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deſſen Goldborſten die Nacht gleich dem Tag erhellten, der mit Pferdes Schnelligkeit rannte und des Gottes Wagen zog; der dem Freyr gebrachte Sühneber war ein feierliches Opfer, und bis auf jüngere Zeiten hat Schweden den Gebrauch forterhalten, alle Julabende(d. h. Weihnachten) Brot oder Kuchen in Ebergeſtalt zu backen(J. Grimm p. 45 u. 194). Freyja reitet in finſterer Nacht auf ihrem Eber, deſſen Borſten glühen, und Hyndla(canicula) ihre Schweſter auf einem Wolf zur Walhall(J. Grimm p. 1007). Bei Baader Volksſagen aus Baden p. 16 kommt der Teufel als Jäger auf einem Schwein geritten. Nach geldriſchem Aberglauben hält in der Chriſtnacht Derk met den beer(Eber) ſeinen Um⸗ gang, man ſieht ſich vor, alles Ackergeräthe unter Dach und Fach zu ſchaffen, ſonſt trappelt der Eber darauf herum und macht es unbrauchbar(J. Grimm p. 194). Nach niederländiſcher Sage werden vom wilden Jäger beſonders Eber gejagt, und ein Holzhacker, der an der Jagd Theil nahm, konnte vierzehn Tage lang Eberfleiſch einſalzen(J. Grimm p. 882). Die Einherier, die Helden in Walhall, eßen Fleiſch vom Eber Sährimnir, den ſie täglich jagen; jeden Tag wird er nach der Edda geſotten und iſt am Abend wieder heil(Simrock p. 230 u. 244). Odin reicht ſeinen Wölfen oder Hunden das für ihn be⸗ ſtimmte Fleiſch des Ebers(Simrock p. 213). In der Ukermark ißt man allgemein zu Weihnachten Grün⸗ kohl und Schweinskopf(Schwartz p. 29). Wer am Chriſtabend bis zum Abendeſſen ſich der Speiſe ganz enthält, bekommt nach dem thüringiſchen Volksglauben ein goldnes junges Ferkel zu Geſicht, d. h. es wurde vor Alters zuletzt beim Abendſchmaus aufgetragen. Ein Lauterbacher Weisthum von 1589 verordnete, daß zu einem auf Dreikönigstag, alſo in der Julzeit, gehaltnen Gericht die Hübner ein reines ſchon bei der Milch vergelztes(ſäugend verſchnittenes) Goldferch liefern ſollten: es wurde rund durch die Bänke ge⸗ führt, und ohne Zweifel hernach geſchlachtet(J. Grimm p. 45). Zu Orford ſtellen ſie auf Weihnach⸗ ten ein Eberhaupt aus, tragen es feierlich um und ſingen: caput apri defero reddens laudes domino (derſ. p. 196). Noch jetzt(nach Zeitungsberichten) wird das alte Herkommen in England gewahrt, daß der Kopf eines wilden Schweins nebſt einem rieſigen Rindsbraten zu Weihnachten die königliche Tafel ziert. Tacitus Germ. 45 erzählt von den Äſtuern, einem ſueviſchen Stamm an der Oſtſee: Matrem deum venerantur; insigne superstitionis formas aprorum gestant. Id pro armis omnique tutela: securum deae cultorem etiam inter hostes praestat. Dieſer goldene Eber am Helm, deſſen vorzugs⸗ weiſe die angelſächſiſche Poeſie gedenkt(J. Grimm p. 195), iſt offenbar ein Symbol des Kriegsgottes ³⁵), auf den es auch zurückweiſt, wenn die den Germanen eigentümliche keilförmige Schlachtordnung im Norden swinfylking hieß, weil ſie die Geſtalt des Eberrüſſels nachahmte(Simrock p. 226).
Die Tſcherkeſſen verehren einen Gott der Wälder und Jagd Namens Meſitch, der auf wildem Eber mit Goldborſten reitet. Vielleicht war auch ein ungeheurer Eber, den die ſlaviſche Sage mit weißem Hauer ſchäumend aus einem See hervorgehen ließ, der einer verwandten Gottheit(J. Grimm p. 196)
Aus der griechiſchen Mythologie gehört hierher noch der erymanthiſche Eber und die kromyoniſche Sau. Theſeus, der ſie erlegt, ſcheint ebenſo wie Herakles Orion zu ſein. Dem arkadiſchen Apollo wurde bei ſeinem Jahresfeſte auf dem Marktplatze von Lykoſura ein Eber geopfert; man brachte dann das Thier unter Flötenſpiel in Proceſſion in den Tempel des Gottes, verbrannte da die Schenkelknochen und
35) Es beſtätigt ſich hier, daß Frick oder Freyja, die Göttermutter bei Tacitus, ganz dem männlichen Kriegsgott Fro
oder Freyr gleichſteht, wie auch der goldborſtige Eber, der ſonſt dem Freyr gehört, von der Edda der Freyja gegeben wird.


