Aufsatz 
Orion der Jäger : ein Beitrag zur semitisch-indogermanischen, besonders zur deutschen Mythenforschung / von ... Suchier
Entstehung
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verzehrte das Fleiſch(Pauſ. VIII, 38, 8). Bei der Einweihung zu den eleuſiniſchen Myſterien war es unerläßliche Pflicht ein Spanferkel zu opfern, das man zuvor am Meer gewaſchen hatte ³*). Man be⸗ diente ſich dieſes Opfers(νααοωσ) auch zur Reinigung des Orts der Volksverſammlungen, welche im Pnyr und im Theater gehalten wurden(Rinck Rel. der Hellenen II p. 363). Bei der Mordſühne wurde das Opferblut eines ſaugenden Ferkels über die Hände des Mörders gegoßen(Duncker Geſch. d. Alt. III p. 536). K. F Hermann gottesdienſtl. Alterth.§. 23 erklärt dieſen Gebrauch ſehr annehmbar:die ſittliche Befleckung ward zuerſt durch eine äußere Verunreinigung ausgedrückt, um dann mit letzterer zu⸗ gleich auch die erſtere ſymboliſch hinweg zu nehmen.

Bei den Römern begegnet uns das Schwein ebenfalls als wichtiges Sühnmittel in den ſogenannten suovetaurilia, dem großen fünfjährigen Reinigungsopfer. Ein Schwein, ein Schaf und ein Stier wurde dem Mars geopfert(Zeiß röm. Alterthumskunde§. 16 u. 235), wobei zu beachten, daß ſich Widder, Stier und Orion am Himmel unmittelbar folgen, und daß der Widder den Anfang des altrömiſchen Jahrs(im März) bezeichnete. Ebenſo wurden nach Diodor IV. 39 dem Herakles Stiere, Eber und Wid⸗ der geopfert. Sühne und erflehter Ernteſegen zugleich ſpricht ſich in den Opfern aus, die der ſabiniſche Sancus⸗Herakles gemeinſam mit Ceres erhielt; ſie beſtanden aus einem trächtigen Schwein, Brot und Honigmeth(Macrobius Sat. III, 11). In anderer Weiſe äußert ſich die Beziehung des Ebers zu dem tyriſchen Herakles, von deſſen Tempeln nach Silius Italicus III, 23 die Schweine fern gehalten wurden. Nach Lydus de mens. p. 116 durften in einen Saturnustempel Hunde, Fliegen(ſ. n. 41) und Schweine nicht kommen.

Bekannt iſt die Bedeutung des Schweins bei den Semiten und den Agyptern. Aus der trefflichen Zuſammenſtellung bei Movers p. 218 ff. ſei hier nur das Nötigſte ausgezogen. Des Schweinefleiſches enthielten ſich die Phönicier und Cyprier, die Syrer, die afrikaniſchen Libyer, die Araber und Sarazenen, die Phryger, die Skythen und die Agypter. Das Schwein war aber ein heiliges Thier, und nur der Umſtand, daß es einer infernaliſchen Macht geweiht war, machte es zugleich auch zum Gegenſtande des religiöſen Abſcheus. Zu beſtimmten Zeiten oder bei gewiſſen Veranlaßungen wurden Schweine geopfert, und man dann das Opferfleiſch, auch wol das Blut oder die Brühe des Schweinefleiſches. Bei Plu⸗ tarch heißt es: Mars mit dem Schweinegeſicht regt alles Unheil auf. Es iſt der in den Eber verwan⸗

36) Das Schwein gehöͤrte der böſen Macht, nicht der gütigen Demeter; darauf deuten die verſuchten Erklärungen, Tri⸗ ptolemus habe das Schwein der Demeter geopfert, weil es die Saat auswühlte, und die Spuren der entführten Per⸗ ſephone ſeien von Schweinen weggewühlt(Jacobi p. 241), ſo wie die böotiſche Sitte bei den Thesmophorien Schweine in eine unterirdiſche Höhle(Andeutung der Unterwelt) zu jagen(Movers p. 220). Der Aphrodite wurde nur aus⸗ nahmsioeiſe bei den ſogenannten Hyſterien in Argos ein Schwein geopfert(Hermann gott. Alt.§. 26, 3 u. 52, 7). Auf Cypern wurde ihr am 2. April ein Eber geopfert, der den Eber des Mars darſtellte, welcher den Adonis umge⸗ bracht hatte(Movers p. 219). Die Göttin von Laodicea erſcheint auf Münzen mit einem Wildſchwein(Movers p. 406), das wol ebenfalls den Mörder des Adonis repräſentirt. Die heiligen Schweine auf Cypern wurden mit Feigen ernährt. Die Feige aber ſcheint ebenſo wie der(bei Todtenopfern weſentliche) Wein und Honig(ſ. n. 63) der Macht der Hundstagshitze gehört zu haben und darum ein vornehmliches Sühnmittel geworden zu ſein. Zu dem in meiner Abhandlung de victimis humanis apad Graccos p. 37 u. 40 Erwähnten trage ich nach Plutarch de ls. 68, wo es heißt, die Agypter hätten beim Feſte des Thoth am 19. des erſten Monats, alſo in den Hundstagen, Honig und Feigen gegeßen. Beachtenswert iſt, daß der geweisſagte Tod des Kalchas grade mit Wein, einer Sau oder Feigen in Verbindung geſetzt iſt(ſ. Jacobi).