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wird in der Erntezeit geſchickt nach den gebrachten Erſtlingen. Das phrygiſche Lied, das den Tod des Lityerſes zum Gegenſtande hatte, war ein Schnitterlied. Der im Waßer verunglückte Hylas in Bi⸗ thynien wurde um Sommermitte an den Quellen beweint(Rinck I p. 345). Der mariandyniſche ſchöne Jüngling Bormos, der, als er den Schnittern aus einer Quelle Waßer holen wollte, plötzlich ver⸗ ſchwand oder auf der Jagd umkam, wurde von den Landleuten in der Erntezeit mit Geſängen beklagt, die ſeinen Namen führten. Die dreitägigen Hyakinthien zu Amyklä(Duncker III p. 404, Rinck II p. 190 f.), wobei man den Tod des ſchönen Jünglings durch Apollo betrauerte und ſich dann ſeines Wieder⸗ auflebens freute, waren im Anfang des Monats Hekatombeus, der dem atheniſchen Hekatombäon(Juli) gleichzuſetzen ſein wird ⁴*). Am 12. Hekatombäon feierten die Athener das Kronosfeſt, wovon uns jedoch nähere Kunde fehlt 5°). Wir wißen nur, daß die Herrn mit ihren Sclaven eine frohe Mahlzeit hielten, wie auch an den Hyakinthien die Sclaven geſpeiſt wurden ⁵). Dieß führt auf die Sakäen, die in Ba⸗ bylon, Perſien, Aſſyrien und anderen weſtaſiatiſchen Ländern gefeiert wurden, und wobei die Sclaven als Herrn in üppiger Luſt lebten. Nach Beroſus waren die babyloniſchen Sakäen fünf Tage lang vom 16. des Monats Loos an, der dem 9. Juli des julianiſchen Kalenders entſprach, dem Tage, wo nach
liche Feſt der Wiederbelebung geweſen ſein, was wieder ganz zum Orion paſſt. Movers Bedenken p. 214 werden dadurch beſeitigt. AÄhnliches wird hinſichtlich der Oſirisfeier feſtzuſtellen ſein. Die Angaben des philoſophirenden Plutarch bedürfen einer ſehr vorſichtigen Prüfung.
49) Die nach dem betrauerten Heros benannte Blume iſt die Schwertlilie(ſ. meine Anm. zu Ovids Metam. X, 216). Die Blätter ſehen aus wie ein Schwert, und das paſſt ganz zum Orion. Die Blumen treten in den Mythen vom frübgeſtorbenen Gott ſehr bedeutungsvoll hervor. Aus dem Blute des Odin wie aus dem des Adonis und des Hyakinthos entſtehen Blumen, aus dem Blute des entmannten Agdiſtis wächſt ein Granatbaum, aus dem des Attis Veilchen, womit auch die Pinie an ſeinen Feſten bekränzt wurde(Schwenck Mythol. der Semiten p. 255). Die Zeit, wo Orion verſchwindet, iſt die Jahrszeit des Blühens und Reifens. Das Eberopfer auf Cypern am 2. April, alſo zu der Zeit, wo die Sonne mächtig wird und Orion zurücktritt, wird darauf Bezug gehabt haben als Er⸗ flehung gedeihlichen Wachstums.
50) Der Monat Hekatombäon hieß nach dem Etymol. magnum früher Kronion von den dem Kronos gebrachten Opfern. Kronos, Saturnus, Moloch, der tyriſche Herakles, der Schweingott Mars ſind eins als Mächte der heißeſten Zeit. Die Harpe des ſemitiſchen Gottes, Saturns Hippe, iſt Orions Schwert.
51) Dasſelbe Feſt, merkwürdiger Weiſe im Winter, waren die römiſchen Saturnalien. Zeiß röm. Alterthumskunde p. 85 f. ſagt davon:„Es dauerte anfangs nur einen Tag(19. Dec.) Alle ernſten Geſchäfte mußten dabei ruhen; Nichts durfte vorgenommen werden, was irgend die allgemeine Heiterkeit ſtören konnte; überall ertönte der Ruf: io Saturnalia, io, bona Saturnalia! Die Sklaven ſpielten an dieſem Tage die Herren und wurden von der Herr⸗ ſchaft bedient. Man beſchenkte ſich gegenſeitig, namentlich die Clienten ihre Patrone, und zwar nach einer alten Sitte mit Wachskerzen; die Kinder wurden beſonders mit Bildern von Thieren oder Menſchen aus Thon oder Back⸗ werk(sigilla) beſchenkt, welche nebſt anderen, zu dieſem Zwecke paſſenden Geſchenken in einer beſonderen Straße ver⸗ kauft wurden. Dieſes gegenſeitige Beſchenken dauerte ſieben Tage und bildete gewiſſermaßen ein eigenes Feſt.“ Daß unſer Weihnachtsfeſt vieles mit dem Saturnusfeſt gemein hat, iſt bekannt, irrig iſt aber jedenfalls die gewöhnliche Anſicht, es ſei nur daraus hervorgegangen. Dafür haftet die Wichtigkeit der Julzeit zu ſehr im germaniſchen Be wußtſein; auch treffen die deutſchen Gebräuche nicht bloß mit den römiſchen zuſammen. Kuchen in Schweingeſtalt wurden beim ſchwediſchen Julfeſt gebacken wie bei den Oſirisfeſten, und daß Backwerk ungewöhnlicher Art zu den Hyakinthien gehörte, ſcheint der Sinn des Ausdrucks bei Athenäus 1V, 17 p. 139 D zu ſein: 0 Aοτον els- qTεοοσοσσιν, A πιπνααια. Die Wachskerzen erinnern an die Fackeln der Oſiris⸗ und Attisverehrer. Ob die deutſche Sitte der Weihnachtsbäume in alte Zeit reicht, weiß ich nicht; die dazu verwendete Tanne entſpricht merk⸗


