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verwundet und ſo getödtet. Selbſt in der Sage vom trojaniſchen Kriege iſt jener Zug nicht verloren ge⸗ gangen. Achilles(d. i. Hakel, Eigil) ſtirbt durch einen Pfeilſchuß in die Ferſe, und ſogar die Voraus⸗ ſagung des baldigen gewiſſen Todes iſt erhalten in der Weisſagung des Roſſes Xanthus ³²). Dem Hek⸗ tor(ebenfalls mit Hakel verwandt, ſ. auch n. 43) durchbohrt Achilles die Sehnen hinter den Knöcheln und ſchleift ihn mit den Füßen an den Wagen gebunden ins Lager. An die wilde Jagd erinnert noch das dreimalige Jagen um die Stadt(vgl. n. 73). Dem ausgeſetzten Odipus, den Hirten finden, wie den Kyros, Romulus, Linos, ſind ebenfalls die Füße durchbohrt..
Gehen wir weiter nach Süden, ſo finden wir in Syrien den Jäger wieder unter dem Namen Ado⸗ nis. Auch dieſer findet ſeinen Tod auf der Jagd durch den Hauer eines Ebers, und aus ſeinem Blute ſproßten Blumen(Movers p. 217) wie aus dem des Odin. Derſelbe iſt der phöniciſche Sichäus, der auf der Eberjagd von Pygmalion getödtet wird; ſeine Gattin Dido iſt die den Adonis liebende Aſtarte. Auch der ägyptiſche Mythus von Oſiris weiſt noch die Eberjagd auf: Typhon fand bei der Jagd auf ein wildes Schwein den Leichnam des von ihm getödteten Oſiris und riß ihn in Stücke ²*).
Das indiſche Epos Mahabharata ſcheint den alten Zug wenigſtens zum Theil bewahrt zu haben. Durjodhana, der Führer der Kuru, fällt durch einen unehrlichen Streich auf den Schenkel. Zwei andere hierher zu ziehende Helden, Karna und Kriſchna, werden durch einen Pfeil getödtet. Karna, der indiſche Achilles, dem ſein Vater im Traum erſchienen iſt und baldigen Tod geweisſagt hat, wird, als ſein Wagen in einem Sumpf ſtecken geblieben, hinterrücks in den Rücken geſchoßen. Kriſchna, der indiſche Herakles, wird von einem Jäger, der ihn für eine Antilope hielt, im Walde mit dem Pfeil ge⸗ troffen, ſein Geiſt aber zum Himmel entrückt ²⁴). Dem Tod des Karna und des Achilles entſpricht der des deutſchen Sigfrid.
Mag nun der Eber dem Mythus von Anfang an eigen geweſen oder erſt mit der Zeit hineingekom⸗ men ſein, jedenfalls tritt er in demſelben bedeutungsvoll hervor. Zu dem bereits Angeführten kommt noch folgendes. Der nordiſche Freyr, die männliche Seite der Freyja, beſaß einen Eber Gullinbursti,
hende Kohlen frißt(Simrock p. 220 u. 242), Tutoſel. Letztere iſt offenbar ein Todtenvogel, und ſo möchte das Wort Tod ſelbſt damit im Zuſammenhang ſtehen.
32) Das einzige Beiſpiel von weisſagenden Roſſen, das die griechiſche Mythologie aufweiſt, knüpft ſich grade an Achilles Heimat und an den Kentauren Chiron. Ovid erzählt nämlich Met. 11, 638 ff., Chirons Tochter Oeyrhoe ſei, wäh⸗ rend ſie ihrem Vater ſein Ende vorausſagte, in eine Stute verwandelt. Redende Thiere ſind dem Epos fremd, die Weisſagung iſt alſo ſchwerlich eine Dichtung Ovids.
33) Plutarch de ls. 8; vgl. Herodot II, 47. Movers ſtellt p. 398 den Brudermord des phrygiſchen Adraſt, des Pyg⸗ malion und des Typhon neben einander und gibt noch andere Belege dazu. Daß es zugleich ein indogermaniſcher Mythus iſt, ſcheint dem ſcharfſinnigen Forſcher entgangen zu ſein. Ich erwähne nur den Brudermord des Peleus, den Verwandtenmord des Meleager und des Herakles, den Tod der Brüder Eteokles und Polyneikes. Wie Romulus⸗ den Remus, tödtet Oneus ſeinen Sohn Toxeus(den Schützen), weil er über den Graben ſpringt(Apollodor 1. 8, 1). Selbſt Attilas Brudermord möchte hierher zu ziehen ſein. Aus der deutſchen Mythologie ſei nur Baldurs Tod ge⸗ nannt.
34) Das genauere Studium der indiſchen Mythologie liegt zur Zeit außer meinem Bereiche. Obige Angaben ſind aus Duncker Geſch. d. Alt. Eine Stelle verdient hier noch Kuhns Angabe bei Schwartz 30, daß auch im Indiſchen der Windgott Tritas den Eber tödtet, und dies kein anderer als der Rudhra ſein dürfte, der ſonſt als der himm⸗ liſche Eber erſcheint. Sollte Rudhra der deutſche Jäger Rods ſein und mit Nimrod Zuſammenhang haben?


