸗ brachter Maßen als eine„fernwirkende“ für eine Mondgöttin zu nehmen, werden wir beßer thun die Göttin ſamt ihrem Namen dem nächtlichen Aufzuge geſpenſterhafter Schreckgeſtalten anzureihen, welche der Anblick des großartig und un⸗ heimlich zugleich hinziehenden Orion der Vorzeit ergab. Die bei ihr immer hervortretende Dreizahl und die enge Verbindung mit Hunden finden ſich wie ihre ſonſtigen Eigenſchaften bei den Mondgöttinnen nicht, während ſie ſich


